Irland 2023 – Wir können einfach nicht anders

Nach drei Jahren mehr oder weniger Ausnahmezustand normalisiert sich unser Leben langsam wieder. Und wir kehren zu unserem bewährten Urlaubsmodus zurück, am Anfang des Jahres eine kleine Auszeit zu nehmen. Die letzte war im Januar 2020 in Kilkee, County Clare, Irland. Da ist es nur passend, die Tradition dort wieder aufleben zu lassen. Und zugegebenermaßen haben uns die paar Tage im letzten September wieder ordentlich angefixt 😉 . Also haben wir im Dezember bei Mary angefragt, ob wir uns nochmal im Cliff Cottage für eine gute Woche einmieten können. Urlaub eingereicht, Flüge und Mietwagen gebucht und die Vorfreude genossen.

Drei Jahre hat unserer treues Cashermobil uns von Urlaub zu Urlaub gefahren. Da ist es schon ein bisschen ein komisches Gefühl, beim Tasche packen auf das Gewicht achten zu müssen, beim Check-In und der Security anzustehen und im wuseligen Flughafen unser Gate zu suchen. Erstaunlicherweise stresst uns der Vormittag der Anreise mehr, als so manche 24stündige Anfahrt mit Auto und Fähre. Aber dann haben wir es endlich geschafft und können in Dublin unseren Mietwagen in Empfang nehmen.

Unsere Wahl für einen Zwischenstopp auf dem Weg an die Westküste ist auf den Lough Boora Discovery Park gefallen. Der hatte bei unserem letzten Irlandurlaub den Kürzeren gegenüber Clonmacnoise gezogen, da er etwas weiter abseits unserer damaligen Route lag. Lough Boora ist ein Moor, das in der Vergangenheit intensiv für den Torfabbau genutzt wurde. Heute wird die Landschaft renaturiert und bietet eine bunte Mischung an Wanderrouten. Wir haben uns für den Skulpturenweg entschieden, der zwischen 3,3km und 5km an diversen Kunstwerken vorbei durch das Gelände führt. Das Besucherzentrum ist im Winter geschlossen und nur eine Handvoll Autos steht auf dem Parkplatz. Der Park kostet keinen Eintritt und ist das ganze Jahr über zugängig. Die „Kunstwerke“ erschließen sich uns nicht immer. Da werden 5000-6000 alte Baumstämme, die beim Torfabbau im Moor gefunden wurden, zu mehr oder weniger dekorativen Skulpturen zusammengefügt. Oder die alten Schienen der Moorbahn in Ringen und Pfählen in die Natur gestellt. Nun ja. Andere sind schon interessanter und im fahlen Wintersonnenschein ist es ein toller Spaziergang. Allerdings sind die Wege teilweise matschig und festes Schuhwerk unbedingt zu empfehlen. Es ist schließlich eine Moorlandschaft und der Untergrund entsprechend feucht bis nass.

Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall und wir werden bestimmt nochmal wieder kommen und auch den Rest erkunden. Noch sind die Tage aber kurz und es wird langsam dunkel. Unser Navi ist ein Verfechter des direkten Weges und führt uns auf kleinen und kleinsten Nebenstraßen bei einsetzendem Regen quer durch die irische Pampa. Das ist ein bisschen anstrengend, zumal auch die Putzcrew der Mietwagenfirma bei der Windschutzscheibe eher geschmiert als geputzt hat. Das nächste Mal fahren wir einfach zurück auf die Autobahn!

Schließlich erreichen wir aber unser geliebtes Kilkee und müssen nur noch den Schlüssel in Murphys Bar abholen. Wir hatten bisher geglaubt, die stände leer und wundern uns ein bisschen, aber der äußere Schein kann ja trügen. Ein wenig verdutzt sind wir dann doch, dass uns die Tür verschlossen bleibt, bis uns Gary, der Eigentümer, aufschließt und fragt, warum wir denn an der Hintertür stehen?!? Da haben wir jahrelang nicht kapiert, was vorne und hinten ist – wie peinlich! Aber wer schreibt denn auch den Namen groß über die Hintertür??? Egal, wir sind endlich angekommen und das Cliff Cottage so schön, wie wir es in Erinnerung hatten 🙂 .

Die Hufeisenbucht von Kilkee liegt direkt vor unserer Haustür und bis zum Strand sind es nur ein paar Minuten. Klar, dass wir fast jeden Tag mindestens einen Strandspaziergang machen müssen! Gerade früh morgens, wenn noch nicht viel los ist, absolut entspannend.

