Schottland 2026 – Orkney, Was wir neu entdeckt haben

Die Auswahl an Ferienhäusern, die unseren Ansprüchen genügen ist auf Orkney eher übersichtlich. Da wir letztes Jahr nicht unzufrieden waren, haben wir bei den Vermietern angefragt, ob wir auch dieses wieder bei ihnen buchen könnten. Die Antwort war, ja klar gerne! Aber wir haben unsere Preise geändert, sprich erhöht. Mit steigenden Preisen für Unterkünfte leben wir seit Corona und mit der aktuellen Krise in Nahost hatten wir schon ein bisschen damit gerechnet. Dann der Knaller, für das selbe Haus, die selbe Anzahl Nächte im vergleichbaren Zeitraum sollten wir £600 mehr als in 2025 bezahlen! Hallo??? Geht’s noch? Das haben wir dankend abgelehnt.
Stattdessen haben wir ein Haus in St. Ola gefunden. Die Bilder sahen ok aus, aber wir waren ein bisschen skeptisch, da der Preis deutlich günstiger ist, als vergleichbare Objekte auf der Insel. Irgendwo muss da doch ein Haken sein. Tatsächlich ist das Haus aber noch viel besser als auf den Fotos abgebildet! Größer, besser ausgestattet und insgesamt ein echter Volltreffer 🤩. John, der Vermieter wohnt im Haus nebenan und ist nicht nur super freundlich, sondern auch sehr erleichtert, als er feststellt, dass „The Germans!“ ganz gut Englisch sprechen 😉. Er hat’s nicht so mit Computern und Technik und ist ganz erstaunt, als wir ihm mitteilen, dass er sein Ferienhaus online definitiv unter Wert vermarktet. Bei Google Maps wir es z.B. gar nicht angezeigt. Er ist aber ganz zufrieden so wie es ist und freut sich über Besucher aus der Welt, die ein Schwätzchen mit ihm halten.
Erst bei Tageslicht stellen wir fest, dass der Flughafen Tingwall um die Ecke liegt. Aber der Flugverkehr (nur Propellermaschinen) hält sich sehr in Grenzen und abends um 22:00 werden die Lichter der Landebahn sogar ganz abgeschaltet. Also überhaupt kein Problem! Falls jemand Bedarf hat, wir haben Johns Nummer und können das Haus wirklich sehr empfehlen!

2025 ist Diane in diverse Grabkammern gekrabbelt, aber die Tomb of the Eagles war nicht dabei. Die war nämlich über sechs Jahre lang wegen Covid und Renovierung geschlossen und wurde erst 2026 wieder geöffnet. Es gibt einen ziemlich großen Parkplatz (offensichtlich werden viele Besucher erwartet), aber aufgrund der kleinen einspurigen Zufahrtsstraßen können keine Busse hierher kommen 👍.
Für stattliche £10 pro Person gibt es ein neues Besucherzentrum und Zutritt zum Gelände und der Grabkammer. Die liegt 1,5 Meilen vom Besucherzentrum entfernt und der Weg ist als Cliff Walk klassifiziert. Nachdem wir uns im Besucherzentrum ausgiebig informiert haben (£10 wollen abbesichtigt werden!), machen wir uns also auf den Weg. Im Nebel. Was wieder eine sehr skurile Erfahrung ist. Natürlich kennen wir Nebel. Aber zu Hause löst er sich meistens über Tag auf und entweder es regnet richtig, oder klart auf. Hier hängt die weiße Masse seit Tagen unbeweglich in der Luft. Mit Sichtweiten zwischen zehn und hundert Metern, was mehr oder weniger unerwartete Begegnunen mit anderen Menschen verursacht. Manchmal sieht man sie kommen, manchmal auch nicht 😉. Der Weg ist trotzdem schön, bei klarem Wetter aber bestimmt noch eindrucksvoller!
Den drei Meter langen und 85cm „hohen“ Gang in die Kammer kann man entweder auf allen Vieren oder auf einem Rollbrett zurück legen. Das ist quasi ein sehr breites Skateboard, auf das man sich legt um sich dann an einem Seil überkopf in die Kammer zu ziehen. Wie Leute in unserem Alter unfallfrei auf das Brett runter und hinterher in der engen Kammer wieder hochkommen sollen überlassen wir der Fantasie der Leserschaft. Diane hat klugerweise ihre Regenhose an und nimmt den Weg auf allen Vieren.
Leider hat man es für nötig befunden die Decke mit modernen Steinen auszukleiden und ein Fenster einzulassen, so dass die Kammer zwar relativ gut erhellt ist, aber es nimmt ihr – zumindest in unseren Augen – auch die historisch mystische Atmosphäre.  Um in die Nebenkammern sehen zu können, empfiehlt es sich trotzdem einen Taschenlampe dabei zu haben!

Auch auf Orkney gibt es noch ein paar Geocaches, die wir bisher nicht gefunden haben, wenn auch nicht so viele wie auf Shetland. Auf unseren Touren über die Insel finden wir aber immer mal wieder welche und kommen an Orte, die wir sonst vielleicht nicht besucht hätten.
Am Scapa Beach lässt der dunkle Himmel die Gebäude der berühmten Scapa Distillery grell weiß aufleuchten. An der Waukmill Bay und bei Finnstown sorgt er für ein ganz besonderes Lichtspiel mit dem Meer während die Highland Kühe bei Gorseness die seltenen Sonnenstrahlen genießen. An der Ruine der Rundkirche von Ophir öffnet er leider seine Schleusen und wir bekommen einen kostenlose Dusche. Gut, dass es von nirgendwo weit bis zu unserem Feriendominizil ist 😉.

Auf Orkney gibt es eindeutig mehr Bäume als auf Shetland. Aber die Wälder sind trotzdem eher klein.  Im Happy Valley bei Stennes hat Edwin Harold in 50 Jahren ein bisschen illegal einen bewaldeten Garten angelegt, der heute sicherlich viele Kinder mit seinen bunten Feentüren, dem lustig plätschernden Flüsschen, Ruinen und Gehölzen entzückt. Wir sind es jedenfalls 😁. Besonders, als vereinzelte Sonnenstrahlen durch das Blätterdach fallen, und überall helle Punkte auf Wegen und Pflanzen tanzen lassen. Alles ist sehr überschaubar, aber definitiv einen Abstecher wert.

