Irland 2025 Reloaded – Connacht

Connacht ist die nordwestliche Provinz Irlands und wir hüpfen zwischen den Grafschaften Sligo, Galway, Mayo, Leitrim und Roscommon hin und her. Allerdings erst mit einiger Wartezeit, die teils dem sehr penetranten Regen und teils unserer schwächelnden Gesundheit geschuldet ist. Wir haben uns eine hartnäckige Erkältung mitgebracht, die uns nacheinander ziemlich lahmlegt. Und offensichtlich auch ein ordentliches Schlafdefizit, das wir zum Klopfen der Regentropfen auf dem Dach und an die Fenster beheben.

Monasterredan bietet nicht viel auf unseren abendlichen Erkundungsgängen, außer einer erstaunlichen Anzahl an Eseln! Wahrscheinlich mehr Esel als menschliche Einwohner 😉 .  Und einige sind sehr neugierig und auch sehr laut. Wahrscheinlich lachen sie uns Zweibeiner aus wenn wir vorbeikommen.

Irgendwann sind wir dann doch wieder mehr unterwegs. Spazierengehen am Flughafen hört sich erstmal nicht sehr einladend an. Aber wer jetzt an London, Shanghai oder Frankfurt denkt – weit gefehlt! Der winzige Flughafen in Sligo sieht höchstens kleine Sportflugzeuge oder die Helikopter der Küstenwache.  Und rund um die Landebahn führt ein schöner kleiner Rundweg, genau richtig für rekonvaleszente Urlauber. Unterwegs gibt es schöne Ausblicke übers Meer sowie auf die Berge Ben Bulben und Knocknarea, eine Kirchenruine mit altem Friedhof in den Dünen und einen kleinen Strand mit erstaunlich vielen kleinen Schneckenhausmuscheln.

Carrowmore Megalithic Cemetery ist für die Meisten wohl nur eine zufällige Ansammlung von Steinen, und bei vielen erschließt sich uns auch keinerlei Bedeutung. Aber wir mögen alte Steine, und heute ist der Besuch auch noch (zufällig) eintrittsfrei. Damit wird diese Woche die Eröffnung des neuen Besucherzentrums gefeiert. Ansonsten werden pro Person €5 fällig. Dafür kann man auf eigene Faust über das Gelände rechts und links der Straße stromern, oder sich ausführlich von den lokalen Guides alles zur Jungsteinzeit und den gefundenen Überreste erzählen lassen. Wir lernen, dass die Unterseite der Decksteine von Dolmen wichtiger war als die Oberseite, weil dort die Sonneneinstrahlung die eingeschlossenen Quarze an rituell wichtigen Tagen zum Leuchten bringen sollte. Sie musste also sehr glatt und im richtigen Winkel abfallend sein. Ein enormer Aufwand, wenn man bedenkt, dass diese tonnenschweren Steine aus runden Felsen geschnitten und geschliffen werden mussten. Außerdem erfahren wir, dass Steinkreise oft als Fundament oder zur Stabilisierung für diese darüber liegenden Gräber errichtet wurden und gar keine eigene Bedeutung hatten. Wer hätte das gedacht? Die vermeintliche Hauptattraktion ist ein großer Cairn mit Dolmen im Inneren. Leider ist der große Steinhaufen innen mit Drahtgeflecht gesichert, was dem Ganzen ein bisschen die Authentizität raubt. Wir haben trotzdem eine schöne Zeit unter einem diffusen Wolkenhimmel, der für die richtige mystische Stimmung sorgt. Da ist es uns auch egal, ob wir alle Steinhaufen korrekt interpretiert oder identifiziert haben 😉 .

Tourmakeady am Lough Mask ist ein winziger Ort von der Sorte: durchgefahren, bevor man es bemerkt hat. Wer ein bisschen aufmerksamer ist, wird die wunderschöne Ruine der Christ Church an einem Hang entdecken. Um 1850 erbaut, wurde sie bereits 1959 wieder aufgegeben, aber es fühlt sich alles viel älter an. Efeu überwuchert die Mauern und bietet – zumindest als wir dort waren – ganz vielen Schmetterlingen ein Zuhause 🙂 . Wir mögen solche Lost Places und empfehlen dieses Kleinod, weitab von allem Trubel, jedem, der das auch tut. Und natürlich kam auch hier die 360° Kamera zum Einsatz.

 

Wo wir schon mal hier sind, wollen wir uns auch Lough Mask ansehen, aber die meisten Zugänge zum See liegen auf Privatgrundstücken. Die öffentlichen sind hässliche Steinpiers, von denen kleine Ruderboote zu Wasser gelassen werden können, denn der See soll ein Anglerparadies sein. Zumindest die Boote sind hübsch bunt.

Wenn wir nicht an den See kommen, versuchen wir es mal mit einem Waldspaziergang – zum Tourkmakeady Wasserfall. Der Weg dorthin ist gut ausgebaut und ein bisschen langweilig. Wer es ursprünglicher mag, kann auch direkt am Flussufer entlang laufen. Allerdings sind dort noch nicht alle Sturmschäden beseitigt worden. Weswegen auch der geplante Rundweg zur Zeit nicht zugänglich ist 🙁 . Der Wasserfall selbst ist nicht spektakulär, aber es ist ein netter kleiner Spaziergang.