Wir hatten uns auf 10 Tage verschlafene Winterruhe eingestellt, aber nicht bedacht, dass das erste Wochenende leider ein Bank Holiday Wochenende ist und, wie bei jedem Brückentag in Deutschland, die Iren in Scharen an die Küste pilgern. Und so bekommen wir eine Ahnung, wie es hier im Sommer zugehen muss. Das wollen und brauchen wir definitiv nicht! Ab Montag Nachmittag sind wir dann aber wieder alleine am George’s Head und es kehrt Ruhe ein im Ort, der ja sonst eher verschlafen ist.

Stattdessen kommt der Sturm und mit ihm Wellen und Brandung, die wir so sehr mögen 🙂 . Windumbraust auf den Klippen und die Brecher rollen durch die Bucht, wie schön! Das Meer tost und schäumt und spült die Felsen immer wieder weiß wie Milch. Vom Sofa aus können wir die Gischt an der Küste hochschlagen sehen. Bei größeren Wellen steigen die vor unserem Fenster auf den Felsen ruhenden Vögel auf und flattern wild von links nach rechts und wieder zurück. Wir könnten fast zu Vogelbeobachtern werden 😉 . Tagsüber zieht die Gischt die Steilküste in Schwaden hinauf und wir hören zum Einschlafen das Donnern der Wellen, wenn sie auf Land treffen. Und dann haben wir auch noch richtig Glück und bekommen mehrmals einen wunderbaren Sonnenuntergang geboten!

Ein Aufenthalt in Kilkee ist nicht komplett ohne einen Ausflug über die Scenic Route auf die Loop Head Halbinsel. Und ausnahmsweise haben wir ein gutes Timing, denn als wir die Bridges of Ross, einen unserer absoluten Lieblingsorte, besuchen, stimmen Wind, Wasser- und Sonnenstand für ein gewaltiges Wellenspektakel. Aber auch der Rest des Ausflugs beschert uns jede Menge – zumindest für uns – tolle Wellenbilder. Am Ende steht für uns fest, dass wir wohl auch für die nächste winterliche Auszeit wieder hierher kommen werden 😉 .

Irland 2022 – Das Sahnehäubchen

Wir können nicht Urlaub in Irland machen, ohne – zumindest für ein paar Tage – in Kilkee Station zu machen. Doch bei unserer Planung für diesen Urlaub mussten wir leider erfahren, dass unser Lieblingsferienhaus nicht mehr vermietet wird. Vielen Dank an Anne, dass wir so viele schöne Zeiten in Georges Head Nummer 3 verbringen durften, aber wie egoistisch, dass sie es jetzt nicht mehr mit uns teilen mag 😉 . Also mussten wir uns was Anderes überlegen. Ferienhäuser stehen in Kilkee reichlich zur Verfügung, aber wir möchten natürlich nicht auf die Wahnsinnsaussicht auf die Bucht verzichten, und da wird’s schon schwieriger. In den letzten Jahren haben wir verfolgt, wie das kleine Cottage schräg gegenüber am Anfang der Straße restauriert und ausgebaut wurde. Da ist man noch näher am Wasser und es wird vermietet! Die Ausstattung sieht online sehr luxuriös aus, mit einer bodentiefen Fensterfront zum Meer hin. Leider hat das auch seinen Preis, aber wir gönnen es uns mal 😉 .

Gespannt machen wir uns auf gen Süden. Auf der M18 beträgt die Fahrzeit etwas über zwei Stunden. Da wir erst nachmittags mit der Vermieterin zur Schlüsselübergabe verabredet sind, können wir uns Zeit lassen. Und wir nehmen wir ja sowieso lieber die landschaftlich meist schöneren Nebenstraßen.

Die führen uns – mal wieder – quer durch den Burren, die Karstlandschaft an der Westküste, mit steinigen Hügeln auf grünen Wiesen, die mit den typischen Steinmauern eingefasst sind. Zwischendurch ein kleiner Spaziergang um Abbey Hill mit Aussicht auf Kinvarra Bay und den Atlantik. Die folgende Fahrt die Küste entlang ist auch heute wieder super schön. Der obligatorische Stopp in Lahinch, darf natürlich auch nicht fehlen!

Mary, die uns das Cliff Cottage vermietet, ist super nett, sehr bemüht und erwartet uns mit guter Laune und kalt gestelltem Wein! Das Haus ist in der Realität noch schöner als auf den Bildern und die Aussicht einfach nicht zu toppen. Hier wird’s uns gut gehen 🙂 .

