Schottland 2026 – Shetland, Lerwick, das Fernsehen und eine Nachtwanderung

Unsere Ferienhaus liegt diesmal in einer Wohnsiedlung fast im Zentrum von Lerwick. Damit haben wir alle Annehmlichkeiten der Inselhauptstadt quasi direkt vor der Haustür, gucken aber über die kleine Halbinsel „The Knab“ mit ihren grünen Wiesen, die auch ein öffentlicher Golfplatz sind, und über die Bucht bis zum Tesco Parkplatz :-).

Lerwick ist ein quirliges kleines Städtchen. Die Altstadt mit einer netten Fußgängerzone verbindet, über steile und teilweise winzige Gassen, die oberen Straßen und den Hafen. Alles ist überschaubar und gut zu Fuß zu erreichen. Aber das Auf und Ab kann ganz schön in die Beine gehen. Von Fort Charlotte ist ausser ein paar Kanonen nicht mehr viel zu besichtigen, aber man hat von dort zumindest einen Ausguck über die Dächer der Stadt.
Im Shetland Museum & Archives kann man sich kostenlos über die Inseln informieren. Hier erfährt man, wenn man will, viel über die geologische Entstehungsgeschichte, die uns zugegebenermaßen nicht so sehr interessiert. Aber auch allerhand über die Siedlungsgeschichte. Von den Pikten über die Wikinger bis zur ersten Telefonstation im 20. Jahrhundert. Das Museum ist vollgestopft mit Informationen und wir verbringen hier einen, der leider vielen, Regennachmittag(e).

Die alten Handelshäuser direkt am Wasser wirken trutzig und scheinen sich vor dem harschen Atlantikwetter schützend zusammen zu drängen. Auch sonst wirken die Sandsteinhäuser der Altstadt mit ihren Schieferdächern und kleinen Fenstern oft eher wehrhaft als schön, aber bunte Fähnchen und Türen setzen Farbtupfer. Farbe gibt es auch vom Meer. Manchmal im Minutentakt wechselt es von grau zu hellblau zu grün. Von bleischwer zu spiegelglatt, immer anders, immer spannend.

Besonders sehenswert sind die Buntglasfenster im großen Saal des Rathauses, die man sich während der Bürozeiten ebenfalls kostenlos ansehen kann. Wichtige Personen und Begebenheiten aus der Geschichte sind hier verewigt. Für alle, die das so wie wir nicht gleich auf Anhieb verstehen, gibt es Erklärtafeln, die alles kurz und knackig beschreiben. Und im Erdgeschoss gibt es praktischerweise auch noch ein öffentliches WC.
Da Lerwick so klein ist sollte man vor einem Besuch unbedingt prüfen, ob und welches Kreuzfahrtschiff gerade im Hafen liegt. Denn wenn sich hunderte von Passagieren in die Gassen ergießen ist die Atmosphäre leider schnell dahin. Auch wenn die Geschäfte und Cafés offensichtlich davon profitieren.

Ebenfalls in Lerwick finden sich die Polizeistation und das Wohnhaus von Detective Inspector Jimmy Perez aus der von uns bereits beworbenen TV-Serie „Mord auf Shetland“, oder im Original einfach „Shetland“. Wir haben gelesen, dass gerade Dreharbeiten auf der Insel stattfinden. Also zumindest die Außenaufnahmen. Der Rest wird kostengünstiger in Glasgow gedreht. Auf der Anreise haben wir spekuliert, ob wir da vielleicht was zu sehen bekommen. Als wir dann aber tatsächlich die LKW und Lichttechnik am Straßenrand sehen, sind wir doch überrascht. Und an unserem Abreisetag platzen wir dann doch noch mitten in eine Szene. Also wir werden angehalten und dürfen nur in einer Drehpause weiterfahren. Eigentlich wollten wir uns die Mühle in Quendale ansehen, aber die ist heute für’s Fernsehen reserviert. Wir sehen nicht viel, aber unterhalten uns sehr nett mit Ian von der Sicherheit und dem Hiwi von der Regie 😁. Und jetzt sind wir sehr gespannt, ob wir in der nächsten Staffel irgendwas wiedererkennen werden!