Lough Mask mag ohne Boot nur schwer zu erkunden sein, aber zumindest  liegt er  landschaftlich sehr schön eingebettet in Hügel und kleine Berge.

Zum Abschluss wollen wir uns noch Inishmaine Abbey ansehen, was aber umständlicher ist als gedacht. Der Weg dorthin ist voller Pfützen, Matsch und Kuhfladen. Dafür ist nix los. Ob man sich die Mühe machen will, muss jeder selbst entscheiden. Viel ist von der Abbey nicht übrig und es gibt sicherlich schönere Ruinen 😉 .

Das Gerücht vom flachen Irland hält sich hartnäckig, obwohl wir seit über 20 Jahren dagegen anreden. Wer es nicht glauben will, kann sich am Glencar Lough an dem Aufstieg zum Devil’s Chimney begeben. Auf direktem Weg erreicht man den Aussichtspunkt für den Wasserfall wahrscheinlich in einer guten halben Stunde. In der man allerdings einen ziemlichen Höhenunterschied über Treppen und steile Wege überwinden muss. Wenn man – so wie wir – alle anderen Aussichtspunkte auch mitnimmt dauert es länger und bedeutet eine Menge mehr Stufen. Wir haben Glück und sehen sogar ein paar Greifvögel kreisen, auch wenn wir natürlich nicht genau wissen welche 😉 . Der Wald ist herrlich verwunschen, voller moosbewachsener Bäume und es lohnt sich hier ein bisschen mehr Zeit einzuplanen und an dem ein oder anderen Aussichtspunkt etwas zu verweilen. Oder einfach nur auszuruhen.

Wir machen Pause im TeaShed am Glencar Wasserfall. Bei strahlendem Sonnenschein sitzen wir draußen und gönnen uns eine kleine Stärkung. Danach machen wir noch einen Abstecher zum Wasserfall. Der ist auf große Besucherströme ausgelegt, inkl. (Bus) Parkplatz, dem TeaShed und One-Way-Besucher-Lenkung. Dafür ist er eher klein und enttäuschend und allein dafür braucht man nicht hierher kommen.

Wer einen aktiveren Urlaub möchte, kann den Gleniff Horseshoe Drive sicher prima per Fahrrad absolvieren. Wobei wir nicht wissen, wie hoch das Verkehrsaufkommen in der Saison ist. Wir sind natürlich zu faul und – wie alle die wir auf dem Rundkurs treffen – mit dem Auto unterwegs. Die Straße führt einmal durch den Talkessel des Benwisken Mountains mit einigen spektakulären Ausblicken.

Irland 2025 Reloaded – Anreise

Irland?? Schon wieder? Ja! Wir brauchen einfach nochmal eine Dosis der grünen Insel, nachdem unser letzter Aufenthalt im Januar durch  Sturm Éowyn etwas unerwartet geendet hat. Wer möchte kann hier nochmal alles darüber nachlesen.

Die letzten Monate waren für uns etwas stressig und wir suchen Ruhe und Erholung. Los geht es aber erstmal unentspannt. Wir planen die Fahrt nach Amsterdam mit über einer Stunde Zeitpuffer. Aber es ist so viel los, dass das immer noch nicht ausreicht. Wir kriechen von Stau zu Stau und sind gedanklich bereits dabei alles auf den nächsten Tag umzubuchen, als der erste Anruf von DFDS kommt mit der Frage „Reisen Sie heute noch mit uns?“. Ja bitte, bitte wartet auf uns! Der zweite Anruf kommt als wir gerade unsere Pässe zum Check-In abgeben. Wir sind buchstäblich das letzte Fahrzeug, das auf die Fähre rollt und noch nicht ganz in unserer Kabine angekommen, als die King Seaways bereits ablegt. Glück gehabt!

Draußen sieht es zwar sonnig und freundlich aus, tatsächlich weht aber ein heftiger Wind und ein Blick in die Dünung lässt eine unruhige Überfahrt erwarten. Die Außendecks werden auch nur noch von den Rauchern frequentiert. Dankenswerterweise sind wir mittlerweile sehr seefest (Lars) bzw. gut medikamentiert (Diane) und lassen uns davon nicht unterkriegen, sondern lieber in einen frühen Schlaf schaukeln.

Obwohl (oder gerade weil) wir gestern die Letzten waren, geht es in Newcastle für uns mit als erstes an Land. Somit auch keine Schlange bei der Einreise – so schnell haben wir das noch nie erledigt. Zu spät kommen kann sich also lohnen, vielleicht nur nicht ganz so spät wie wir diesmal 😉 .

Die Fahrt zur Ostküste dauert etwa dreieinhalb Stunden. Unsere nächste Fähre geht erst um 16:00 Uhr, wir haben also unterwegs ein bisschen Zeit. Die verbringen wir an der Lanercost Priory. Hier waren wir vor zwei Jahren schon mal, aber natürlich außerhalb der Öffnungszeiten. Diesmal können wir rein und mit unserer Mitgliedschaft bei Historic Environment Scotland sogar umsonst 🙂 .