Olav’s Wood und Helen’s Wood sind nicht viel größer, aber es fehlt der Charm und die Abwechslung. Ein ganzer Abschnitt, der als „Labyrinth“ tituliert ist, besteht nur aus einer Ansammlung toter Bäume. Wir sind dreimal durch gelaufen, bis wir verstanden haben, dass dies das Labyrinth sein soll. Eher ein bisschen unheimlich. Und dann ist der weitere Weg plötzlich gesperrt und wir müssen wieder umkehren. Für die Abwechslung war es ok, aber wenn man es nicht gesehen hat, hat man auch nicht wirklich was verpaßt.

Wenn von Orkney die Rede ist, müsste es eigentlich die Orkney Islands heißen; plural. Denn Orkney ist ein Archipel aus etwa 70 Inseln, von denen 20 Inseln bewohnt sind. Bisher waren wir auf Mainland gut beschäftigt, aber jetzt ist es Zeit für ein bisschen Inselhopping. Unsere Wahl fällt auf Rousay, was immer wieder als „Egypt of the North“ (Ägypten des Nordens) bezeichnet wird, da auf der relativ kleinen Insel – etwa 10km lang und 8,5km breit – eine ganze Reihe an jungsteinzeitlichen Gräbern und Siedlungen gefunden wurden. Die meisten davon auch noch besucherfreundlich an der Rundstraße gelegen, die um die Insel führt. Aufgrund der Größe der Insel dachten wir, dass wir das an einem Nachmittag schaffen. Jaja, wir sind da manchmal etwas naiv 🫣. Natürlich liegen die Stätten nicht DIREKT an der Strasse. Und es geht ordentlich auf und ab. Und so schaffen wir es natürlich NICHT an einem Nachmittag und müssen ein paar Tage später nochmal mit mehr Zeit zurück kommen 😉.

Die Reise in die Vergangenheit beginnt am Pier in Tingwall und der kleinen Fähre, auf die je nach Größe um die zehn Autos passen. Bei Wohnmobilen oder Transportern entsprechend weniger. Es empfiehlt sich also, die Überfahrt im Voraus zu buchen. Besonders die Rückfahrt! Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Handy-App nicht so besonders gut funktioniert und oft angibt, dass es keine Kapazitäten mehr gibt, die man aber am Laptop problemlos buchen kann.
Erste Herausforderung ist das Boarding. Es gibt nur eine Rampe, so dass die Fahrzeuge rückwärts auf das Schiffchen fahren müssen. Das ist für einige  nicht oder nur schwer machbar. Die ganz Verzweifelten übergeben ihr Auto irgendwann den Einwinker/innen um das zu erledigen. Unser Cachermobilpilot hat natürlich keine Schwierigkeiten damit 😁. Die Fahrt über den Eynhallow Sound dauert etwa 30 Minuten. Auf der Insel gibt es nur verstreute Farmen, keinen Hauptort und die Gastronomie beschränkt sich auf den Snackautomaten am Supermarkt, der nur an drei Tagen die Woche geöffnet hat. Das wussten wir aber vorher und sind mit eigenem Proviant angereist.
Wenn unsere Mitreisenden alle die Rundstraße im Uhrzeigersinn fahren, müssen wir schon aus Prinzip die andere Richtung wählen 😉. Unser erster Stopp führt uns zum Kingarly Viewpoint. Der Weg führt vorbei am Hochmoor bis zum 900kw Windrad auf dem Gipfel des Kingarly Hill. Von dort führ ein Holzsteg, im Englischen klangvoll „Boardwalk“, bis zur Aussichtsplattform. Von dort hat man dann einen 360° Blick über die nördlichen Orkney Insel und das Binnenland von Rousay. Je nach Windstärke der perfekte Platz für ein Picknick! Wir waren das erste Mal im Nebel da, aber beim zweiten Mal unter einem blauen Himmel 😁.

Da die meisten neolithischen Stätten auf der Südseite liegen, ist auf der Nordseite von Rousay nicht viel los. Es geht für uns durch Wolken und Nebel die „Bergstrasse“ entlang. Wir machen ein paar Zwischenstopps zum Geocachen am Weg und am Standing Stone von Yetnasteen. Dieser Menhir liegt etwas versteckt auf Farmgelände und wir finden ihn nur, weil wir einen Tipp von der hiesigen Farmerin erhalten, die wohl regelmäßig herumirrende Cacher auf den richtigen Weg führt. Sie ruft uns jedenfalls laut „Are you here for the cache?“ entgegen, bevor sie resolut auf ein Tor zeigt und sich mit einem „That way, good luck!“ wieder auf den Trecker schwingt. Oooookay, dann mal los. Tatsächlich finden wir die Dose, aber es dauert länger als gedacht.
Am Saviskaill Beach kann man neben der schönen Aussicht auch noch faule Seehunde sehen. Auf einspurigen, von kleinen Mauern eingefassten Straßen geht für uns weiter immer die Rundstraße entlang.

Hauptattraktion von Rousay ist wohl Midhowe Cairn und Broch an der Südküste. Ein Stückchen weiter liegen die Überreste von Skaill Farm und Westness Church. Hierfür sollte man schon mindestens zwei Stunden Besuchszeit einplanen. Vom Parkplatz geht es ziemlich steil bergab bis zum Meer. Für den Rückweg sollte man unbedingt ein bisschen mehr Zeit einplanen, besonders wenn man noch eine Fähre erreichen muss. Es ist zwar nicht weit, aber wirklich verdammt steil! Wir kommen jedenfalls ordentlich aus der Puste 🥵.
Unten angekommen wenden wir uns erstmal nach links und gehen an der Küste entlang bis wir Skaill Farm erreichen. Dann besichtigen wir uns langsam die Strecke zurück.  Brough Farm besteht nur noch aus ein paar Steinmauern und auf Skaill Farm finden immer noch Ausgrabungen statt, so dass mal wieder Absperrgitter und Plastikplanen den Gesamteindruck ein bisschen trüben.  Zumindest die Kirchenruine und der alte Friedhof von Westness lassen uns gebührend in die Vergangenheit eintauchen.