Mousa ist eine kleine unbewohnte Insel 14 Meilen südlich von Lerwick. Sie liegt genau auf dem 60. Breitengrad, in einer Linie mit Oslo und Helsinki. Eigentlich ist sie nur von Menschen unbewohnt, denn es gibt dort jede Menge Vögel. Und einen Broch. Mit 13 Metern Höhe sogar den am besten erhaltenen dieser Türme in Schottland. Das Mousa-Boat bietet Touren zur Insel an. Eine davon abends, wenn die Sturmwellenreiter (kleine Vögel) vom Meer zu ihren Brutplätzen im Broch und den Steinmauern auf der Insel zurück kehren. Beworben werden Schwärme von Vögeln, die mit viel Spektakel durch die Luft sausen. Diane hat sich einen Platz reserviert und nach einem Regentag klart es tatsächlich zum späteren Abend genug auf, dass die Tour stattfindet. Warm eingepackt haben sich um 22:15 Uhr etwas 20 Teilnehmer am Sandsayre Pier in Sandwick eingefunden. Wetterbedingt fallen die Fahrten regelmäßig aus, so das erst vor Ort beim Cäpt’n bezahlt wird. Endlich werden wir einen Teil unseres schon jahrealten Bargelds los. Noch ist es nicht ganz dunkel und im Zwielicht ist die 15minüte Überfahrt schon ein Erlebnis. Vor Mousa liegt ein kleines hellbeleuchtete Kreuzfahrtschiff vor Anker, was unsere Guides erbost, weil das Licht die Vögel störe. Mit kleinen Taschenlampen ausgestattet geht es vom Anleger zum Broch. Unterwegs erzählt uns Darron was zur Insel und den Vögeln, die hier leben. Wenn die Temperaturen schon nicht nach festem Schuhwerk verlangen, tut es der Weg auf jeden Fall! Am Anleger steht zwar eine Tonne mit Spazierstöcken bereit, die man sich leihen kann, aber einige Teilnehmer haben wohl ihre Fitness und Nachtsicht grob überschätzt. Mehr oder weniger elegant stolpert unsere Gruppe im Dämmerlicht zum Turm.
Dort angekommen warten alle gespannt auf die Vögel. Am besten sollen sie zu sehen sein, wenn man am dunklen Broch hochschaut und sie sich gegen den etwas helleren Himmel abzeichnen. Wir sehen hauptsächlich die Lichter des Schiffes in der Bucht. Ob es tatsächlich an der Beleuchtung liegt oder die „Schwärme“ aus der Werbung etwas übertrieben sind, weiß man nicht. Es kommen tatsächlich vereinzelt Vögel und sausen in einem Affenzahn durch die Luft. Aber ehrlich gesagt unterscheiden sie sich nicht sehr von den Fledermäusen, die zu Hause in der Dämmerung über unseren Garten jagen.
Theoretisch könnte man auch den Broch besteigen, aber in völliger Finsternis gibt es nicht viel zu sehen. Und da wegen der Vögel nur das Rotlicht der Taschenlampen benutzt werden darf, ist der Aufstieg auch nicht ganz ungefährlich. Das machen wir lieber mal bei Tag. Kurz bevor der Rücken sich über das lange Stehen und der Nacken sich über das ständige Hochschauen schmerzlich beschweren, geht es zurück. Die tanzenden Lichter der Taschenlampen auf dem Boden erinnern ein bisschen an die Nachtwanderungen im Schullandheim. Nur leiser 😉. Insgesamt war es trotzdem ein zwar kalter aber spannender Inseltrip. Wobei zu bedenken ist, dass es am Broch keine Sitzgelegenheiten-  außer dem matschigen Boden – und auf der Insel keine Toiletten gibt. Das sollte man also vorher, oder nachher in Sandwick erledigen.

 

Schottland 2026 – Anreise

Da uns Shetland und Orkney letztes Jahr wirklich, wirklich, wirklich  gut gefallen haben, machen wir uns dieses Jahr einfach noch mal auf die Reise. Diesmal haben wir aber mehr Zeit in Shetland eingeplant, da uns die knappe Woche letztes Jahr definitiv zu kurz war.

Zuerst spulen wir aber das gewohnte Programm ab, das mit der Fahrt zur Fähre nach Amsterdam beginnt. Nach der Zitterpartie vom letzten Mal haben wir uns aber den Tag komplett frei genommen und uns bereits vormittags auf den Weg gemacht. Von unserer Seite läuft diesmal alles reibungslos. Die Fähre ist aber so voll, dass auf dem Frachtdeck etwas länger hin und her rangiert werden muss und wir mit einer Stunde Verspätung auslaufen. Da die Reisezeit immer sehr großzügig bemessen ist, soll sich unsere Ankunft dadurch aber nicht verzögern. Alles gut! Wir laufen noch mit Sonne aus, aber am Abend zieht kalter und dauerhafter Regen auf. Wir haben trotzdem eine sehr ruhige Überfahrt. Der nächste Morgen bringt Geschenke für ein Geburtstagskind und das inzwischen lieb gewonnene erste englische/schottische Frühstück.

Brexit sei Dank ist die Einreise nach Großbritannien nicht mehr so einfach wie früher. Neben Reisepass ist mittlerweile auch eine vorherige ETA (electronic travel authorisation) nötig. Deren Überprüfung vor Ort dauert. Und bei einer vollen Fähre heißt das vor allem, anstehen und warten. Auch auf die vielen Motorradfahrer/innen, die mit Helm vorfahren und sich dann bei der Passkontrolle erstmal freilegen müssen. Wir sind also pünktlich in Newcastle angekommen, aber jetzt es dauert Ewigkeiten bis wir den Hafen verlassen können. Wir sind also mal wieder flexibel, streichen unseren ersten Zwischenstopp und wir fahren gleich durch bis Edinburgh, wo wir uns heute einquartiert haben.  Auf dem Weg leuchten überall hellgelbe Rapsfelder, selbst wenn wir gerade mal wieder in den nächsten Schauer fahren.

Unser Hotel liegt relativ zentral und wir haben uns als erste Station Tickets für Edinburgh Castle besorgt. Unsere Mitgliedschaft bei Historic Scotland läuft noch bis zum Ende diesen Monats und damit haben wir freien Eintritt. Spätestens damit haben wir unseren Jahresbeitrag „abbesichtigt“ 😁. Und es ist gut, dass wir bereits Tickets haben, denn es sind für den Tag keine mehr verfügbar. Wer sich nicht mit der Außenansicht begnügen möchte, sollte also besser ebenfalls vorab online buchen.