Nun kommt auch das neueste technische Spielzeug zum Einsatz. Mit der 360° Kamera haben wir folgendes Bild aufgenommen. Wer geduldig ist, kann einfach nur gucken, für die ungeduldigen kann man reinklicken und mit dem Finger oder der Maus selbst in alle Richtungen drehen. Die meisten kennen das von Google Streetview, ist aber vermutlich besser am Tablet oder Computer zu genießen:

Direkt an der Priory ist auch ein netter Tea Room, wo wir uns stärken, bevor es endlang des Hadrianwalls weiter nach Westen geht. Und dann haben wir soviel Zeit vertrödelt, dass es schon wieder eng wird mit dem rechtzeitigen Check-In für die nächste Fähre! Gerade noch pünktlich rollen wir um 15:30 an den Schalter und werden auch ganz zügig weiter gewunken. Die European Highlander ist diesmal pünktlich (im Gegensatz zum letzten Jahr) und bringt uns in zwei Stunden nach Nordirland. Von dort sind es nochmal dreieinhalb Stunden Fahrt bis wir endlich unser erstes Feriendomizil in Monasterredan erreicht haben!

Schottland 2025 – Was sonst noch war und Abreise

Nachdem wir die nördliche Küste erkundet haben, machen wir noch einen Abstecher gen Süden. Der nächste Ort ist Dornoch mit einer schönen kleinen Kathedrale. Drinnen ist sie eher nüchtern, aber die Buntglasfenster sind mal wieder echt schön. Neben den üblichen Heiligen- und Bibel-Motiven finden sich auch zwei moderne Fenster, wie wir sie bisher noch nicht gesehen haben.  Und auch hier gibt es einen wunderbaren Strand, wenn er auch nicht ganz so verlassen ist, wie der in Embo.

Auf der kleinen Halbinsel direkt unterhalb von Dornoch geht es ziemlich  verschlafen zu. Wir statten der Meerjungfrau des Nordens einen Besuch ab, die an einem Steinstrand auf einem Felsen thront. Im Gegensatz zur berühmten Figur in Kopenhagen ist diese aber in Lebensgröße gehalten. Bei Flut hängt die Flosse im Wasser. Toll! Das Highlight ist aber Tarbat Ness Lighthouse. Fröhlich rot-weiß geringelt inmitten von blühendem Ginster und Heide, vor einem blau-weißen Himmel lässt er unser Fotografenherz höher schlagen!

Schließlich geht aber auch dieser lange Urlaub seinem Ende entgegen und wir begeben uns auf den Heimweg. Natürlich nicht einfach so, sondern mit ein paar Zwischenstopps. Der erste ist bei den Shin Falls. Erst sind wir etwas enttäuscht, denn was so groß angepriesen wird ist ein eher überschaubarer kleiner Wasserfall. Aber dann erhaschen wir aus dem Augenwinkel einen dunklen Punkt im Wasser, der blitzschnell wieder verschwunden ist. Hier sind Lachse den Fluss hinauf unterwegs zum Laichen. Und sie springen an den Falls! Das Ganze passiert so schnell, dass es nur zufällig zu fotografieren ist. Wir haben deswegen ein Bild aus einem Video exportiert. Wir entschuldigen uns für die dürftige Qualität. Es ist jetzt nicht so, dass ständig die Fische durch die Gegend fliegen, aber ein paar haben wir gesehen.

Dann geht es weiter nach Fortrose, wo wir uns die Ruine der alten Kathedrale ansehen, bevor wir uns in Blair Atholl im Atholl Arms Hotel  für die Nacht einquartieren. Ein typisches, leicht in die Jahre gekommenes, Landhotel. Der Speisesaal ist großartig und wir haben ihn zum Abendessen ganz für uns 😁.

Theoretisch hätten wir hier Blair Castle & Gardens besuchen wollen, aber die Öffnungszeiten und wir waren mal wieder nicht kompatibel. Stattdessen gibt es einen ausgiebigen Abendspaziergang durch Blair Atholl. Vorbei am kleinen weißen Bahnübergangswärterhäuschen und der alten Wassermühle zum Fluss Garry und weiter zum Flüsschen Tilt zwischen den ins Sonnenuntergangslicht getauchten grünen Hügeln. Sehr schön!

Am nächsten Morgen gibt es nochmal ein Full Scottish Breakfast, bevor es für uns auf die letzte britische Etappe geht. Die führt uns erstmal nach Jedburgh Abbey, die einzige der vier großen „Border Abbeys“, die wir noch nicht besucht haben. In unseren vorherigen Urlauben war sie wegen Reparaturen geschlossen. Es stehen immer noch ein paar Absperrungen herum, aber das ist nicht schlimm. Im Steinhaus gibt es allerlei interessante Informationen zum Bau der Abtei, der fast 120 Jahre gedauert hat. Und dann kamen irgendwelche Grenzkonflikte und alles wurde wieder zerstört. Im Prinzip war es immer eine Baustelle. Wir lernen mit welchen Werkzeugen und Methoden die hohen Mauern und Gewölbe errichtet wurden. Und versuchen am Modell selbst einen Steinbogen zu bauen. Natürlich stürzen die kleinen Quader beim ersten Versuch gleich wieder mit lautem Getöse ein. Aber beim zweiten Mal klappt es! Von uns eine klare Empfehlung, wenn man denn alte Steine mag 😊.

Der Restweg nach Newcastle und das Einschiffen auf der Princess Seaways erledigen sich fast von selbst. Das haben wir in den letzten Jahren auch oft genug gemacht 😉. Als die Hafenmole und Silhouette der Stadt langsam am Horizont verschwinden wird uns wie immer ein bisschen wehmütig. Schön war’s und wir kommen ganz bestimmt wieder!