Kilkee enttäuscht uns auch diesmal nicht 🙂 . Wir sind nur ein paar Tage hier, aber entspannen uns ganz wunderbar. Spaziergänge auf den Klippen und am Strand, einfach im Sessel in der Sonne sitzen und aufs Wasser schauen, auf der Couch lümmeln und die Abendlichter in der Bucht bewundern. Am Ende sorgt der Wind auch noch für ordentlich Brandung, einfach perfekt!

Zu unserem „Pflichtprogramm“ gehört auch immer ein Ausflug auf die Halbinsel Loop Head. In Kilbaha gibt es eine kleine Galerie, geführt von Liz und Ailish, wo wir schon einige schöne Mitbringsel erstanden und mit den beiden ausgiebig geplaudert haben. Diesmal sprengen wir das Urlaubsbudget komplett mit irischen Impressionen, die uns die grüne Insel nach Hause bringen werden. Liz verpackt unsere neuen Schätze gut und wir holen sie einen Tag später ab. Dabei geraten wir beinahe in einen Tractor Run, also eine Parade von Oldtimer-Traktoren, müssen uns aber letztendlich nur durch die, fast von den geparkten Giganten am Straßenrand blockierten, Sträßchen schlängeln und überholen ein paar auf dem Rückweg. Womit sich die Landbevölkerung sonntags halt so vergnügt……

Und dann müssen wir schweren Herzens schon wieder unsere Taschen packen, denn der Weg nach Hause ist lang und der Urlaub fast zu Ende. Für die Fahrt zur Fähre nach Rosslare haben wir uns den Rock of Cashel als Zwischenstopp ausgeguckt. Ebenfalls ein Touristen-Hotspot, den wir seit unserer ersten Irlandreise 2000 nicht mehr besucht haben. Es ist zwar ein bisschen was los, aber nicht überlaufen. Der Rock ist eine Kombination aus Burg, Kathedrale inkl. Rundturm, Bischofssitz und Kapelle. Quasi ein Felsen für alle historischen Lebenslagen. Der Eintritt ist mit 8€ pro Person nicht ganz billig, für eine Führung muss nochmal extra bezahlt werden. Wir erkunden aber sowieso lieber auf eigene Faust. Und wie immer sind wir überrascht, was es nach mehr als 1.000 Jahren und all der gewalttätigen Geschichte für uns noch zu bestaunen gibt. Der Wind pfeift durch die Mauern und die Wolken jagen über den Himmel. Und ganz leise können wir das Hämmern der Zimmerleute, den Gesang der Mönche, das Waffenklirren der Eroberer und den Jubel der Menge für den neu gekrönten König hören 😉 . Für uns hat sich der Besuch auf jeden Fall gelohnt.

Zurück geht es für uns mit Brittany Ferries. Einschiffen in Rosslare geht ruck-zuck und wir beziehen unsere Kabine an Bord der Connemara. Das Schiff ist genauso schrömelig wie die Stena Line, aber das haben wir auch nicht anders erwartet. Die Überfahrt ist diesmal deutlich entspannter als auf dem Hinweg und als positive Überraschung kommen wir auch noch fast zwei Stunden früher in Cherbourg an, als auf der Buchung angegeben. Dann müssen wir nur noch die gut 800 km bis nach Hause fahren. Die An- und Abreise mit dem eigenen Auto ist schon immer ein Kraftakt, aber es war die richtige Entscheidung für uns in diesem Urlaub. Schon allein, damit wir unseren ganzen Krempel mitnehmen konnten 😉 . Wir hatten eine tolle Zeit und schon jetzt steht fest, es wird nicht wieder zwei Jahre dauern, bis wir die Insel wiedersehen.

Irland 2022 – Einmal Mayo bitte!

Wir machen uns auf zum zweiten Kapitel unserer Irlandreise, im County Mayo. Für unsere Fahrt einmal quer über die Insel haben wir uns natürlich ein paar Zwischenstopps herausgesucht. Der erste ist Kilree Round Tower, etwas abseits und versteckt zwischen hohen Bäumen gelegen, so dass von Weitem oft nur die Spitze zu sehen ist. Zu erreichen ist der Turm nur über eine Wiese mit wieder einmal sehr neugierigen Rindviechern und einem großen Warnschild „Beware of the bull“. Da außer uns heute zwei Männer die Gehwege auf dem kleinen Friedhof am Turm ausbessern, trauen wir uns heldenhaft zwischen die Jungbullen und schaffen es unversehrt bis zum Turm :-). Sogar die kleine Currywurst kann ein wenig später aufsteigen.