Wir haben uns für die eigenständige Tour mit Audioguide entschieden. Den mussten wir dann aber doch extra bezahlen. Zumindest gab es für uns 20% Rabatt😉. Den Guide haben wir bereits im Vorfeld heruntergeladen und unsere eigenen Kopfhörer mitgebracht. So müssen wir nicht mit einem unhandlichen Pseudotelefon am Ohr herumlaufen was bei Regen unangenehm (kaltes Wasser was in Ärmel läuft 🥶) und bei lauter Umgebung schwer zu hören ist. Mit Knopf im Ohr machen wir uns auf, die riesige Anlage zu erkunden.

Die Festung ist UNESCO Weltkulturerbe und thront auf einem Felsen über der Stadt. Aus dieser luftigen Höhe hat man einen wunderbaren Ausblick über ganz Edinburgh. Ansonsten gibt es jede Menge Ausstellungen zu Militär und Militärgeschichte der Highlands. Wir hatten bei Castle etwas andere Vorstellungen. Es gibt kaum Wohnräume zu besichtigen, aber die schottischen Kronjuwelen, die man allerdings nicht fotografieren darf. Wir haben Glück und müssen dafür zumindest nicht anstehen. Ansonsten behalten wir den Himmel gut im Auge, damit wir, wenn er seine Schleusen öffnet, schnell einen Unterschlupf finden. Was bei den vielen Besuchern manchmal gar nicht so einfach ist. Und es sind viele Besucher. Sehr viele! Das gilt nicht nur für das Castle, sondern die ganze Stadt. Überall Touristen 😱!

Offiziell ist heute bis 18:00 Uhr geöffnet, aber bereits ab halb sechs werden erste Bereiche abgesperrt und das Café schließt ebenfalls schon um 17:45 Uhr. Etwas enttäuschend, besonders wenn man den happigen Eintrittspreis berücksichtig.  Wer sich Gedränge und Ticket sparen, aber trotzdem mehr zum Castle wissen möchte, kann sich alternativ am offiziellen 3D Modell austoben.

Wir werden mit den letzten Besuchern aus dem Castle gescheucht und bahnen uns unseren Weg durch die Schaulustigen, die sich hinter den Absperrgittern am Eingang drängeln, um einen Blick auf das Castle zu erhaschen. Dann schlendern wir die berühmte Royal Mile entlang und lassen uns mit dem Strom der Touristen treiben. Um uns eine Kakophonie aus Englisch, Französisch, Spanisch, diverse asiatische Reisegruppen und hin und wieder ein deutscher oder niederländischer Satz. Edinburgh ist eine Trend-Destination, was den Einheimischen wahrscheinlich ordentlich auf den Keks geht, aber wird seinen Ruf definitiv gerecht! Es gibt viele wunderschöne alte  Gebäude, überall Monumente, Museen in Hülle und Fülle und jede Ecke atmet Geschichte. Mittlerweile haben wir uns ein Abendessen verdient und kehren bei Howies ein. Nette Location, guter Service, leckeres Essen. Von uns eine klare Empfehlung.

Gut gestärkt machen wir uns an den Aufstieg des Calton Hill zum Nelson Monument. Dunkle Regenwolken und Sonnenuntergang zaubern tolle Effekte in den Himmel und tauchen die Stadt in goldenes Licht.  Der Ausblick ist  spektakulär. Und das Dugald Stewart Monuments ziert in genau diesem Licht so manchen Reiseführer und die Wikipedia-Seite der Stadt. Ein toller Abschluss für diesen Tag, auch wenn wir am Ende ordentlich durchgepustet und verfroren vom Hügel herunter und ins Hotel zurück kommen.

Es gäbe noch viel mehr zu sehen, aber für uns geht es am nächsten Morgen schon wieder weiter. Wir müssen bis heute Nachmittag in Aberdeen sein, um die Fähre nach Shetland zu erreichen. Aber erstmal gibt es Frühstück in North Queensferry, in einem netten kleinen Café zwischen den Forth Brücken.

Dann geht es weiter nordwärts. Unser nächster Stopp ist Drum Castle & Gardens.  Das Schloss ist nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen und wir müssen eine halbe Stunde totschlagen, bevor die nächste beginnt. Wir wollen uns kurz in den Gärten umsehen, aber die sind nicht so umfangreich und wir haben in den 30 Minuten bereits alles einmal abgelaufen. Dann sammelt Emma, eine Geschichtsstudentin unsere kleine Gruppe zusammen und erweckt mit viel Begeisterung und Spaß die Geschichte des Schlosses und seiner Bewohner, des Clans Irvine, zum Leben.  Zum Abschluss gibt es noch eine kleine Sonderausstellung zum Thema Buchenholzkunst.

Von Drum Castle ist es nur noch ein Katzensprung bis Aberdeen. Wir haben auf der Durchfahrt nichts Schönes oder Bemerkenswertes in der Stadt gesehen. Also geht es gleich durch zum Northlink Ferry Terminal. Wir haben auch für diese Überfahrt eine Kabine gebucht. Die sind an Bord limitiert und man muss keine nehmen. Es gibt auch kostenpflichtige Lounges oder einfache Reisesessel. Beim einchecken wird uns ein Zettel ausgehändigt, der vor schlechtem Wetter und einer rauen Überfahrt warnt. Wir freuen uns… Aussen- und Oberdeck sind komplett gesperrt und es kommt der Hinweis, sich möglichst wenig im Schiff zu bewegen, damit man sich nicht auf die Nase legt. Der Kapitän erzählt von 3 Meter hohen Wellen und wir denken noch, ach so schlimm wird es dann wohl doch nicht werden. Aber es wird schlimm. Sehr schlimm. Kaum hat die Hjaltland die Hafenmole passiert schaukelt und rollt das Schiff wie ein schlecht gelaunter Bulle beim Rodeo. Und auf der relativ kleinen Fähre wird jedes Wellental zur Achterbahnfahrt. Diesmal helfen leider weder die bewährten Reisetabletten, noch die gegen Übelkeit und Diane verbringt zwei elende Stunden auf dem Fußboden des Badezimmers. Es wird eine lange Nacht bis wir endlich Shetland erreichen und in Lerwick wieder festen Boden unter den Füßen haben. Angekommen!