 

 

Schottland 2025 – Caithness & Sutherland

Unser schottisches Abenteuer geht noch weiter. Wir verlassen die kleinen Inseln und nehmen die Fähre auf die große Insel.  Die 32 Meilen schafft die MV Hamnavoe in etwa 2 Stunden. Dabei geht es vorbei an der Insel Hoy und ihrem Wahrzeichen, dem Old Man of Hoy. Das ist eine Felsnadel, die dekorativ vor der Küste aufragt. Die Überfahrt ist die bequemste Art sie zu sehen. Alternativ kann man nach Hoy übersetzen und in einer 20 Kilometer Rundwanderung zur Küste laufen. Tatsächlich können wir auf den Klippen winzige Menschlein herumlaufen sehen! Über Hoy ziehen dramatische Wolkenberge durch die Hügel, aber wir haben Glück und bleiben fast die ganze Fahrt über im Sonnenschein. Unser nächstes Ziel sind die Grafschaften Caithness und Sutherland, der Nordosten Schottlands den wir bisher noch nicht kennen.

Theoretisch könnten wir direkt die Ostküste hinunterfahren um zu unserem nächsten Domizil in Embo zu gelangen. Aber wir haben gelesen, dass die A836 zwischen Thurso und Durness die schönste Scenic Route in den Highlands sein soll. Und die führt uns erstmal in die entgegensetzte Richtung nach Westen. Am Anfang sind wir schon enttäuscht, denn so besonders „scenic“ finden wir die Aussicht nicht. Es geht ein Stück von der Küste weg über eher schlechte Straßen, ohne große Oh-wie-schön-Momente. Dann kommt das Kernkraftwerk Dounreay in Sicht und wir denken endgültig – das war keine so gute Idee. Außerdem sind uns die engen Straßen viel zu voll! Wir befinden uns nämlich auf der North Coast (NC) 500, dem mittlerweile ziemlich berühmten und beliebten Rundkurs, der einmal um die schottische Nordküste führt. Der Andrang hat schon fast Übertourismusniveau erreicht und belastet Infrastruktur und Anwohner zunehmend. In weiten Teilen geht es über einspurige Straßen mit den uns schon wohl bekannten Ausweichstellen, um den Gegenverkehr – oder drängelnde Verfolger – passieren zu lassen. Für unser agiles Cashermobil und seinen erfahrenen Piloten kein Problem, aber für unerfahrene oder unsichere Wohnmobilfahrer wird das schon mal schwierig. Wir machen Pause im Couthie Café, dann gut gestärkt einen Strandspaziergang am wunderschönen Melvich Beach und treffen endlich auf echte Highland Kühe, was uns wieder mit der Welt versöhnt.

Je weiter wir uns von der Küste entfernen, umso mehr entwickelt sich die A836 zu der Scenic Route, die wir erwartet hatten. Am Horizont tauchen die ersten Hügel im Dunst auf und davor erstreckt sich die Heidelandschaft unter einem echt dramatischen Himmel! Im Tal von Borgie steigen wir auf den Hügel mit der mysteriösen Skulptur „The Unknown“ und holen uns gleich noch eine Dosis Waldentspannung dazu. Die Skulptur ist ein überlebensgroßes bronzefarbenes Skelett, das sinnierend ins Tal blickt. Eine Erläuterung zu Bedeutung und was „Unknown“ ist, gibt es nicht, da kann sich also jeder selbst seine Gedanken zu machen. Der Ausblick ist den kleinen Aufstieg allemal wert! Bevor wir die Küste endgültig verlassen verwöhnt uns ein Viewpoint noch mit einer schönen Aussicht auf die Rabbit Islands, kleine nur von Kaninchen bewohnte, Inselchen  in der Bucht von Tongue.

Bis nach Durness werden wir es heute nicht schaffen, denn wir fahren immer noch in die falsche Richtung und müssen irgendwann wieder nach Osten zurück. So folgen wir der A836, die bei Tongue südwärts abbiegt und bekommen ein wahres Landschaftsspektakel geboten! Nur schade, dass es so wenig Parkplätze bzw. Haltemöglichkeiten auf der einspurigen Straße gibt. Aber wo immer wir ein Plätzchen finden, müssen wir halten und die wunderbaren Highlands genießen! Es gibt dunkle Hügel, Heide, Moor, Flüsschen, kleine Lochs, Wasserfälle und ein Licht, wie es nur im Norden zu finden ist! Der Wettergott ist uns wohlgesinnt und zaubert tolle Wolkenspiele in den Himmel, aber es bleibt trocken und oft sonnig.

Unsere persönliche Empfehlung für die A836 ist also der Abschnitt quer durch die Highlands von Tongue bis Lairg. Die Küste kann man mitnehmen, aber da haben wir schon schönere Strecken gemacht. In Lairg geht es für uns dann endgültig nach Osten, bis wir endlich unser Ziel in Embo erreichen.

Der Strand von Embo liegt direkt vor unserer Tür. Wir können vom Wohnzimmerfenster die Dünen und sogar ein Stück Sand sehen! Er ist kilometerlang und in der Vorsaison nur mäßig besucht. Wir sind meistens ganz allein 😀. Der ziemliche große Caravanpark in der Nachbarschaft lässt allerdings vermuten, dass das im Hochsommer anders sein wird.