Midhowe Cairn ist mit über zwanzig Metern Länge die zweitgrößte Grabanlage auf den britischen Inseln, die durch Zwischenwände in einzelne Abteile eingeteilt wurde. Der ursprünglich darüberliegende Hügel wurde abgetragen und zum Schutz über der kompletten Anlage eine Halle errichtet. Von außen hat man das Gefühl einen Flugzeug-Hangar zu betreten! Da die Deckensteine irgendwann eingestürzt sind, ist die Kammer von oben offen und für einen Blick hinein hat man ein Metallgerüst darüber errichtet. Sieht ein bisschen nach Baustelle aus und hilft uns definitiv nicht die gebührende Atmosphäre aufkommen zu lassen. Aber man kann von oben alles sehr gut sehen!

Nur einen Steinwurf entfernt liegt Midhowe Broch, die Ruine eines weiteren Rundturms. Auch hier liegen sich wieder zwei Türme an einer Meerenge gegenüber, aber das Gegenstück, der Broch of Gurness, liegt ein Stück die Küste runter und ist von hier nicht wirklich gut zu sehen. Wir haben ihm aber letztes und auch dieses Jahr bereits einen Besuch abgestattet!

Midhowe Cairn ist zwar die größte, aber weitem nicht die einzige Grabkammer auf Rousay. Zum Knowe of Lairo muss man erstmal hin finden. Ob wir auf einem offiziellen Weg dorthin gelangt sind, wissen wir nicht. Wir sind der Onlinekarte und unseren Augen zum kleinen Hügel gefolgt. Die Anlage ist noch ziemlich im Originalzustand. So sehr, dass man nicht mal in die Kammer kriechen kann, sondern sich durch einen engen Gang in die Dunkelheit robben muss. Wir schauen, schauen nochmal und verzichten. Es gibt ja noch andere Kammern zu erkunden.
Zum Knowe of Yarso ist es wieder ein ordentlicher Anstieg. So langsam werden unsere Beine müde 😄. Am Parkplatz steht ein Schild mit Pfeil zum Knowe und einer Entferungsangabe von 400 yrds. Wir stiefeln los. Bis zu einem Schild auf dem wieder Yarso Knowe 400 yrds steht. Wir stiefeln also weiter. Vielleicht sind es nur 370m Luftlinie, der tatsächliche Weg kostet uns schon eine halbe Stunde.  Schließlich stehen wir vor einer Tür! Hier ist kein Kriechen erforderlich. Bequem geht es in die langgezogene Kammer. Unter einer weiteren Betondecke mit Lichteinlässen sind die Steine wie so oft mit einer grünen Schicht aus Algen und Flechten überzogen. Nun ja, zumindest hatten wir bei Aufstieg eine schöne Aussicht 😉.

Blackhammer Chambered Cairn ist nur einen Katzensprung vom Parkplatz entfernt und ebenfalls ziemlich bequem aufrecht zu betreten. Zuerst denken wir die Gittertür soll den Zugang versperren, aber es ist tatsächlich der Eingang. Im Inneren ist die niedrige Betondecke mit einem Runden Deckenlicht ausgestattet, was in der ziemlich runden oberen Kammer tatsächlich mal ganz gut passt. Ein bisschen Vorsicht ist geboten, damit man nicht versehentlich in das Loch im Boden in der Mitte der Kammer fällt. Über eine kleine Metallleiter geht es ins Untergeschoss, denn die Grabkammer erstreckt sich über zwei Etagen. Unten gibt es aber außer einem weiteren Gang nach draußen nicht viel zu sehen.
Um Zugang zum Taversoe Tuick Chambered Cairn zu erhalten, muss man erstmal ein bisschen Muskelkraft einsetzen. Der Eingang in der wegabgewandten Seite des Hügels ist mit einer schweren Metallschiebetür versehen, die man zur Seite schieben muss. Dahinter erscheint wieder mal eine Metallleiter. Mit unseren nassen Schuhsohlen sind die schmalen Stufen ziemlich glatt und macht den Einstieg zu einer etwas wackligen Kletterpartie. Drinnen erwartet uns viel Beton und wenig Altertum. Um ganz ehrlich zu sein, haben wir eher den Eindruck in einen Bunker aus dem Weltkrieg gestiegen zu sein, in dem zufällig noch ein paar alte Steinmäuerchen stehen geblieben sind.  Einen Stern für den ungewöhnlichen Zugang und einen weil wir einfach alte Steine gut finden. Mehr ist leider nicht drin.

 

 

 

 

 

Schottland 2026 – Orkney, Die Rückkehr

Als Wiederholungsreisende hat man den Vorteil, dass man bereits einige schöne Ecken kennt und sich freut, sie wieder zu sehen; sonst wäre man ja nicht nochmal angereist.

Für uns gehört auf Orkney der Yesnaby Costal Walk in diese Kategorie.  Unter einem ausnahmsweise mal strahlend blauem Himmel ist der Spaziergang die spektakuläre Küste entlang wieder wunderschön. Bis zum Yesnaby Castle, einem zurecht viel beworbenen, freistehenden Felsen vor der Küste, sind es je nach Anzahl der Fotostops 😉 etwa 30 Minuten zu Fuß. Die wenigsten gehen noch weiter und so hat man danach die Küste in der Regel für sich alleine. Bei extrem starkem Wind sollte man jedoch mit Vorsicht unterwegs sein, damit man nicht versehentlich zu nah an die bröckelnden Felskanten geschoben wird. Und Wind gibt es hier meistens reichlich – Mütze nicht vergessen!