 

Ostsee 2026

Wer sich schon gewundert hat, ob wir denn dieses Jahr gar keine „Winterauszeit“ nehmen – doch, machen wir. Nur ein bisschen später und etwas unorganisierter als uns lieb ist. Erst hat berufliche Administration die Urlaubsplanung erschwert, dann unsere eigene Unentschlossenheit. Aber dann stand es endlich fest, Anfang Februar geht es an die Ostsee. In einem winzigen Ort an der Flensburger Förde haben wir ein schönes Ferienhaus gefunden und uns auf eine entspannte Woche Nichtstun gefreut. Es ist Freitag Mittag und wir sitzen schon fast im fertig gepackten Auto, als uns der Vermieter mitteilt, dass leider die Heizung im Ferienhaus kaputt sei und auch frühestens am Montag jemand zur Reparatur anrücken kann. Bei aktuell -10° ist das für uns keine Option und wir müssen – wieder mal – umplanen. So verschlägt es uns nach Ostholstein. Sierksdorf liegt etwas oberhalb von Scharbeutz und Timmendorfer Strand und ist eher verschlafen. Hauptattraktion ist der Hansapark, der aber glücklicherweise noch bis Ende März geschlossen ist.

Womit wir nicht gerechnet hatten ist der aktuelle Besucheransturm aus dem Umland an die – zumindest am Ufer zugefrorene Ostsee. Eisregen, Wind und Schnee haben für ein arktisch angehauchtes Ambiente gesorgt, das viele mit Kind und Kegel erleben wollen. Da die Temperaturen tagsüber aber knapp über 0° liegen, taut es überall und friert dann nachts wieder über. Es ist also manchmal eine ziemliche Rutschpartie.

Unser Ferienhaus liegt direkt über dem Sierksdorfer Strand, nur ein paar Gehminuten und man ist da. Zur blauen Stunde ist er erfreulich leer und lädt trotz frostiger Temperaturen noch zu einem ausgiebigen Spaziergang ein. Der gefrorene Boden erleichtert das Gehen im Sand, der wiederum dafür sorgt, dass man sich auf den zugefrorenen Abschnitten nicht auf die Nase legt. Ein sehr praktisches Arrangement! Unweit vom Ufer schaukeln Eisschollen lustig vor sich hin und schieben sich gelegentlich am Strand terrassenartig  zusammen. Hat was. Und bei uns kommen Erinnerungen an unser Wintermärchen auf Rügen 2010 auf 😊.

Travemünde ist für uns bisher nur Abfahrtsort für die Fähren nach Skandinavien gewesen. Diesmal verweilen wir etwas länger und treiben uns zwischen Nordermole und Hermannshöhe herum. Hier ist es am Sonntag nicht ganz so überlaufen.

Bei eisigem Wind laufen – und rutschen – wir in Etappen von Travemünde bis Neustadt die Lübecker Bucht entlang. Am Strand merkt man oft gar nicht, das man schon einen Ort weiter ist. Nur die nächste Seebrücke – jeder Ort hat mindestens eine, auch wenn es nur ein schmaler Holzsteg ist, der ins Meer ragt – markiert den Übergang. Mit zunehmendem Tauwetter verschwindet die weiße Pracht und die Eisschollen. Bis nur noch die Buhnen weiße Mützen tragen.

Für durchgepustete Strandläufer oder einfach nur hungrige Touristen können wir das Frühstück für zwei beim Ostseebäcker Puck in Timmendorfer Strand empfehlen. Das gibt es den ganzen Tag und schmeckt morgens genauso gut wie am Nachmittag. Wir haben beides ausprobiert 😉. Ansonsten haben wir uns in der „Galerie“ an der Strandkirche in Scharbeutz aufgewärmt. Eigentlich waren es nur zwei Dutzend Bilder in den Gemeinderäumen. Etwas skurril, aber das ist Kultur in kleinen Orten ja oft. Und wir haben es uns gemütlich gemacht. Bei Kaffee und Kuchen auf der Couch oder in der warmen Wanne mit Whirlpoolfunktion. Sehr gut, um nach einem langen Wintertag wieder warm zu werden.

Solange das Wetter hält wollen wir noch einen Abstecher nach Fehmarn machen. Aber nur weil der Wetterbericht Niederschlag < 0,3mm ausweist heißt ja nicht, das es trotzdem ordentlich schneien kann. Die Panoramasicht auf die Fehmarnsundbrücke bleibt uns dadurch verwehrt, aber der Schneespaziergang war auch schön!