Nur ein Stück die Straße runter liegt Kells Priory, nach eigener Aussage die größte eingefriedete Kirchenanlage in Irland. Vom Parkplatz sind erstmal nur die Ecktürme und die restaurierte Außenmauer zu sehen. Aber wenn man den Hügel hinunterläuft, kommt nach und nach die komplette Ruine in Sicht und sie ist ziemlich groß! Kein Eintritt, nix los und wenn man zwischen den, teils noch sehr hohen, Mauern herumläuft fühlt es sich ein bisschen nach Indiana Jones und verlorener Stadt an. Auf jeden Fall sehr empfehlenswert! Hier wird aber noch fleißig repariert oder restauriert. Es bedarf manchmal ein wenig fotografischer Finesse, die Absperrzäune und Baumaterialen auszublenden, aber wenigstens ist keines der Gebäude im Moment mit Planen eingetütet oder eingerüstet.

Doch damit noch nicht genug alter Steine, wir halten auch in Clonmacnoise. Die Klosterruine, malerisch am Shannon gelegen, ist auch ziemlich genau die geographische Mitte Irlands. Außerdem ein Touristen Hotspot, aber wir haben diesmal Glück und es ist nur eine Buslandung Österreicher da und ein paar weitere Besucher. Wir sind sogar genau rechtzeitig für die deutsche Filmvorführung da, die einen Überblick über die Entstehungsgeschichte und die diversen Kirchenruinen, die es auf dem Gelände gibt, vermittelt. Die eingespielten Fotos sind allerdings so alt und pixelig, dass wir versucht sind, die kleine Currywurst auszupacken und neue Aufnahmen zu spenden 🙂 . Aber natürlich ist das ganze Gelände eine no-drone-zone. Neben den Überresten von sieben Kirchen sind noch ein Rundturm, Hochkreuze und unzählige Jahrhunderte alte Grabsteine und Grabplatten über die Anlage verstreut. Offensichtlich war es in der Vergangenheit „schick“ sich in Clonmacnoise begraben zu lassen. Erstaunlich dass so viele Monumente die Zeit überdauert haben. Die Klosteranlage war vermögend und einflussreich, so dass sie regelmäßig und wiederholt von den Wikingern, den Normannen und den Engländern überfallen, geplündert und gebrandschatzt wurde. Und wohl immer wieder aufgebaut wurde, bis ihr Cromwell schließlich den Rest gab und die Anlage etwa 1650 aufgegeben wurde.

Der Eintritt von 8€/Person lohnt sich, und wir bekommen sogar einen Rabatt indem wir einmal nur den Seniorenpreis von 6€ bezahlen. Wir rätseln den ganzen Besuch lang, wer von uns denn nun die 60 schon überschritten hat 😉 .

Unser Ziel und neues Quartier befindet sich etwas außerhalb von Partry, am Lough Carra gelegen.

Einer der Gründe, warum es uns wieder ins abwechslungsreiche Mayo gezogen hat, ist Achill Island. Sie ist die größte Insel Irlands und hat landschaftlich alles zu bieten, was unser Urlaubsherz begehrt und ist über eine Brücke bequem erreichbar. Entlang der Südküste führt der Atlantik Drive, mit Aussichtspunkten über den namensgebenden Atlantik, kleinen Orten, Buchten und viel schroffer Küste. Überall auf der Insel haben die freilaufenden Schafe Vorfahrt. Sogar in den Dörfern und auf den Hauptstraßen finden sich die Wollknäuel. Ein schöner Vorwand, im Schneckentempo durch die Gegend zu cruisen 🙂 .

Wir folgen der Route eines Lab-Caches, der uns auch auf den Aussichtspunkt des Minaun führt. Wer wie wir zu faul ist, kann mit dem Auto bis zum Parkplatz an der Funkstation(?) fahren und dann „nur“ den restlichen Aufstieg bis zum Gipfel laufen. Gutes Schuhwerk ist aber auf jeden Fall angeraten, denn es gibt nur ein paar sporadische Markierungen und man muss sich seinen Weg nach oben selbst suchen. Der Untergrund ist oft sumpfig und matschig, so dass man sich schnell nasse Füße holen kann. Hat man den Aufstieg geschafft, wird man dafür mit einen phänomenalen Rundblick über die Insel belohnt. Es ist vielleicht kein sehr hoher Berg, aber der Wind pfeift einem ganz ordentlich um die Ohren. Es parken zwar ein paar Autos an den Funkmasten, aber die Insassen sind schon wieder auf dem Rückweg als Diane los läuft und auf dem Gipfel ist sie dann ganz allein. Einfach großartig 🙂 .