Ein bisschen weiter nördlich liegt Skara Brae, die „besterhaltene jungsteinzeitliche Siedlungsanlage in Europa“. Auch hier sind wir Wiederholungsbesucher. Da wir die Anlage schon kennen, haben wir uns diesmal für den letztmöglichen Einlass um 16:30 Uhr entschieden. Da die Anlage um 17:30 schließt ist das für Erstbesucher ein bisschen knapp, besonders, weil die Besichtigung von Skaill House (im Eintrittspreis enthalten), definitiv mehr Zeit in Anspruch nimmt. Es sei denn, man läuft alles im Schweinsgalopp ab, weil man sowieso nicht so viel Interesse hat. Aber dann spart man sich den Besuch wahrscheinlich besser ganz 😉. Wir teilen unsere kostbare Stunde mit nur einer Handvoll weiterer Besucher. Und zum Schluss sind wir sogar ein paar Minuten ganz allein, bevor die Angestellten uns freundlich aber bestimmt hinauskehren.

 

Stromness ist definitiv einer der Gründe, warum wir wieder hier sind. Das Örtchen hat einen diesmal ausgiebigen Besuch verdient. Aber auch hier sei gewarnt – Kreuzfahrtschiff in Kirkwall = Busladungen in Stromness.  Und dann kann es schon mal schwierig werden, ein Plätzchen zu finden um z.B. den Kaffeedurst zu stillen. Aber zu allen anderen Zeiten kann man ganz entspannt durch die Gassen schlendern. Unbedingt die kleinen Abstecher zum Wasser machen, da gibt es so allerlei zu entdecken 😁. Noch entspannter wäre es, wenn die Altstadt zur Fußgängerzone würde. Manchmal verstopft der Verkehr die schmalen Straßen komplett und macht ein Durchkommen für alle fast unmöglich. Parken kann man am Nord- oder Südende. Oder man hat so unverschämtes Glück wie wir, dass man mitten im Zentrum einen Platz findet.

Einen Abstecher zum Ring of Brodgar und den Stones of Stennes lässt sich quasi gar nicht vermeiden, wenn man im neolithischen Herzen von Orkney unterwegs ist. Und da alles so schön beieinander liegt, kann man die Reihenfolge schön nach der jeweiligen Besuchermenge ausrichten. Wir sind mal wieder in den frühen Abendstunden da und atmen Ruhe und Geschichte unter einem wolkenverhangenen Himmel. Der aber netterweise allen Regen für sich behält 😁.

Ein Abend bei Lynn, mit den alten Geschichten von den Menschen, die das Land bestellen und auf Fischfang gehen darf es für uns auch gerne nochmal sein. Draußen prasselt der Regen, aber im Orkney Folklore & Storytelling Centre knistert das Feuer im Kamin, während wir gebannt lauschen was es von Finnmännern,  Selkiefrauen und den alten Orkadians zu erzählen gibt. Eine Empfehlung für alle die ein paar Stunden in eine magische Welt abtauchen möchten. Das Studio mit seinen maritimen Wimmelbildern und Dekorationen trägt ebenso wie die Lynns sonore Erzählstimme zur mystischen Atmosphäre bei. Es fällt uns gar nicht schwer die Gestalten vor unserem inneren Auge zum Leben zu Erwecken. Es ist allerdings schon empfehlenswert, wenn man die englische Sprache beherrscht, um den Erzählungen folgen zu können.

Der Weg zum und die Aussicht vom Kitchener Memorial Tower haben uns letztes Jahr super gut gefallen. Die gesamte Küstenlinie des Marwick Head ist eine einzige Augenweide und der Tower für uns mehr eine Randerscheinung.  Also steht die Tour auch diesmal auf unserer Liste. Das erste Mal vertrauen wir noch dem Wetterbericht, dass das Wetter am Nachmittag aufklaren soll. Ein Fehler. Und wir hören auch irgendwann auf, unsere vier Wetterapps auf der Suche nach der verlässlichsten Vorhersage zu vergleichen. Es hat einfach keinen Sinn, denn das Wetter und die Apps kennen sich offensichtlich nicht.
Und so kommen wir in dichtestem Nebel am kleinen Parkplatz an. Und es wird auch nicht besser, was den Aufstieg und den Weg über die Klippen zu einem ganz eigenen Erlebnis macht. Fast erwarten wir, dass Trolle oder ein Axtmörder aus den Schwaden auftauchen und uns den Garaus machen. Ja, wir haben manchmal eine sehr morbide Weltsicht.
Da es auch hier keine Absperrungen, aber viele Kaninchenlöcher gibt, tasten wir uns vorsichtig durch die Stille, denn der Nebel schluckt alle Geräusche. Nur ganz gedämpft schallen die Rufe der Seevögel, die in der Felswand nisten, zu uns herauf. Und dann taucht der Turm schemenhaft auf! Wir sind also auf dem richtigen Weg, nur halt ohne Aussicht nicht. Dafür kommen wir nochmal an einem der wenigen Sonnentage vorbei und bekommen ein ganz anderes Bild geboten. Und laufen dann auch die komplette Runde um Marwick Head. Wobei auch dann die Sicht schon wieder von aufziehenden Wolken getrübt wir.d. Wir kommen aber trocken zu Hause an und freuen uns später über den Regenbogen quasi vor unserer Tür

Die Runde am Mull Head hat uns letztes Jahr auch sehr gut gefallen und ist somit eine Wiederholung wert! Außerdem hatten wir damals zwei Caches nicht gehoben, das holen wir jetzt ebenfalls nach 😁.  Der Abstieg in die Bucht von Deerness lässt immer noch Indiana-Jones-Gefühle aufkommen und ansonsten ist herrlich wenig los, je weiter man läuft. Und läuft und läuft und läuft. Großartig! Aber immer den Himmel im Blick behalten, das Wetter kann schnell umschlagen und dann sind auch drei Kilometer ein verdammt langer Rückweg 😉.

Der Abstecher zum Holm Pier und Loch Ayre ist dann auch schon wieder dunstig. In Holm hatten wir letztes Jahr ein Ferienhaus gemietet. Unsere jetzige Bleibe ist um Längen besser, dazu mehr im nächsten Beitrag!

