Irland 2022 – Einmal Mayo bitte!

Wir machen uns auf zum zweiten Kapitel unserer Irlandreise, im County Mayo. Für unsere Fahrt einmal quer über die Insel haben wir uns natürlich ein paar Zwischenstopps herausgesucht. Der erste ist Kilree Round Tower, etwas abseits und versteckt zwischen hohen Bäumen gelegen, so dass von Weitem oft nur die Spitze zu sehen ist. Zu erreichen ist der Turm nur über eine Wiese mit wieder einmal sehr neugierigen Rindviechern und einem großen Warnschild „Beware of the bull“. Da außer uns heute zwei Männer die Gehwege auf dem kleinen Friedhof am Turm ausbessern, trauen wir uns heldenhaft zwischen die Jungbullen und schaffen es unversehrt bis zum Turm :-). Sogar die kleine Currywurst kann ein wenig später aufsteigen.

Nur ein Stück die Straße runter liegt Kells Priory, nach eigener Aussage die größte eingefriedete Kirchenanlage in Irland. Vom Parkplatz sind erstmal nur die Ecktürme und die restaurierte Außenmauer zu sehen. Aber wenn man den Hügel hinunterläuft, kommt nach und nach die komplette Ruine in Sicht und sie ist ziemlich groß! Kein Eintritt, nix los und wenn man zwischen den, teils noch sehr hohen, Mauern herumläuft fühlt es sich ein bisschen nach Indiana Jones und verlorener Stadt an. Auf jeden Fall sehr empfehlenswert! Hier wird aber noch fleißig repariert oder restauriert. Es bedarf manchmal ein wenig fotografischer Finesse, die Absperrzäune und Baumaterialen auszublenden, aber wenigstens ist keines der Gebäude im Moment mit Planen eingetütet oder eingerüstet.

Doch damit noch nicht genug alter Steine, wir halten auch in Clonmacnoise. Die Klosterruine, malerisch am Shannon gelegen, ist auch ziemlich genau die geographische Mitte Irlands. Außerdem ein Touristen Hotspot, aber wir haben diesmal Glück und es ist nur eine Buslandung Österreicher da und ein paar weitere Besucher. Wir sind sogar genau rechtzeitig für die deutsche Filmvorführung da, die einen Überblick über die Entstehungsgeschichte und die diversen Kirchenruinen, die es auf dem Gelände gibt, vermittelt. Die eingespielten Fotos sind allerdings so alt und pixelig, dass wir versucht sind, die kleine Currywurst auszupacken und neue Aufnahmen zu spenden 🙂 . Aber natürlich ist das ganze Gelände eine no-drone-zone. Neben den Überresten von sieben Kirchen sind noch ein Rundturm, Hochkreuze und unzählige Jahrhunderte alte Grabsteine und Grabplatten über die Anlage verstreut. Offensichtlich war es in der Vergangenheit „schick“ sich in Clonmacnoise begraben zu lassen. Erstaunlich dass so viele Monumente die Zeit überdauert haben. Die Klosteranlage war vermögend und einflussreich, so dass sie regelmäßig und wiederholt von den Wikingern, den Normannen und den Engländern überfallen, geplündert und gebrandschatzt wurde. Und wohl immer wieder aufgebaut wurde, bis ihr Cromwell schließlich den Rest gab und die Anlage etwa 1650 aufgegeben wurde.

Der Eintritt von 8€/Person lohnt sich, und wir bekommen sogar einen Rabatt indem wir einmal nur den Seniorenpreis von 6€ bezahlen. Wir rätseln den ganzen Besuch lang, wer von uns denn nun die 60 schon überschritten hat 😉 .

Unser Ziel und neues Quartier befindet sich etwas außerhalb von Partry, am Lough Carra gelegen.

Einer der Gründe, warum es uns wieder ins abwechslungsreiche Mayo gezogen hat, ist Achill Island. Sie ist die größte Insel Irlands und hat landschaftlich alles zu bieten, was unser Urlaubsherz begehrt und ist über eine Brücke bequem erreichbar. Entlang der Südküste führt der Atlantik Drive, mit Aussichtspunkten über den namensgebenden Atlantik, kleinen Orten, Buchten und viel schroffer Küste. Überall auf der Insel haben die freilaufenden Schafe Vorfahrt. Sogar in den Dörfern und auf den Hauptstraßen finden sich die Wollknäuel. Ein schöner Vorwand, im Schneckentempo durch die Gegend zu cruisen 🙂 .