Der Weg zum Leuchtturm Flügge ist nichts für Unaufmerksame oder Schuhe ohne ordentliches Profil. Aber nach der Devise „wenn es unter den Sohlen knirscht ist alles ok“ kommen wir sicher ans Ziel. Es geht vorbei am zugefrorenen Flügger Watt mit viel Schilf und einem sehr dekorativem Windrad als Farbfleck

Wir statten dem „Ostseestöpsel“ in Westermarkelsdorf einen Besuch ab. Der Legende nach läuft die Ostsee leer, wenn man den Stöpsel zieht. Wie bei einer riesengroßen Badewanne. Tatsächlich ist es ein alter Pegel, der 1942 vom Eis auf der Ostsee zur Seite gedrückt wurde und seitdem schief im Meer steht. Bei einem Spaziergang über den Deich oder zum Leuchtturm kann sich jeder überlegen, welche Variante besser passt. Für ein Päuschen stehen Holzliegen auf dem Deich und wir finden sogar spontan ein Plätzchen😉. Während wir überlegen, wie groß die Hand sein müsste, um den Stöpsel zu ziehen und die Ostsee gurgelnd im Boden verschwinden zu lassen 😄.

Am Grüner Brink Strand lässt der Parkplatz erahnen, dass hier im Sommer  einiges los ist. Aber heute sind wir allein und um ehrlich zu sein nicht sehr beeindruckt. Außerdem pustet uns der Eiswind so durch, dass wir uns nicht allzu lange aufhalten. Schnell einen Geocache gehoben, kurzer Abstecher zum Strand und über den Deich. Dann geht’s zum Aufwärmen ins Café liebevoll in Burg, der Hauptstadt von Fehmarn. Dort können wir die englischen Scones wirklich empfehlen!

Aus dem Tauwetter wird schließlich Regen. Ungemütlicher, anhaltender Dauerregen. Da wir in letzter Zeit tatsächlich Gefallen an Museen gefunden haben, machen wir uns auf ins Europäische Hansemuseum nach Lübeck.  Das entführt uns auf eine Reise ins Mittelalter und macht Station in Hansestädten wie Brügge, London oder Bergen und beim Hansetag in Lübeck im Jahr 1518.  Sehr anschaulich und mit vielen interaktiven Displays ist das Museum echt toll gestaltet, super informativ und interessant. Aber es gibt auch sehr viel zu lesen, also nicht unbedingt was für (kleine) Kinder. Wir haben unsere eigenen Kopfhörer mitgebracht, lauschen allen angebotenen Audiotracks und lassen uns ganz entspannt durch die Ausstellung treiben. Überall gibt es Sitzgelegenheiten zum Ausruhen und um so richtig in die Geschichte einzutauchen. Wir verbringen fast vier Stunden im Museum und werden dabei auf dem Rundgang von diversen Besuchern überholt. Es sind wohl nicht alle Besucher so gefesselt wie wir.

 

Im Ticketpreis (€16 für Erwachsene) ist ein Besuch im Burgkloster enthalten. Das liegt quasi im Hinterhof des Museums und bietet schöne Gewölbe, Decken- und Wandmalereien. Auch hier kann man sich über eine App an diversen Stationen was zum Leben und Wirken im Dominikanerorden, der das Kloster gegründet hat, erzählen lassen. Auch dieser Abstecher lohnt sich. Danach wollten wir uns eigentlich noch Lübeck ansehen, aber es regnet. In Strömen. Dazu ist es kalt und windig. Und wir sind von der Hanse schon ziemlich übersättigt. Also werden wir dafür wohl nochmal wiederkommen müssen.

Damit ist unsere Zeit an der Ostsee auch schon wieder vorbei. Für uns geht es Richtung Heimat. Aber mit ein paar Zwischenstopps. Der erste im Miniaturwunderland in Hamburg. Wir haben das volle Programm inklusive Virtual Reality-Erlebnis gebucht. Dazu werden wir wie Science Fiction Figuren ausgestattet und stapfen, springen und hampeln in einem ziemlich leeren Raum herum.  Lars als buckliger Mönch und Diane als holzbeiniger Pirat. Wir hatten viel Spaß!

Dann geht es durch die Miniaturwunderwelt. Ein Nachmittag reicht natürlich nicht aus, um alles zu sehen. Gerade die vielen Kleinigkeiten für die man eigentlich viel Ruhe und Zeit bräuchte übersieht man leicht. Aber es gibt jede Menge Knöpfe zu drücken, es blinkt und leuchtet überall und aufgeregte Kinderstimmen verkünden, was sie gerade entdeckt haben. Unser Tipp: die Schaukästen auf den Gängen zu den Toiletten sind kleine Meisterwerke, die man sich ebenfalls ansehen sollte! Wir machen eine Miniaturtour durch Hamburg, besuchen den Karneval in Rio und Venedig, tanken Sonne in Italien und besuchen nochmal die Eismeerkathedrale und die Stabkirche in Heddal in der Skandinavien-Ausstellung.

 

Völlig reizüberflutet kommen wir nach fünf Stunden wieder ans Tageslicht. Aber unser Programm ist noch nicht zu Ende. Weiter geht es zum Familienbesuch in die Lüneburger Heide. In Schneverdingen haben wir einen sehr beschwingten Abend mit den Improkünstlern des Dreierlikörs (ja wir sind familiär voreingenommen).  Wer mal in der Nähe ist – unbedingt ansehen!

Am nächsten Tag gibt es noch ein tolles Frühstück und sehr leckeren Käsekuchen in Fischerhude, bevor wir endgültig wieder unsere Heimatbasis erreichen. Insgesamt doch eine sehr schöne und ereignisreiche Woche. In etwas über 80 Tagen geht es für uns zwar nicht um die Welt, aber ins nächste Urlaubsabenteuer!