Uns zieht es nochmal die Ostküste hinauf, denn die soll gerade am nördlichsten Punkt – Dunnet Head – sehr schön sein. Also nix wie hin. Allerdings sind die Entfernungen hier doch deutlich weiter, als wir es aus den letzten Wochen gewöhnt sind. Aber was sein muss, muss sein.

Zuerst geht es quer durch das, was Flow-Country genannt wird. Mit 4.000qm² ist es das größte Hochmoor Europas, das eine Torfschicht von mehreren Metern gebildet hat. So tief, dass man laut Infotafel einen Doppeldeckerbus darin versenken könnte! Dazwischen immer wieder Moortümpel und sonst nicht viel woran sich das Auge festhalten könnte. Ein einzigartiger Lebensraum, und ein riesiger CO2-Speicher. Seit man das verstanden hat, wird daran gearbeitet, das Gebiet zu erhalten und verlorene Teile, die für die Waldwirtschaft trocken gelegt wurden, wieder zurück zu verwandeln. Seit kurzem ist es außerdem UNESCO Weltkulturerbe.

Aber wir wollen zum Harold’s Tower, einem kuriosen Bauwerk, das fotogen auf einer kleinen Erhöhung steht. Leider ist das umgebene Feld bei unserem Besuch keine Viehweide – über die wir wahrscheinlich einfach drüber gelaufen wären – sondern ein Feld voller Weizen. Da wollen wir natürlich nix kaputt machen und so bleibt es beim Anblick aus der Ferne.

Castletown Beach hatten wir für heute gar nicht auf dem Programm, aber es ist so windig, dass die Kronen der hereinrollenden Wellen in Schleiern hoch und zurück geweht werden. Das müssen wir uns natürlich näher ansehen. Dankeswerterweise ist den meisten Besuchern der Weg über das kurz Stück Steinstrand zu beschwerlich und sie bleiben in der Nähe vom Parkplatz. So haben wir das Spektakel auf ganzer Breite für uns 😍. Um es richtig zu erfassen braucht es natürlich Bewegtbilder, die wir auch reichlich machen. Aber die sind noch nicht auf zuschauerfreundliche Länge geschnitten 😉.

Dann erreichen wir Dunnet Head, den nördlichsten Punkt Schottlands und somit der britischen Hauptinsel. Es ist so windig, dass wir uns ordentlich gegen die Böen stemmen müssen, aber das macht uns ja nichts aus. Auf dem Parkplatz stehen diverse Wohnmobile mit Insassen, die mehr oder weniger die Aussicht genießen und die besten Plätze blockieren. Ob sie sich auch nach draußen getraut haben, können wir nicht sagen. Im-Auto-Sitzen ist hier aber definitiv eine weit verbreitete Beschäftigung. Der Leuchtturm ist nett, aber nicht spektakulär. Auf das Gelände selbst kann man nicht. Stattdessen geht es weiter zum Aussichtspunkt und zum Spaziergang über die Klippen. Ebenfalls nett, aber auch da hatten wir diesen Urlaub schon Besseres (jaja, jammern auf sehr hohem Niveau 😇). Immerhin denken wir daran, den Geocache noch zu heben!

Am Brough Pier kann man oft Seehunde sehen (wir natürlich nicht 😔), aber dafür gibt es ein hübsches Häuschen mit roter Tür und Fensterläden, sowie freistehende Felsen vor der Küste. Wir würden allerdings empfehlen, das Auto oben stehen zu lassen und nicht so wie wir schwungvoll abzubiegen. Ehe wir uns versehen sind wir schon zu weit die Holperpiste runter um noch zurück oder wenden zu können. Unten gibt es aber tatsächlich einen ausgewiesenen Besucherparkplatz!

Ein Stück weiter nach Südosten liegt John O’Groats und Duncansby Head. Wer nur Zeit für einen Stopp hat sollte definitiv diesen wählen. Der Weg zum Leuchtturm und weiter zu den Felspyramiden vor der Küste ist schön zu laufen und lohnt sich! Als Bonus sehen wir auch nochmal Papagaientaucher, die aber noch scheuer sind, als die, die wir bisher gesehen haben und kaum lange genug für ein Foto still halten. Der böige Wind tut sein übriges. Aber wir schaffen es! Man könnte  noch weiter an der Küste entlang laufen, aber die vom Wind hochgepeitschte und nach oben getragene Gischt hat uns die ganze Brille verknast. Und der unbefestigte Weg ist bei diesen Windverhältnissen auch nicht so wirklich. Das hat aber definitiv Wiederholungspotential!

Noch ein Stück weiter südlich machen wir eine sehr schöne Abendrunde am Noss Head. Vom Parkplatz kann man direkt zum Castle Sinclaire Grinigoe laufen, oder man macht eine größere Runde am Leuchtturm vorbei. Die Bewohner (wie cool ist das denn, im Leuchtturm zu wohnen?!) haben nichts dagegen, wenn man – zu Fuß – die Zufahrtsstraße nutzt, solange man nicht direkt auf das Gelände direkt am Leuchtturm geht. Wobei Straße auch eine beschönigte Bezeichnung ist. Das hätten wir dem Cachermobil sowieso nicht zugemutet! Am Leuchtturm vorbei geht es auf mehr oder weniger erkennbaren Trampelpfaden über die Klippen zum Castle. Also zur Ruine, denn mehr ist davon nicht mehr übrig. Aber sie thront auf einer winzigen Landzunge über dem Meer und ist frei zugänglich. Es gibt sicher besser erhaltene Gemäuer und die vielen Metallstützen und Absperrungen helfen auch nicht, aber die Lage, das weiche Abendlicht und die Einsamkeit holen das alles wieder raus!