 

Schottland 2026 – Shetland Wind von Nordwest auf Nord drehend

Unsere Vorliebe für raue Westküsten und den Atlantik ist kein Geheimnis. Deshalb zieht es uns natürlich auch diesmal dorthin. Auf dem Weg an die Küste haben wir St. Mary’s Chapel als Pausenort ausersehen. Wie letztes Jahr bereits festgestellt ist die kleine Ruine allein nicht unbedingt einen Zwischenstopp wert, deshalb kombinieren wir sie diesmal mit einem Besuch von Da Gairdins. Das ist ein kleiner öffentlicher Garten (Park?) mit allen möglichen Gewächsen. Vom englischen Rasen über Froschteiche bis zu Palmen findet eigentlich jeder was für seinen Geschmack. Wir reisen in den Frühling zurück und freuen uns über blühende Obstbäume und frisches Grün. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

Mangels Bäumen wurde Torf in Schottland Jahrhunderte lang zum Heizen und Kochen benutzt. Heute weiß man um die Relevanz von Mooren und Sumpfland für den Klimaschutz, da sie Unmengen CO² speichern. Deshalb achten wir schon seit Jahren darauf nur torffreie Blumenerde zu kaufen, um den Abbau z.B. in Polen nicht zu unterstützen.
Seit in den 1970er ein riesiges Ölfeld nördlich von Shetland erschlossen wurde (in Sullom Voe steht eines der größten Ölterminals Europas, weswegen wir in der Gegend nicht viel unterwegs waren) spielt der Torf zumindest hier nur noch eine kleine traditionelle Rolle. Trotzdem sehen wir noch regelmäßig braune Stapel am Rand von Gräben zum Trocknen aufgeschichtet, die sich wie dunkler Bänder durch die Landschaft ziehen. Da Torfstechen überwiegend in sehr anstrengender Handarbeit erfolgen darf, wird diese Tradition hoffentlich bald ganz aufgegeben. Schon heute dürfen nur noch Crofter (Kleinbauern) zur Selbstversorgung, Whisky-Destillerien (geringe Mengen) und Firmen mit noch gültigen Abbaulizenzen die kleinen Scheite aus dem Moor holen. Neue Lizenzen werden nicht mehr vergeben und Schottland investiert inzwischen jedes Jahr Millionen Pfund in die Wiederherstellung von geschädigten Feuchtgebieten.

Auch Stanydale Temple liegt mitten im Moor. Den Hinweis am Anfang des Weges (Trampelpfad) auf „boggy underground“ sollte man auf jeden Fall ernst nehmen.  Wir versinken teilweise bis zu den Knöcheln im Matsch. Aber dank der guten Goretex-Wanderschuhe (hier müssen wir mal Werbung machen, denn diese Schuhe haben so manchen Tag gerettet! ) bleiben die Füße trocken 👍. Den Tempel haben wir bereits letztes Jahr besichtigt, aber da war es uns zu voll und wir nassgeregnet. Heute ist es zwar auch bedeckt, aber von oben kommt diesmal kein Wasser und wir sind allein.
Gut getarnt liegt der Tempel – eigentlich weiß man nicht, welchen Zweck der Bau hatte – in der Landschaft. Richtig gut sehen kann man ihn, wie so viele andere Ruinen, am besten von oben. Gut, dass wir uns mittlerweile an kleine Klettereinlagen gewöhnt haben 😉.

Auch die alten Mühlen in Huxter sind letztes Jahr dem Regen zum Opfer gefallen. Diesmal schaffen wir es im Trockenen. Drei Horizontalrad-Wassermühlen stehen untereinander an bzw. über einem kleinem Bach. Durch ihre geringe Größe wurde nicht viel Wasserkraft zum Antrieb der Mühlsteine gebraucht. Dadurch konnten gleich drei Mühlen in kurzem Abstand zueinander am gleichen Bach errichtet werden. Die oberste Mühle haben die Schafe als Unterschlupf übernommen, aber in der Mittleren kann man noch das Schaufelrad und die Mühlsteine sehen.
Auf dem Heimweg machen wir noch einen Fotostop am Burrafirth. Ein gelbes Schild warnt diesmal nicht vor dem Stier, sondern dem Schafsbock! Der guckt auch erst ein bisschen grimmig, ist dann aber sehr neugierig und lässt sich am Ende sogar streicheln!

Muckle Roe ist eine kleine, ziemlich runde Halbinsel, die man zwar mit dem Auto ansteuern, aber nur zu Fuß wirklich erkunden kann.  Das Straßennetz ist eher übersichtlich. Dafür bekommen man abgelegene Täler, Schafe in Hülle und Fülle, menschenleere Strände und insgesamt jede Menge Gegend geboten. Wir wissen hinterher gar nicht mehr, wo genau wir uns rumgetrieben haben. Meistens haben wir uns von Geocache zu Geocache treiben lassen. Die beste Seite dieses Hobbies. Man kommt  an Orte, die man sonst nie gefunden hätte. Dass wir mittlerweile ohne Scheu fast jedes Gatter öffnen (und natürlich hinter uns wieder schließen!) über Kuhweiden und durch Schafherden laufen und uns auch mal ohne erkennbaren Weg durch die Wildnis schlagen, kommt uns an diesem Tag sehr zu Gute. Und natürlich die guten Schuhe 😉! Da kann man dann auch mal kurz durchs Meer laufen und alle tierischen Hinterlassenschaften abspülen, statt sie mit ins Auto oder gar nach Hause zu schleppen 😁.

Die Hauptattraktion von Eshaness, sind die Eshaness Cliffs am gleichnamigen Leuchtturm. Auch hier hat uns letztes Jahr der Regen an einem längeren Aufenthalt gehindert. Diesmal klappt es mit dem Spaziergang, wenn auch unter einem dramatischen Himmel, der sich nicht so recht entscheiden kann, ob die Sonne durchbricht oder nicht. Es geht vorbei am Eshaness Broch, der  auch nur ein alter Steinhaufen sein könnte, aber zumindest dekorativ in einen kleinen See hineinragt. Immer nach Norden die Küste entlang, wo sich ein toller Ausblick an den nächsten reiht. Den Weg muss man sich manchmal zusammenraten. Ein sicheres Zeichen, dass man richtig ist, sind Zaunübertritte. Auch wenn sie manchmal ganz schön hoch und wackelig sind, weil der Regen den Untergrund weggespült hat. Wenn sich dann doch mal plötzlich ein größerer Graben auftut, kann man, je nach Kondition, noch wagemutig drüber springen. Bei tiefen Felseinschnitten, z.B.  den Holes of Scraada, Höhlen deren Decken vor langer Zeit eingestürzt sind, sollte man doch besser eine Alternativroute suchen 😉.