 

 

 

 

Irland 2025 Reloaded – Englisches Exil

Der nächste Morgen startet schon ziemlich windig aber noch halbwegs trocken.  Da wir gestern so viel im Auto gesessen haben, wollen wir heute nicht weit fahren. Gut, dass Raby Castle und Gardens nur ein paar Minuten entfernt liegen. Wir hoffen die Gärten und die auf dem Gelände frei lebende Hirschherde zu sehen, bevor der Sturm endgültig zuschlägt und wenn es draußen zu nass wird, das Schloss zu erkunden. Der Eintritt ist mit £22 pro Person mal wieder happig, uns aber mittlerweile egal und es im Nachhinein auch wert. Dafür kann man unter besseren Umständen bestimmt einen ganzen Tag hier verbringen und auf Entdeckungstour gehen. Die Gärten werden zwar groß angepriesen, sind aber eher übersichtlich. Und unter den tiefhängenden Wolken, die immer wieder Sprühregen abgeben, wirkt alles ein bisschen bedröppelt. Aber dafür kann ja die Anlage nix. Dahinter liegt ein riesiges Gelände, auf dem die Hirsche leben. Die versammeln sich unter den Bäumen des kleinen Wäldchens und den majestätischen Eichen auf den Wiesen. Sie sind aber noch scheu genug, dass sie es nicht mögen, wenn man zu nah an sie herankommt, so dass wir Abstand halten. Was aber nicht alle Besucher verstehen und die Tiere immer wieder aufscheuchen. Die scheinen aber daran gewöhnt zu sein und hätten genug Platz sich zurück zu ziehen.

 

 

Raby Castle ist ein gut erhaltenes Schloss mit vielen wirklich beeindruckenden Räumen, die besichtigt werden können. In jedem befinden sich Angestellte, die den Besuchern individuell erzählen, was es dort alles zu sehen gibt, Fragen beantworten oder sich einfach nur über ein kleines Schwätzchen freuen. Außer den Damen im großen Ballsaal, die uns lieber ignorieren und über eine gemeinsame Bekannte tratschen. Es lohnt sich auch den Blick immer mal wieder nach oben zu richten. Da hängen ein paar großartige funkelnde Kronleuchter!

Da glücklicherweise nicht viel los ist, können wir unser neues Spielzeug fast überall einsetzten. Wer möchte, kann deshalb jetzt mit uns in den nächsten Bildern eine kleine 3D Tour durch das Schloss machen. Alle anderen können einfach weiter runter scrollen.

 

 

 

 

 

 

 

Inzwischen hat es sich ordentlich eingeregnet und wir uns nach soviel Besichtigung eine Stärkung verdient. Also machen wir uns auf die Suche nach dem Schlosscafé. Stattdessen finden wir den Souvenirshop. Der hat bereits auf Weihnachtsdeko umgestellt 🎄✨! Da kann Diane unmöglich dran vorbei gehen 😁. Und auch nicht wieder raus gehen ohne was zu kaufen. Wir haben schon die Adventskalender im Kofferraum, da passen doch bestimmt auch noch ein paar Weihnachtsmänner rein. Umsonst dazu gibt es eine wunderbare Unterhaltung mit zwei gleichgesinnten Seelen, die genauso weihnachtsverrückt sind. Schließlich landen wir aber doch im gut besuchten Café, das eine große Auswahl für den kleinen und großen Hunger bietet. Draußen wird es immer ungemütlicher und so bleiben wir ein bisschen länger. Und finden heraus, dass auch die Kuchentheke sehr zu empfehlen ist!

Am nächsten Tag beginnen wir unsere Heimreise. Obwohl wir fast damit gerechnet haben, bekommen wir keine Info, dass unsere Fähre nach Holland nicht wie geplant geht. Erstaunlicherweise ist es sogar trocken und fast sonnig 😉.  Im 68 Café gönnen wir uns nochmal ein ausgiebiges Frühstück, bevor wir uns nach Barnard begeben. Eigentlich wollen wir Barnard Castle besichtigen, aber das ist heute wegen starkem Wind geschlossen – passt also in diesen Urlaub. Stattdessen geht’s ein Stückchen weiter nach Egglestone Abbey.  Die kann man umsonst besichtigen und es gibt auch noch einen Raum mit intakter Decke, der Schutz vor dem nächsten Schauer bietet.

Wir möchten uns nochmal Seewind um die Ohren wehen lassen und das geht wunderbar am Glass Beach in Seaham. Der Strand besteht nicht aus Sand, sondern Kieseln und darin suchen die Leute offenbar gerne nach dem namensgebenden Meer- oder Strandglas. Also vom Meer glatt geschliffene Glasscherben. Manche Menschen haben halt komische Hobbies. Aber es gibt auch  einen breiten Gehweg, der direkt am Wasser entlang führt, so dass man nicht durch die Steinchen stapfen muss und trotzdem quasi in der Brandung läuft. Daran an schließt sich die obere Promenade, auf der sich eine Reihe von Erinnerungsbänken befindet, die durch ihre besonderen Rückenlehnen auffallen. Auf Plaketten wird verstorbenen Angehörigen gedacht. Und noch ein Stück weiter erreicht man das Denkmal des müden Soldaten aus dem ersten Weltkrieg sowie den Zaun des Gedenkens, an dem die Namen aller aus dem Ort Gefallenen aus beiden Weltkriegen verewigt sind. Ein wirklich würdevoller Ort des Erinnerns.