Noch ein Stückchen weiter südlich, in Whaligoe, kann man über eine in die Felswand geschlagene Treppe von den Klippen bis zum Meer hinunter steigen. Natürlich sollte einem bewusst sein, dass man die von uns gezählten insgesamt 330 Stufen hinterher auch wieder rauf muss 😉. Unten bietet sich ein einzigartiger Blick die steile Felswand hinauf und auf die Brandung, die in die kleine Bucht rollt. Wer die Mühe nicht scheut, unbedingt machen! Es ist allerdings schon ein kleiner Touristen Hotspot. Oben gibt es nur einen winzigen Parkplatz, da kann es auf der kleinen Zufahrtsstraße und beim Rangieren schon mal eng werden. Die Stufen sind teilweise sehr steil, bröckelig und ohne richtige Absicherung zur Seeseite. Bei schlechtem Wetter hätten wir es uns bestimmt zweimal überlegt, aber wir haben gutes Timing, ergattern einen der begehrten regulären Parkplätze und schaffen die Tour runter und wieder rauf ohne Stau auf der Treppe und bevor der nächste Regenschauer niederprasselt. Allerdings lassen wir deswegen den Küstenweg auf den Klippen rechts und links der Bucht  aus.

An der ganzen Küste liegen kleine Häfen. Besonders nett fanden wir Lybster Harbour, mit seinem niedlichen weißen Leuchtturm am Ende des Piers und den zufrieden vor sich hinschaukelnden Fischerbooten. Wer möchte kann hier auch eine Pause im Heimatmuseum und Café „Waterlines“ einlegen. Allerdings hat es, wie so viele Einrichtungen in Schottland, eher lustige Öffnungszeiten, aktuell Do-Sa von 10 bis 15 Uhr.

Golspie liegt von unserem Ferienhaus gerade mal 15 Autominuten entfernt. Dort findet sich eine Top Attraktion der Gegend: Dunrobin Castle. Es ist das nördlichste Herrenhaus Schottlands. Es zählt zu den ältesten durchgehend bewohnten Häusern Großbritanniens und stammt aus dem frühen 14.  Jahrhundert.  Es war Sitz der Grafen und später der Herzöge von Sutherland. Mit seinen runden hoch aufragenden Spitztürmchen und aus hellem Stein erbaut, sieht es ein bisschen nach Märchenschloss aus. Von den angeblich 189 Räumen sind 18 zu besichtigen. Das sind die Räume der Familie und auch einige Zimmer des Personals, die den gigantischen Apparat versorgten und am Laufen hielten. Zum Meer hin schließt sich eine schöne Gartenanlage an, die man über diverse Treppen erreicht. Hat man seinen Besuch entsprechend geplant, finden im Garten zweimal am Tag Vorführungen der Falknerei statt. Es gibt außerdem ein Museum, aber soweit sind wir gar nicht gekommen. Im Schloss alleine gibt es soviel zu sehen in all den Vitrinen, Schränken, auf Bildern, Möbeln und jeder Raum ist mit mehrsprachlichen Erklärtafeln ausgestattet. Alles macht einen sehr stimmigen Eindruck und ist wirklich spannend zu erkunden. Der Eintritt ist mit £15,50 nicht billig, aber dafür ist alles inklusive. Je nach Aufenthaltsdauer und Laune gibt es noch einen Teamroom und einen Kaffeewagen im Hof. Der obligatorische Shop darf natürlich auch nicht fehlen. Obwohl wir anfangs etwas besorgt ob des Besucheransturms sind, aber dann verläuft sich die Menge im weitläufigen Schloss und Garten. Auch hier sollte man im Hinterkopf haben, dass spätestens um 17:00 Uhr alles geschlossen wird. Wir haben uns ziemlich lange (inkl. Flugschau) aufgehalten, war uns den Eintrittspreis also wert!

Als Kontrastprogramm bietet sich ein Abstecher zu Golspie Burn Waterfall & Gorge an. Der Wasserfall selbst ist nicht so spektakulär, aber der Weg dorthin führt durch eine schön verwunschene Schlucht. Immer am Flüsschen Golspie entlang, das fröhlich über Stock und Stein plätschert. Es geht über Stege und Holzbrücken von einem Ufer zum anderen. Von oben fällt der Sonnenschein (wenn denn die Sonne scheint) wie ein Flickenteppich in die Schlucht – schön gemacht und schön zu laufen!

Ein kleines Stück weiter an der vielbefahrenen A9 liegt Carn Liath Broch, die Überreste eines Turms mit ein paar Nebengebäuden. Über eine relativ gut erhaltene Treppe kann man auf die Mauerkrone klettern und oben komplett rum gehen. Ohne Eintritt und ohne andere Besucher! Einzig der ziemlich nah vorbeirauschende Verkehr stört den Gesamteindruck ein bisschen.