Überall wird Keem Beach als DER Strand schlechthin angepriesen. Das führt dazu, dass es diverse, durchaus gut besuchte Parkplätze gibt, und der zwar ganz schöne, aber nicht unbedingt große Strand recht voll ist. Außerdem liegt die Bucht schon spät nachmittags im Schatten, wenn die Sonne sich hinter den westlichen Klippen versteckt. Insgesamt fanden wir die An- und Abfahrt (es gibt nur eine Straße) schöner und spannender als die Destination. Die Sonne geht schon langsam unter, als wir auf dem Rückweg noch kurz im Deserted Village, einer aufgegebenen Siedlung in den Slievemore Mountains vorbeischauen, was auch die letzte Station des Labcaches ist. Die goldene Stunde macht an diesem Tag ihrem Namen wieder alle Ehre!

Auch unsere unmittelbare Umgebung hat Einiges zu bieten, schließlich wohnen wir zwischen zwei Seen mit viel Grün drum herum. Und Samstag ist Bauernmarkt in Ballinrobe, das müssen wir uns natürlich ansehen. Es sind nur eine Handvoll Stände, aber alle sind mit Herzblut dabei. Wir finden selbstgemachte Geburtstagskarten und vegane Bioseife.

Lough Mask und Lough Carra sind nur einen Steinwurf entfernt. An beiden finden sich Wälder und Wanderwege. Und zwischendurch lockt die ein oder andere Ruine. Rund um Moore Hall haben wir viel Spaß mit den Holztieren, die im Wald drum herum verteilt sind. Das Haus selbst ist die Anreise nicht unbedingt wert und kann auch leider nur von außen besichtigt werden, aber für einen Spaziergang oder eine Picknickpause am See allemal geeignet.

Castle Burke haben wir nur zufällig entdeckt und die Ruine selbst ist auch eher unscheinbar, aber rechts daran vorbei kann man zum Seeufer runter laufen. Wer mutiger ist als wir, kann auch runter fahren. Unten finden sich fotogene Ruderboote, Schafe und eine meterhohe Jesusskulptur. Da es sich um Farmland handelt, auf jeden Fall alle Gatter immer wieder gut schließen! Auf dem See draußen hört man irgendwo einen Außenbordmotor tuckern, aber ansonsten herrscht Ruhe und Einsamkeit.

Ballintuber ist ebenfalls nicht weit. Von Ballintuber Abbey sieht man von der Straße aus nur die moderne neue Kirche und wir halten auf dem großen Parkplatz eigentlich nur, um den weiteren Weg zu planen. Aber dann gucken wir uns doch mal um und finden, versteckt dahinter die mageren Überreste der Originalabtei, die allerdings mit dem, was wir bisher gesehen haben nicht mithalten können. Einmal durchstromern und weiter geht’s. Boyle Abbey dagegen ist noch ziemlich intakt und was die Zeit nicht überstanden hat ist mit einer gläsernen Hülle versehen worden. Aber dafür man muss zum Besichtigen auch Eintritt zahlen. Dazu wären wir ja durchaus bereit, aber wir kommen genau fünf Minuten nach der offiziellen Öffnungszeit an und so bleibt es für uns beim Spaziergang drum herum. Sieht aber auch von außen schon interessant aus.

Ballymote Castle liegt mitten in Ballymote, ist aber leider nicht zugänglich. Formschöne Absperrzäune blockieren den Eingang. Im Gegensatz zu Boyle Abbey präsentiert sich uns das Castle mit undurchdringlichen abweisenden Mauern, aber wenn wir nicht rein dürfen und nicht über die Mauern gucken können, haben wir ja noch unsere kleine fliegende Geheimwaffe, so dass wir doch rauskriegen, wie das Castle komplett aussieht.

Während wir kreuz und quer durch Mayo unterwegs sind, taucht immer wieder Croagh Patrick, der heilige Berg der Iren am Horizont auf. Und wir sehen soviel Gegend 🙂 .