Wir folgen der Route eines Lab-Caches, der uns auch auf den Aussichtspunkt des Minaun führt. Wer wie wir zu faul ist, kann mit dem Auto bis zum Parkplatz an der Funkstation(?) fahren und dann „nur“ den restlichen Aufstieg bis zum Gipfel laufen. Gutes Schuhwerk ist aber auf jeden Fall angeraten, denn es gibt nur ein paar sporadische Markierungen und man muss sich seinen Weg nach oben selbst suchen. Der Untergrund ist oft sumpfig und matschig, so dass man sich schnell nasse Füße holen kann. Hat man den Aufstieg geschafft, wird man dafür mit einen phänomenalen Rundblick über die Insel belohnt. Es ist vielleicht kein sehr hoher Berg, aber der Wind pfeift einem ganz ordentlich um die Ohren. Es parken zwar ein paar Autos an den Funkmasten, aber die Insassen sind schon wieder auf dem Rückweg als Diane los läuft und auf dem Gipfel ist sie dann ganz allein. Einfach großartig 🙂 .

Überall wird Keem Beach als DER Strand schlechthin angepriesen. Das führt dazu, dass es diverse, durchaus gut besuchte Parkplätze gibt, und der zwar ganz schöne, aber nicht unbedingt große Strand recht voll ist. Außerdem liegt die Bucht schon spät nachmittags im Schatten, wenn die Sonne sich hinter den westlichen Klippen versteckt. Insgesamt fanden wir die An- und Abfahrt (es gibt nur eine Straße) schöner und spannender als die Destination. Die Sonne geht schon langsam unter, als wir auf dem Rückweg noch kurz im Deserted Village, einer aufgegebenen Siedlung in den Slievemore Mountains vorbeischauen, was auch die letzte Station des Labcaches ist. Die goldene Stunde macht an diesem Tag ihrem Namen wieder alle Ehre!

Auch unsere unmittelbare Umgebung hat Einiges zu bieten, schließlich wohnen wir zwischen zwei Seen mit viel Grün drum herum. Und Samstag ist Bauernmarkt in Ballinrobe, das müssen wir uns natürlich ansehen. Es sind nur eine Handvoll Stände, aber alle sind mit Herzblut dabei. Wir finden selbstgemachte Geburtstagskarten und vegane Bioseife.

Lough Mask und Lough Carra sind nur einen Steinwurf entfernt. An beiden finden sich Wälder und Wanderwege. Und zwischendurch lockt die ein oder andere Ruine. Rund um Moore Hall haben wir viel Spaß mit den Holztieren, die im Wald drum herum verteilt sind. Das Haus selbst ist die Anreise nicht unbedingt wert und kann auch leider nur von außen besichtigt werden, aber für einen Spaziergang oder eine Picknickpause am See allemal geeignet.

Castle Burke haben wir nur zufällig entdeckt und die Ruine selbst ist auch eher unscheinbar, aber rechts daran vorbei kann man zum Seeufer runter laufen. Wer mutiger ist als wir, kann auch runter fahren. Unten finden sich fotogene Ruderboote, Schafe und eine meterhohe Jesusskulptur. Da es sich um Farmland handelt, auf jeden Fall alle Gatter immer wieder gut schließen! Auf dem See draußen hört man irgendwo einen Außenbordmotor tuckern, aber ansonsten herrscht Ruhe und Einsamkeit.

Ballintuber ist ebenfalls nicht weit. Von Ballintuber Abbey sieht man von der Straße aus nur die moderne neue Kirche und wir halten auf dem großen Parkplatz eigentlich nur, um den weiteren Weg zu planen. Aber dann gucken wir uns doch mal um und finden, versteckt dahinter die mageren Überreste der Originalabtei, die allerdings mit dem, was wir bisher gesehen haben nicht mithalten können. Einmal durchstromern und weiter geht’s. Boyle Abbey dagegen ist noch ziemlich intakt und was die Zeit nicht überstanden hat ist mit einer gläsernen Hülle versehen worden. Aber dafür man muss zum Besichtigen auch Eintritt zahlen. Dazu wären wir ja durchaus bereit, aber wir kommen genau fünf Minuten nach der offiziellen Öffnungszeit an und so bleibt es für uns beim Spaziergang drum herum. Sieht aber auch von außen schon interessant aus.

Ballymote Castle liegt mitten in Ballymote, ist aber leider nicht zugänglich. Formschöne Absperrzäune blockieren den Eingang. Im Gegensatz zu Boyle Abbey präsentiert sich uns das Castle mit undurchdringlichen abweisenden Mauern, aber wenn wir nicht rein dürfen und nicht über die Mauern gucken können, haben wir ja noch unsere kleine fligende Geheimwaffe, so dass wir doch rauskriegen, wie das Castle komplett aussieht.

Während wir kreuz und quer durch Mayo unterwegs sind, taucht immer wieder Croagh Patrick, der heilige Berg der Iren am Horizont auf. Und wir sehen soviel Gegend 🙂 .