Wir haben noch ein bisschen Zeit zu überbrücken und kehren im Hillhead Tea Room ein. Ein bisschen weg vom trubeligen Strandleben kommen hier hauptsächlich Einheimische her und wir werden gebührend misstrauisch als Fremde beäugt, bevor wir in die leicht durchgesessenen Sofas sinken. Mit  Blaubeerbananenkuchen und heißer Schokolade verabschieden wir uns von England. Einchecken für die Princess Seaways ist wieder problemlos und bis wir die Kaimauer von Newcastle passiert haben ist noch alles gut. Dann informiert uns der Kapitän, dass wir aufgrund des starken Windes (Orkan Amy) eine andere Strecke fahren müssen und deshalb mit Verspätung in Holland ankommen werden. Es geht erstmal ziemlich weit die englische Küste hinunter und der Seegang hält sich in Grenzen. Aber in der Nacht werden wir dann doch wieder ziemlich durchgeschaukelt. Auch der Morgen fordert unseren Gleichgewichtssinn ordentlich heraus. Dankenswerterweise rollt das Schiff aber nicht durch die Wellentäler, sondern dümpelt nur recht heftig von rechts nach links. So heftig, dass Tischlampen durch die Gegend fliegen, Salz- und Pfefferstreuer von den Tischen gefegt werden und das Geschirr vom Frühstückstisch rutscht. Es ist auch nicht viel los beim Frühstück 😊. Aber schließlich erreichen wir den Hafen von Ijmuiden. Wir machen noch einen kurzen Abstecher zum Strand, wo Dutzende Kite-Surfer den Wind, der mit uns als Orkan Detlef am Kontinent angekommen ist, ausnutzen, um in einem Wahnsinnstempo durch die Wellen zu sausen. Und damit geht ein nicht ganz so erholsamer Urlaub zu Ende. Der nächste wird bestimmt wieder reibungsloser verlaufen. Hoffen wir 😁

 

Irland 2025 Reloaded – Munster

Munster ist die südwestliche Provinz in Irland und dort liegt unser Lieblingssehnsuchtsort. Das wunderschöne Cliff Cottage im kleinen Kilkee umgeben von tollen Klippen. Und auch wenn es für den regelmäßigen Leser etwas langweilig wird, auch diesmal haben wir einen Aufenthalt dort eingeplant. Sonst fühlt sich der Urlaub auf der grünen Insel irgendwie nicht komplett an 😁.

Und so machen wir uns also auf gen Südwesten. Unser erstes Ziel ist Roscommon Castle. Das liegt malerisch im Loughnaneane Park, klein aber fein. Den wunderbaren Blick über und die Spiegelung im kleinen See, die wir uns erhofft hatten versperren uns leider erstmal die hochwuchernden Gräser am Ufer. Aber die 360° Kamera hat als Zubehör auch einen drei Meter Selfie-Stick bekommen und damit geht’s 😉. Nach einer Runde durch den Park mit einigen Holzskulpturen, ist die Ruine schnell erkundet, da es eigentlich nur in den Innenhof geht. Durch- und Aufgänge sind mit Gittern versperrt und es gibt wenig Möglichkeiten zum Herumklettern und Erforschen. Wer in der Gegend ist kann sich hier ein halbes Stündchen gut aufhalten.

 

 

Ein Stückchen weiter liegt Roscommon Dominican Abbey, etwas versteckt, quasi im Hinterhof des Klosterhotels. Wir hatten gelesen, dass der Zugang über ein kleines Tor und einen kurzen Weg erfolgt und haben es dadurch schnell und gut gefunden. Ansonsten wären wir vielleicht auch erstmal dran vorbei gelaufen oder hätten versucht über eine zugemüllte Wiese hin zu kommen. Ist man durch das Törchen, sieht man das alles aber nicht mehr und die gebührende Stimmung für eine 800 Jahre alte Abtei stellt sich ein. Viel ist allerdings nicht mehr übrig. Dafür hat man die Anlage ganz für sich allein und es ist ein schöner Zwischenstopp.

Mittagspause machen wir in dem winzigen Ort Shannonbridge. Nicht sehr originell benannt nach der steinernen Bogenbrücke, die hier über den – man ahnt es schon – Shannon führt. Die ist aber ganz hübsch und das Café im alten Fort sorgt dafür, dass wir gut gestärkt weiterreisen. Nach Birr Castle Demesne. Den Namen finden wir etwas verwirrend, denn das Castle ist zwar da, kann aber nur aus der Ferne bestaunt werden. Dafür gibt es ein Wissenschaftsmuseum. Die Eigentümer und Bewohner waren offensichtlich eifrig im Erfinden und Erforschen. Einer war fasziniert vom Weltall und hat ein Riesen-Teleskop bauen lassen, das in den Gärten bewundert werden kann. Ein anderer hat einen Apparat erfunden, um die Temperatur des Mondes zu messen (was uns ja auch schon immer brennend interessiert hat!). Und eine Dame des Hauses hat eine der ersten Dunkelkammern ihrer Zeit einrichten lassen und mit Fotografie experimentiert. Das Museum lässt bestimmt das Herz vieler Naturkundelehrer höher schlagen, wir sind nur so mäßig begeistert. Was auch daran liegt, dass nicht alle interaktiven Exponate funktionieren. Wenn wir Knöpfe drücken und Kurbeln drehen soll doch bitte auch was passieren.