Schließlich zieht es uns ganz in den Norden, nach North Roe. Hier beginnt, oder endet, die A970. Die Straße, die einmal komplett durch Shetland führt. Es ist ziemlich abgelegen und es gibt keine besonderen Attraktionen zu besichtigen. Nur jede Menge Natur. Und jede Menge Geocaches! Wir starten bei dem mit dem passenden Namen „End of the Road“ und arbeiten uns langsam die A970 Reihe bis „Ronas Peeking over the Ridge“ nach Süden.
Oft werdend die Dosen an Weidegattern versteckt. Und wenn man dann ein paar Minuten dort steht und sucht oder sich im Logbuch verewigt, kommen regelmäßig ganze Schafsherden angerannt, wirklich angerannt!, und veranstalten ein unglaublich lautes Blökkonzert🙉 . Wie soll man dabei denn bitte unauffällig bleiben?!? Wir haben auf jeden Fall viel Spaß, auch wenn uns die enttäuschten Schafe schon leid tun, wenn wir dann einfach wieder gehen.
Wir geben uns wirklich alle Mühe und schaffen die „Road to Hillswick & Tangwick“, „Road to Ennisfirth“, „Rocky Road to Nibon“ und den „Track to Burraland“. Und obwohl wir letztendlich mehr als 100 Caches auf Shetland loggen, sind immer noch jede Menge übrig. Müssen wir wohl noch ein drittes Mal herkommen 😁.

Tatsächlich ist es für uns dann schon wieder Zeit weiter zu ziehen. Unter einem ausnahmsweise blauen Himmel gehen wir an Bord der Hrossey (Alt Norn für Orkney), das Schwesterschiff der Hjaltland (Alt Norn für Shetland), die uns hergebracht hat. Wir haben für die Überfahrt wieder zwei Sitze im Loungebereich gebucht, wo es sehr ruhig und entspannt, aber diesmal leider auch sehr kalt ist! Aber erstmal geht es an Deck. Bei strahlendem Sonnenschein ist es rappel-zappel voll. Diane wird etwas spöttisch beäugt, als die Maschinen anspringen und sie sich in Mütze und Winterjacke wirft. Ist das nicht viel zu warm? In den ersten 5-7 Minuten schon, aber mit zunehmendem Fahrtwind, wird es spürbar frisch und nachdem die vorgelagerte Insel Bressay keinen Windschutz mehr bietet, richtig kalt. Zack! Außendeck leer! Bis auf drei dick vermummte Gestalten, die ausharren, bis auch Fair Isle am Horizont und die Sonne hinter dicken Wolken verschwunden ist. Der Kapitän gibt richtig Gas und überholt locker die mit Vorsprung ausgelaufene Nieuw Statendam von der Holland America Line.
Ob es diesem Ehrgeiz oder Rückenwind geschuldet ist, erreichen wir Orkney Mainland schon um 22.30 Uhr, eine halbe Stunde früher als geplant. Auch wenn wir es nicht mehr weit haben bis zu unserem Ferienhaus in einem Vorort von Kirkwall, freuen wir uns darüber. Können wir doch noch das Auto komplett ausräumen, statt nur das Nötigste zusammen zu raffen, bevor wir erschöpft ins Bett fallen. Teil 2 des Urlaubs kann beginnen 😊.

 

 

 

 

Schottland 2026 – Shetland, Ab durch die Mitte nach Süden

Wir hatten die Hoffnung, dass wir dieses Jahr mehr Glück mit dem Wetter hätten. 2025 waren wir sechs Tage hier und hatten davon 3 ohne oder mit sehr wenig Regen. Dieses Mal haben wir 12 Übernachtungen, aber leider nicht mehr Sonnentage. Es schüttet nicht ununterbrochen, aber die helle gelbe Scheibe am Himmel macht sich doch sehr rar. Umso mehr muss man die Zeiten ausnutzen, wenn sie scheint.

Als wir zum Geocachen am Burraland Broch aufbrechen, haben wir einen Sonne/Wolken-Mix. Wie so oft stehen sich an dieser Stelle zwei Broch auf den beiden Seiten einer Meerenge gegenüber. Aber während der auf Mousa sehr gut erhalten ist, sind vom Burraland Broch nur ein Krater, eine niedrige Rundwand und viele viele lose Steine übrig geblieben. Ein Besuch lohnt sich für uns trotzdem, allein schon wegen dem Spaziergang dorthin. Es geht durch grüne Wiesen, an Ruinen vorbei und durch blökende Schafherden. Bis wir schließlich windumtost am Broch die Tupperdose finden 😁.

Scalloway haben wir letztes Jahr bereits besucht und dabei glatt den Geocache am Museum vergessen! Das holen wir jetzt nach und loggen dabei unseren 2.000 Fund 😁. Und statten auch gleich noch dem Leuchtturm einen Besuch ab. Der steht auf einer kleinen Landzunge und wir kämpfen uns gegen den Wind um die Bucht von Westshore bis zur Spitze durch. Auf dem Rückweg werden wir dafür von hinten angeschoben und schaffen es in der halben Zeit.

Hamnavoe und die Landzunge von West Burra kennen wir auch schon, aber sie sind uns nochmal einen Abstecher wert. Die Tour bis Minn Beach hinunter hatten wir 2025 noch am Abreisetag „reingequetscht“. Also einer dieser Tage, wo man immer die Uhr im Blick haben sollte, um die Fähre nicht zu verpassen. Diesmal drängelt niemand und wir können nicht nur einen ausgiebigen Küstenspaziergang machen sondern auch zum malerischen Meal Beach hinuntersteigen.