Croagh Patrick kann man natürlich besteigen, auch wenn man es nicht als guter Katholik zur Wallfahrt tut. Aber wir haben uns einen anderen Berg zum Ziel genommen. Dafür geht’s nach Sligo. Zwei Berge liegen in unmittelbarer Nähe des Städtchens. Der Tafelberg Ben Bulben und der Knocknarea. Da soll es hoch gehen. Vom Parkplatz gibt es einen Rundweg über den Berg. Rechts rum geht’s über 6,5km bis zum Gipfel. Links rum sind es nur 1,5km. Auf Komoot wird der kurze Weg als „leichte“ Wanderung ausgewiesen. Allerdings sind auf dieser Strecke 200 Höhenmeter zu überwinden. Als leicht kann der Aufstieg deshalb – zumindest für und von uns – wirklich nicht bezeichnet werden. Vom Parkplatz geht’s noch mit einem halbwegs vernünftigen Weg los. Steil, aber gut zu laufen. Nach etwa einem Drittel der Strecke wird’s schon schwieriger und man muss über ausgewaschene Steinabschnitte klettern und krabbeln und sich seinen Weg selbst suchen. Oben angekommen hat man – bei entsprechendem Wetter – einen tollen Rundumblick. Außerdem befindet sich oben ein großer Steinhaufen, Cairn, genannt. Die Legende besagt, dass es sich um den Grabhügel von Queen Maeve, einer Königen aus der keltischen Mythologie, handelt. Sie soll darin stehend und in voller Rüstung begraben sein. Das ist wohl eher unwahrscheinlich, aber bisher hat noch niemand nachgesehen 😉 .

Etwas abseits gelegen ist der Drumanone Dolmen. Nur ein überwucherter Fußweg geht von der R294 ab und an dessen Ende sperren zwei Gatter eine Bahnstrecke ab. Der Dolmen liegt dahinter auf einer Wiese und wird – zumindest bei unserem Besuch – wieder mal von einer Herde Kühe bewacht. Die sind auch ziemlich zutraulich und so neugierig, dass es kaum möglich ist ein Foto ohne Rindviech zu machen 😉 .

Der Rundturm in Killala ist für uns nur ein zufälliger Cacherstop auf dem Weg nach Rathfran Abbey. Die finden wir idyllisch am Wasser gelegen und ganzjährig zugängig. Und es ist nix los 🙂 . Wir sind an einem relativ bedeckten Tag da und der Wind faucht durch die Ruinen. Man kann die Geschichte quasi mit Händen greifen. Definitiv einen Besuch wert!

Noch besser hat uns allerdings Rosserk Friary gefallen. Ebenfalls am Wasser gelegen macht sie erst einen etwas unscheinbaren Eindruck und als wir ankommen ist auch noch ein anderes Pärchen da. Wir begegnen uns auf dem Weg um das Kloster herum, weil wir natürlich erstmal den Eingang übersehen haben. Dann finden wir den Hintereingang und stellen fest, dass der Gebäudekomplex noch erstaunlich gut erhalten ist. Man kann sogar über schmale, ausgetretene Treppen noch die erste Etage erreichen. Da wir mittlerweile allein sind, kann auch die kleine Currywurst noch aufsteigen. So kriegen wir tolle Aufnahmen vom Turm, der wohl architektonisch besonders ist, da nur auf zwei Spitzbögen gelagert. Wir finden ihn einfach beeindruckend. In der Ruine befindet sich auch ein in Stein gemeißelter Rundturm, wahrscheinlich der von Killala. Vielleicht war ja einer der Mönche ein Fan oder wollte eine Erinnerung an seinen Heimatort. Da wir ja gerne auf eigene Faust einsame alte Gemäuer erkunden, ist das hier definitiv ein Highlight für uns 🙂 .

Die kleine Landzunge von Downpatrick Head lockt mit Klippen und einer direkt vor der Küste liegenden Felsinsel Namens Dún Briste. Und während unseres Besuchs auch mit ganz viel Wind, aber das stört uns ja nicht 😉 . Es gibt eine Statue des heiligen Patrick in der Ruine einer kleinen Kapelle und einen tiefen Durchbruch zum Meer (blowhole), durch den bei Sturm und hoher Flut das Wasser hinaufschießt, wofür Wind und Wasserstand heute aber nicht ausreichen. Außerdem liegen hier insgesamt drei Geocaches, die uns auch ursprünglich hierher geführt haben. und die wir auch alle finden 🙂 . Einen davon versteckt im, in den Boden eingelassenen EIRE 64 Zeichen, mit dem das neutrale Irland während des zweiten Weltkriegs seine Küste markiert hatte, damit weder Bomben, noch Spionage- oder Truppenflugzeuge auf der Insel landeten. Leider sieht man diese Zeichen vom Boden aus nur schlecht und es ist heute zu windig und regnerisch für die Currywurst.

Die Klippen sind schon beeindruckend und man kann überall ungestört herumstromern und die Aussicht genießen. Da es nirgendwo Absperrungen gibt, ist bei starken Windböen, so wie heute, am Klippenrand ein bisschen Vorsicht geboten. Unterwegs, treibt der Wind auch immer wieder tief hängende Regenwolken und -schauer über die Küste. Da sind wir unterwegs ganz froh, dass wir uns dann im Auto aufwärmen und auch trocknen können. Ein würdiger Abschluss unserer Woche in Mayo!

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