Es würde besser Birr Gardens, Museum & Castle heißen, denn die Gärten sind wirklich sehr groß und schön angelegt. Wir schaffen es in 90 Minuten nicht, uns alles anzusehen, bevor der Park geschlossen wird. Allerdings würden wir viele der angepriesenen „Attraktionen“ auch nicht unbedingt als solche bezeichnen. So ist die 800 Jahre alte Eiche sicherlich sehr schön, aber nicht monumental. Ebenso die höchste Buchsbaumhecke der Welt. Wieso es da einen Wettbewerb drum geben sollte, erschließt sich uns Banausen nicht. Der Zünsler ist ihr noch nicht auf den Leib gerückt, aber sie sieht teilweise schon sehr zerrupft aus. Es ist ein ziemlich typischer englischer Garten, wie er Ende September halt aussieht. Im Sommer und für Gartenliebhaber sind die €22 Eintritt vielleicht gerechtfertigt, für alle anderen gibt es wahrscheinlich andere Schlösser mit dazugehörigem Garten, die für weniger zu besichtigen sind 😉.

Wir müssen noch ein gutes Stück Strecke zurück legen, bevor wir endlich am Ziel in unserem Lieblingscottage ankommen. Hier ist es wie immer wunderschön 😁. Und das Wetter meint es gut mit uns. Bei viel Sonne sind die Klippen ein Traum zum Spazierengehen und auch Wellen bekommen wir reichlich geboten! Wir müssen uns schon fast anstrengen, eine Gelegenheit zu finden, den Kamin anzufeuern. Aber auch da steigen wir langsam in die Meisterklasse auf und finden ein gutes Gleichgewicht zwischen lustig tanzenden Flammen und angenehmer Raumtemperatur.

 

Am Samstag ist plötzlich Getümmel am Strand. Es werden Zelte aufgebaut, bunte Bojen ins Wasser gelassen und fleißige Seelen „kämmen“ den Sand und entfernen Steine und Tang. Zwischen bunten Fähnchen finden sich Menschen mit Surfbrettern und Kajaks ein. Viele in „dry robes“, die zwar lustig aussehen, aber in diesem Klima bei Surfern und Schwimmern sehr beliebt und äußerst praktisch sind. Innen Frotteebademantel, außen Regenjacke hält sie rundum trocken. Bis auf die Beine, die unten nackig rausgucken 😁. Bei extrem wechselhaftem Wetter werden hier die Landesmeisterschaften der Lifeguards ausgetragen. Was wir aber erst später herausfinden. Den ganzen Tag werfen sich die tapferen Seelen in den kalten Atlantik. Und kaum jemand im Neoprenanzug. Die Iren! Wir würden ja Ende September weder mit noch ohne Neopren im Atlantik schwimmen gehen, aber bitte, jedem das Seine.

Kilkee ohne Ausflug in die Karstlandschaft des Burren ist ebenfalls undenkbar. Obwohl wir gefühlt schon jeden Stein kennen, sind es einfach Lieblingsorte, die wir immer wieder besuchen können, ohne das es uns langweilig wird. Und für die Abwechslung mischen wir die Ziele auch gerne mal ein bisschen durch. Diesmal beschert uns das Wetter wieder sehr viel interessantes Licht. Für Sonnenanbeter bestimmt absolut unverständlich, finden wir mehr oder weniger Wolken viel spannender als einen strahlend blauen Himmel.

Weiteres „Pflichtprogramm“ ist für uns die Loop Head Halbinsel, wo wir diesmal noch ein paar neu gelegte Geocaches heben und natürlich bei Ailish in der Kilbaha Galary vorbei schauen. Nach unserem Gefühl ist Ende September mittlerweile immer noch deutlich mehr los, als uns lieb ist. Ob es daran liegt, dass der Wild Atlantic Way die erhofften Touristenmassen anlockt, oder einfach nur an der verlängerten Saison, uns wird es fast überall zu voll. An den Bridges of Ross, die wir bisher meistens ganz für uns allein hatten, treten sich die Besucher fast auf die Füße und es dauert eine Weile, bis wir eine Lücke im Besucherstrom finden, um am Ende der Landzunge einigermaßen ungestört unsere Dosis Wellen- und Brandungsspektakel zu bekommen. Am Leuchtturm ist dagegen erstaunlich wenig los und das versöhnt uns wieder ein bisschen.

 

 

Der Plan war, den Urlaub in Nordirland ausklingen lassen. Aber dann schlägt unsere Pechsträhne wieder zu und setzt uns nacheinander mit einem fiesen Magen-Darm-Virus inkl. Fieber außer Gefecht 😩. Wir sind definitiv nicht reisefähig. Glücklicherweise können wir noch ein paar Tage in Kilkee bleiben. Wenn schon krank, dann wenigstens mit schöner Aussicht!  Aber es ist wirklich der Wurm drin, in diesem Urlaub. Das Wetter schlägt um und kündigt einen frühen Herbststurm an und P&O Ferries streicht unsere gebuchte Überfahrt nach Schottland. Dadurch würden wir auch die Überfahrt nach Holland verpassen.  Uns bleibt keine große Wahl. Wir buchen uns eine frühere Fähre, stehen im Morgengrauen auf und machen uns auf nach Larne. Ziemlich pünktlich (geht also noch) checken wir auf die European Causeway ein, die uns mit viel Regen nach Schottland bringt. Wir fahren aber noch weiter bis an die englische Ostküste, wo wir uns in Bishop Auckland einquartieren.