Minn Beach hat mit Strand, grüner Halbinsel, Ruinen, Steilküste  und herrlicher Einsamkeit auch eindeutig mehr Zeit verdient, als wir hier letztes Jahr verbringen konnten. Ein schmaler Landstreifen, fachfraulich Tombolo genannt, oder lokal mit Ayre bezeichnet, verbindet Mainland mit der Halbinsel. Die eine Seite mit weißem Sandstrand und hellblauem Wasser lädt zum Baden ein (wenn man von den 10° Wassertemperatur absieht). Auf der anderen Seite liegt ein Kieselstrand mit Ausblick auf die Landzunge von East Burra, beinah schon skandinavisch angehaucht.

Auf zum nächsten Ayre. Mit 500 Metern weißem Sand und türkisblauem Wasser erinnert St. Ninian’s Beach an Karibik und Südsee. An einem schönen Tag! Aber auch bei Sonnenschein klettert das Thermometer heute nicht über 15° und es geht ein – für Shetland – leichter Wind. Die meisten Bustouristen kommen nur vom Busparkplatz bis zum Strand. Wer ein bisschen mehr Zeit mitgebracht hat, kann die Halbinsel mit ihren Klippen und den Resten der St. Ninian’s Chapel erkunden. Uns begleitet dabei eine Weile ein Seehund, der immer wieder neugierig seinen Kopf aus dem Wasser reckt.

Den Jarlshof ganz im Süden von Shetland hat Diane letztes Jahr zwischen zwei Regenschauern auch eher auf die Schnelle erkundet. Schon damals war klar, wenn wir wieder mal Urlaub in Shetland machen, müssen wir hier auf jeden Fall auch nochmal in Ruhe hin. Unsere Historic Environment Scotland Mitgliedschaft kommt wieder zum Einsatz und wir entdecken, dass die eigenen Kopfhörer bei Wind noch einen weiteren Vorteil bieten! Man hört nicht nur besser, die Ohren sind auch gleich noch ein bisschen mehr geschützt 😊. Wer hätte gedacht, dass die ollen Kabelkopfhörer nochmal so gute Dienste leisten. Die fahren ab jetzt immer im Handschuhfach mit.
Mit dem sehr informativen Audioguide machen wir uns also auf den Weg durch die Siedlungsanlage. Dieser Platz war von der Bronzezeit (so etwa 3000 vor Christus) bis ins 18. Jahrhundert besiedelt und so finden sich hier Reste eines Broch, von eisenzeitlichen Radhäusern, piktischen Erdhäusern, Langhäusern der Wikinger, einem mittelalterlichen Bauernhaus und eines Herrenhauses aus dem 17. Jahrhundert. Alles komprimiert auf kleinem Raum und direkt am Meer gelegen. Wir lassen uns Zeit und werden von mehreren ungeduldigen Besuchern ‚überrundet‘. Klar, der Himmel wird uns bestimmt bald wieder mit Regen beglücken, aber die rasenden dunklen Wolken passen  ganz wunderbar zur Atmosphäre an diesem geschichtsträchtigen Ort.

Wer möchte, kann hier noch einen Rundum-Blick durch die 360°Kamera werfen.

Vom Jarlshof zum Sumburgh Head Lighthouse ist es nur ein Katzensprung. Der Ort, der quasi eine Puffin-Garantie herausgibt. Aber kaum sind wir da, öffnet der Himmel seine Schleusen. Erst nur mit leichtem Nieselregen, der aber schon diverse Besucher in die Flucht schlägt. Ohne großes – und vor allem lautes! – Publikum sehen wir dann aber doch noch Papageientaucher! Bevor es auch denen zu ungemütlich wird und sie in ihren Erdhöhlen verschwinden. Wir sind aber bereits in die Touristenfalle getappt und haben Pauly the Puffin, ein tolpatschiges Kuscheltier, aus dem Souvenirshop befreit. Er reist ab jetzt mit uns und gibt uns unsere tägliche Puffin-Dosis.

Wir sind dann ein paar Tage später nochmal zum Leuchtturm gefahren und haben noch mehr Puffins gesehen 😁. Wenn man sich von laut rufenden und wild gestikulierenden Touristen fernhält, hat man wirklich gute Chancen die putzigen Viecher zu sehen. Bei Sonne sieht alles doch irgendwie gleich besser aus. Und der Strandspaziergang in Grutness macht auch mehr Spaß.

 

Schottland 2026 – Shetland, Lerwick, das Fernsehen und eine Nachtwanderung

Unsere Ferienhaus liegt diesmal in einer Wohnsiedlung fast im Zentrum von Lerwick. Damit haben wir alle Annehmlichkeiten der Inselhauptstadt quasi direkt vor der Haustür, gucken aber über die kleine Halbinsel „The Knab“ mit ihren grünen Wiesen, die auch ein öffentlicher Golfplatz sind, und über die Bucht bis zum Tesco Parkplatz :-).

Lerwick ist ein quirliges kleines Städtchen. Die Altstadt mit einer netten Fußgängerzone verbindet, über steile und teilweise winzige Gassen, die oberen Straßen und den Hafen. Alles ist überschaubar und gut zu Fuß zu erreichen. Aber das Auf und Ab kann ganz schön in die Beine gehen. Von Fort Charlotte ist ausser ein paar Kanonen nicht mehr viel zu besichtigen, aber man hat von dort zumindest einen Ausguck über die Dächer der Stadt.
Im Shetland Museum & Archives kann man sich kostenlos über die Inseln informieren. Hier erfährt man, wenn man will, viel über die geologische Entstehungsgeschichte, die uns zugegebenermaßen nicht so sehr interessiert. Aber auch allerhand über die Siedlungsgeschichte. Von den Pikten über die Wikinger bis zur ersten Telefonstation im 20. Jahrhundert. Das Museum ist vollgestopft mit Informationen und wir verbringen hier einen, der leider vielen, Regennachmittag(e).

Die alten Handelshäuser direkt am Wasser wirken trutzig und scheinen sich vor dem harschen Atlantikwetter schützend zusammen zu drängen. Auch sonst wirken die Sandsteinhäuser der Altstadt mit ihren Schieferdächern und kleinen Fenstern oft eher wehrhaft als schön, aber bunte Fähnchen und Türen setzen Farbtupfer. Farbe gibt es auch vom Meer. Manchmal im Minutentakt wechselt es von grau zu hellblau zu grün. Von bleischwer zu spiegelglatt, immer anders, immer spannend.