 

Schottland 2025 – Orkney, Kirkwall und der Osten

Kirkwall ist mit etwa 10.000 Einwohnern der größte Ort der Orkneys und das Verwaltungszentrum der Inselgruppe. Es ist also alles zu finden, was im Alltag so gebraucht wird. Seit der Hafen erweitert wurde laufen jedes Jahr rund 100 Kreuzfahrtschiffe Kirkwall an. Das reicht von kleinen erlesenen Schiffen mit nur 250 Passagieren bis zu den hoch aufragenden Riesenschiffen mit mehreren tausend Reisenden. Es lohnt sich also einen Blick auf die Webseite des Hafens zu werfen, bevor man einen Besuch in der Stadt plant, um Gedränge zu vermeiden. Das Herzstück der Stadt ist die Kathedrale St. Magnus aus dem 12. Jahrhundert. Aus rotem Sandstein erbaut macht sie, besonders wenn die Sonne scheint, einen freundlichen und zugleich erhabenen Eindruck. Drinnen wirkt es überraschend luftig und die Buntglasfenster (wir sind Fans!) sind wunderschön.

Gegenüber der Kathedrale liegt die Ruine des Bishop’s Palace, der ebenfalls im 12. Jahrhundert für den ersten Bischoff – William the Old – errichtet wurde. Von diesen Ursprüngen ist allerdings nicht mehr viel übrig, das Meiste, was heute noch zu sehen ist, stammt von einer Restaurierung und Erweiterung im 16. Jahrhundert. Auch der Turm, den man besteigen kann, wurde in dieser Zeit errichtet. Von oben hat man einen tollen Blick auf die Kathedrale! Im Kombiticket kann man auch den Earl’s Palace direkt nebenan besichtigen, der aber auch nur noch eine – zumindest besser erhaltene – Ruine ist. In den ehemaligen Kellerräumen sind diverse Spiele aufgebaut, mit denen man sich gut einen Regenschauer lang beschäftigen kann 😉.

Kirkwall ist auch Sitz der nördlichsten Whiskybrennerei in Schottland – der Highland Park Distillery. Wir wurden schon oft gefragt, ob wir in Irland oder Schottland denn nicht mal eine Brennerei besucht hätten? Bisher nicht, aber das haben wir jetzt nachgeholt. Angeberwissen für die nächste Party: In Schottland und Kanada gebrannt ist es Whisky. In Irland und USA hergestellt ist es i.d.R. Whiskey. Das „e“ kam angeblich hinzu, weil sich irische Brennereien von den schottischen Konkurrenzprodukten unterscheiden wollten. Nach umfangreicher Renovierung und Modernisierung hat Highland Park erst im Frühjahr 2025 wieder den Betrieb aufgenommen und die Türen für Besucher geöffnet. In sehr informativen und kurzweiligen 75 Minuten erfahren wir enorm viel über den Prozess der Whisky-Herstellung.  Erstaunlicherweise hat sich in den letzten 225 Jahren gar nicht so viel am Herstellungsprozess geändert. Die Gerste wird immer noch über Torfrauch getrocknet, auch wenn man jetzt nicht mehr mit Kohle zu feuert, sondern Heißluft verwendet. Und die alten Holzbottiche zum Maischen und Fermentieren wurden jetzt durch blitzendes Metall ersetzt. Am Ende landet das Destillat dann in Eichenfässern, wo er mindestens 12 Jahre lagert, bevor er in Flaschen abgefüllt wird. Für noch (viel) länger gelagerte Exemplare können schon mal mehrere tausend (!) Pfund pro Flasche auf dem Preisschild stehen. Uns erstaunt, was aus nur drei Grundzutaten (Wasser, Gerste, Hefe) am Ende an Geschmacksnoten herauskommt, sogar für unsere ungeschulten Sinne. Und natürlich dürfen wir auch ein, zwei, drei „dram“ – die Einheit, in der der Whisky ausgeschüttet wird, ca. 25-35 ml, also „ein Schlückchen“ – probieren 😊.

Östlich von Kirwall nimmt die Anzahl an Sehenswürdigkeiten und damit auch die Bevölkerungs- und Besucherdichte etwas ab. Dafür hat fast jede Landzunge (= Head) ihren eigenen Coastal Walk und macht damit die Landschaft selbst zur Sehenswürdigkeit. Die Wege reichen von gut angelegt bis zum Trampelpfad und führen meistens direkt an der zerklüfteten Küste entlang. Der östlichste ist Mull Head. Es geht vorbei an einer Höhle mit eingestürzter Decke (The Gloup) zu einen Brough. Der ist aber nur über abenteuerliche Wege, die uns wie Indiana Jones fühlen lassen, und ein Geröllfeld erreichbar. Wir gestehen, für uns ist am Geröllfeld Schluss. Der Urlaub ist zu schön für einen verstauchten Knöchel 😉. Aber auch so ist es ein toller Spaziergang. Die Küste sieht hinter jeder Kurve anders aus und überall blüht die Strandnelke und das Wollgras 😍. Daumen hoch von uns!