Besonders sehenswert sind die Buntglasfenster im großen Saal des Rathauses, die man sich während der Bürozeiten ebenfalls kostenlos ansehen kann. Wichtige Personen und Begebenheiten aus der Geschichte sind hier verewigt. Für alle, die das so wie wir nicht gleich auf Anhieb verstehen, gibt es Erklärtafeln, die alles kurz und knackig beschreiben. Und im Erdgeschoss gibt es praktischerweise auch noch ein öffentliches WC.
Da Lerwick so klein ist sollte man vor einem Besuch unbedingt prüfen, ob und wenn ja, welches Kreuzfahrtschiff gerade im Hafen liegt. Denn wenn sich Hunderte von Passagieren in die Gassen ergießen ist die Atmosphäre leider schnell dahin. Auch wenn die Geschäfte und Cafés offensichtlich davon profitieren.

Ebenfalls in Lerwick befinden sich die Polizeistation und das Wohnhaus von Detective Inspector Jimmy Perez aus der von uns bereits beworbenen TV-Serie „Mord auf Shetland“, oder im Original einfach „Shetland“. Wir haben gelesen, dass gerade Dreharbeiten auf der Insel stattfinden. Also zumindest die Außenaufnahmen. Der Rest wird kostengünstiger in Glasgow gedreht. Auf der Anreise haben wir spekuliert, ob wir da vielleicht was zu sehen bekommen. Als wir dann aber tatsächlich die LKW und Lichttechnik am Straßenrand sehen, sind wir doch überrascht. Und an unserem Abreisetag platzen wir dann doch noch mitten in eine Szene. Also wir werden angehalten und dürfen nur in einer Drehpause weiterfahren. Eigentlich wollten wir uns die Mühle in Quendale ansehen, aber die ist heute für’s Fernsehen reserviert. Wir sehen nicht viel, aber unterhalten uns sehr nett mit Ian von der Sicherheit und dem Hiwi von der Regie 😁. Und jetzt sind wir sehr gespannt, ob wir in der nächsten Staffel irgendwas wiedererkennen werden!

Mousa ist eine kleine unbewohnte Insel 14 Meilen südlich von Lerwick. Sie liegt genau auf dem 60. Breitengrad, in einer Linie mit Oslo und Helsinki. Eigentlich ist sie nur von Menschen unbewohnt, denn es gibt dort jede Menge Vögel. Und einen Broch. Mit 13 Metern Höhe sogar den am besten erhaltenen dieser Türme in Schottland. Das Mousa-Boat bietet Touren zur Insel an. Eine davon abends, wenn die Sturmwellenreiter (kleine Vögel) vom Meer zu ihren Brutplätzen im Broch und den Steinmauern auf der Insel zurück kehren. Beworben werden Schwärme von Vögeln, die mit viel Spektakel durch die Luft sausen. Diane hat sich einen Platz reserviert und nach einem Regentag klart es tatsächlich zum späteren Abend genug auf, dass die Tour stattfindet. Warm eingepackt haben sich um 22:15 Uhr etwas 20 Teilnehmer am Sandsayre Pier in Sandwick eingefunden. Wetterbedingt fallen die Fahrten regelmäßig aus, so das erst vor Ort beim Cäpt’n bezahlt wird. Endlich werden wir einen Teil unseres schon jahrealten Bargelds los. Noch ist es nicht ganz dunkel und im Zwielicht ist die 15minütige Überfahrt schon ein Erlebnis. Vor Mousa liegt ein kleines hellbeleuchtete Kreuzfahrtschiff vor Anker, was unsere Guides erbost, weil das Licht die Vögel störe.
Mit kleinen Taschenlampen ausgestattet geht es vom Anleger zum Broch. Unterwegs erzählt uns Darron was zur Insel und den Vögeln, die hier leben. Wenn die Temperaturen schon nicht nach festem Schuhwerk verlangen, tut es der Weg auf jeden Fall! Am Anleger steht zwar eine Tonne mit Spazierstöcken bereit, die man sich leihen kann, aber einige Teilnehmer haben wohl ihre Fitness und Nachtsicht grob überschätzt. Mehr oder weniger elegant stolpert unsere Gruppe im Dämmerlicht zum Turm.
Dort angekommen warten alle gespannt auf die Vögel. Am besten sollen sie zu sehen sein, wenn man am dunklen Broch hochschaut und sie sich gegen den etwas helleren Himmel abzeichnen. Wir sehen hauptsächlich die Lichter des Schiffes in der Bucht. Ob es tatsächlich an der Beleuchtung liegt oder die „Schwärme“ aus der Werbung etwas übertrieben sind, weiß man nicht. Irgendwann kommen dann doch vereinzelte Vögel und sausen in einem Affenzahn durch die Luft. Aber ehrlich gesagt unterscheiden sie sich nicht sehr von den Fledermäusen, die zu Hause in der Dämmerung über unseren Garten jagen.
Theoretisch könnte man auch den Broch besteigen, aber in mittlerweile völliger Finsternis gibt es nicht viel zu sehen. Und da wegen der Vögel nur das Rotlicht der Taschenlampen benutzt werden darf, ist der Aufstieg auch nicht ganz ungefährlich. Das machen wir lieber mal bei Tag. Kurz bevor der Rücken sich über das lange Stehen und der Nacken sich über das ständige Hochschauen schmerzlich beschweren, geht es zurück. Die tanzenden Lichter der Taschenlampen auf dem Boden erinnern ein bisschen an die Nachtwanderungen im Schullandheim. Nur leiser 😉. Insgesamt war es trotzdem ein zwar kalter aber spannender Inseltrip. Wobei zu bedenken ist, dass es am Broch keine Sitzgelegenheiten – außer dem matschigen Boden – und auf der Insel keine Toiletten gibt. Das sollte man also vorher, oder nachher in Sandwick erledigen.