Etwas weiter südlich ist der Roseness Coastal Walk kürzer und auch nicht so dramatisch. Es gibt ebenfalls ein „Gloup“, aber der ist eingezäunt, einen quadratischen Steinturm, dessen Funktion nicht geklärt ist und einen Leuchtturm.  Dazu neugierige Kühe, scheue Schafe, Wind und Wellen satt. Und obwohl die Landzunge eher klein ist, hat man das Gefühl von unendlicher Weite. Ebenfalls empfehlenswert!

Noch weiter südlich verlässt man unmerklich Mainland Orkney und es geht über die sogenannten „Churchill Barriers“ und die winzigen Inselchen Lamb Holm und Glimps Holm nach Burray und South Ronaldsay. Diese Barrikaden ließ Churchill im zweiten Weltkrieg errichten, um die britische Flotte in der Bucht von Scapa Flow vor Angriffen durch die deutsche Marine zu schützen. Ein U-Boot hatte in der Durchfahrt ein Schlachtschiff versenkt und dadurch eine kleine Blockade gebildet. Die Dämme, die die einzelnen Inseln heute miteinander verbinden verhinderten dann den Zugang vollständig. Zum Bau  wurden italienische Kriegsgefangene herangezogen. Weil diese aber nach den Genfer Konventionen nicht für militärische Zwecke eingesetzt werden durften, wurden die Barrikaden als notwendige Infrastrukturmaßnahme deklariert. Ironischerweise wurden sie erst kurz nach Kriegsende fertiggestellt und dienen damit wirklich nur zivilen Zwecken. In den Gewässern um die Barriers liegen heute noch diverse Schiffswracks, die mit dem Gezeiten mal mehr und mal weniger aus dem Wasser ragen. Sehr skurril, aber offensichtlich ein sehr beliebtes Tauchgebiet. Und immer wieder weiße Sandstrände dazwischen!

Die Kriegsgefangen haben in ihrem Lager auf Lamb Holm aus zwei Wellblechhütten eine Kapelle gebaut, die man heute noch besichtigen kann. Die Front ist weiß gestrichen mit roten Akzenten. Sehr hübsch! Erst von der Seite fällt  die ungewöhnliche halbrunde Form des Gebäudes auf. Viel Baumaterial gab es nicht, deshalb wurden Wände und Decken so kunstvoll bemalt, dass es aussieht wie Säulen, Gewölbebögen und Steinmetzarbeiten. Das Taufbecken wurde aus einem mit Beton überzogenen Auspuff hergestellt und die Kerzenhalter aus alten Dosen gebastelt. Erst dachten wir, es lohnt sich nicht £4 Eintritt zu zahlen, nur um einen Raum zu sehen, aber im Nachhinein sind wir froh, dass wir es gemacht haben.

St. Margaret’s Hope liegt auf South Ronaldsay und wurde nach der Prinzessin Margaret benannt,  deren Mitgift Orkney und Shetland waren und die tragischer Weise auf dem Weg zu ihrer Hochzeit in Schottland auf Orkney verstarb. Von hier gibt es eine Katamaran Autofähre, die in knapp einer Stunde Schottland Mainland (ja auch die ganz große britische Insel wird Mainland genannt, sehr verwirrend!) erreicht. Hätten wir das vorher gewusst, wäre das wahrscheinlich unsere Wahl für unsere Weiterreise gewesen. Es ist nicht nur schneller ist als die Verbindung von Stromness nach Scrabster, sondern liegt auch viel näher an unserem Ferienhaus. Aber unsere Route hat auch so einiges zu bieten, wir berichten im nächsten Beitrag 😉.

Der Rundweg am Hoxa Head führt zu einer Küstenartilleriebatterie aus dem zweiten Weltkrieg. Sie besteht aus Beobachtungs- und  Geschütztürmen, Unterkunfts- und andern nicht näher definierten Gebäuden. Nicht unbedingt das, was wir im Urlaub besichtigen müssen, aber in Reiseführern und den einschlägigen Internetquellen wir es als Sehenswürdigkeit angepriesen. Es ist ein weiteres Zeugnis für die strategische Bedeutung der Inseln in beiden Weltkriegen. Heute sind die Betonhäuschen zumindest ganz praktisch als Unterstand im unbeständigen orkadischen Wetter. Im Kontrast dazu blühen am ganzen Weg Strandnelken, Klee und riesiger knallroter Klatschmohn. Das gefällt uns.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Insel liegt die kleine Kirche St. Peter und dahinter eine alte Schiffswinde, ein Steinhaufen (vielleicht die Überreste eine kleinen Windmühle?) und der Millenium Stone dekorativ direkt am Meer aufgereiht. Auch hier könnte man noch weiter laufen, aber es zieht neuer Regen auf und motiviert uns, lieber den Heimweg anzutreten. In den Feldern sehen wir immer wieder einzelne Monolithen, die meisten allerdings nicht gut zugänglich. Einem Stopp am Sorquoy Standing Stone können wir dann aber doch nicht widerstehen und sind hinterher durchnässt und froh, uns schnell im Ferienhaus wieder aufwärmen zu können. Die Wege sind hier ja glücklicherweise alle ziemlich kurz 😊.

Wir haben uns wirklich viel Mühe gegeben, es aber nicht geschafft unsere komplette To-See-Liste abzuarbeiten. Es gibt einfach zu viel zu sehen auf Orkney! Und dann sind da noch die umliegenden Inselchen, von denen einige sicherlich auch einen Besuch wert sind. Auch hier werden wir wohl nochmal herkommen müssen 😁.