Croagh Patrick kann man natürlich besteigen, auch wenn man es nicht als guter Katholik zur Wallfahrt tut. Aber wir haben uns einen anderen Berg zum Ziel genommen. Dafür geht’s nach Sligo. Zwei Berge liegen in unmittelbarer Nähe des Städtchens. Der Tafelberg Ben Bulben und der Knocknarea. Da soll es hoch gehen. Vom Parkplatz gibt es einen Rundweg über den Berg. Rechts rum geht’s über 6,5km bis zum Gipfel. Links rum sind es nur 1,5km. Auf Komoot wird der kurze Weg als „leichte“ Wanderung ausgewiesen. Allerdings sind auf dieser Strecke 200 Höhenmeter zu überwinden. Als leicht kann der Aufstieg deshalb – zumindest für und von uns – wirklich nicht bezeichnet werden. Vom Parkplatz geht’s noch mit einem halbwegs vernünftigen Weg los. Steil, aber gut zu laufen. Nach etwa einem Drittel der Strecke wird’s schon schwieriger und man muss über ausgewaschene Steinabschnitte klettern und krabbeln und sich seinen Weg selbst suchen. Oben angekommen hat man – bei entsprechendem Wetter – einen tollen Rundumblick. Außerdem befindet sich oben ein großer Steinhaufen, Cairn, genannt. Die Legende besagt, dass es sich um den Grabhügel von Queen Maeve, einer Königen aus der keltischen Mythologie, handelt. Sie soll darin stehend und in voller Rüstung begraben sein. Das ist wohl eher unwahrscheinlich, aber bisher hat noch niemand nachgesehen 😉 .

Etwas abseits gelegen ist der Drumanone Dolmen. Nur ein überwucherter Fußweg geht von der R294 ab und an dessen Ende sperren zwei Gatter eine Bahnstrecke ab. Der Dolmen liegt dahinter auf einer Wiese und wird – zumindest bei unserem Besuch – wieder mal von einer Herde Kühe bewacht. Die sind auch ziemlich zutraulich und so neugierig, dass es kaum möglich ist ein Foto ohne Rindviech zu machen 😉 .

Der Rundturm in Killala ist für uns nur ein zufälliger Cacherstop auf dem Weg nach Rathfran Abbey. Die finden wir idyllisch am Wasser gelegen und ganzjährig zugängig. Und es ist nix los 🙂 . Wir sind an einem relativ bedeckten Tag da und der Wind faucht durch die Ruinen. Man kann die Geschichte quasi mit Händen greifen. Definitiv einen Besuch wert!

Noch besser hat uns allerdings Rosserk Friary gefallen. Ebenfalls am Wasser gelegen macht sie erst einen etwas unscheinbaren Eindruck und als wir ankommen ist auch noch ein anderes Pärchen da. Wir begegnen uns auf dem Weg um das Kloster herum, weil wir natürlich erstmal den Eingang übersehen haben. Dann finden wir den Hintereingang und stellen fest, dass der Gebäudekomplex noch erstaunlich gut erhalten ist. Man kann sogar über schmale, ausgetretene Treppen noch die erste Etage erreichen. Da wir mittlerweile allein sind, kann auch die kleine Currywurst noch aufsteigen. So kriegen wir tolle Aufnahmen vom Turm, der wohl architektonisch besonders ist, da nur auf zwei Spitzbögen gelagert. Wir finden ihn einfach beeindruckend. In der Ruine befindet sich auch ein in Stein gemeißelter Rundturm, wahrscheinlich der von Killala. Vielleicht war ja einer der Mönche ein Fan oder wollte eine Erinnerung an seinen Heimatort. Da wir ja gerne auf eigene Faust einsame alte Gemäuer erkunden, ist das hier definitiv ein Highlight für uns 🙂 .

Die kleine Landzunge von Downpatrick Head lockt mit Klippen und einer direkt vor der Küste liegenden Felsinsel Namens Dún Briste. Und während unseres Besuchs auch mit ganz viel Wind, aber das stört uns ja nicht 😉 . Es gibt eine Statue des heiligen Patrick in der Ruine einer kleinen Kapelle und einen tiefen Durchbruch zum Meer (blowhole), durch den bei Sturm und hoher Flut das Wasser hinaufschießt, wofür Wind und Wasserstand heute aber nicht ausreichen. Außerdem liegen hier insgesamt drei Geocaches, die uns auch ursprünglich hierher geführt haben. und die wir auch alle finden 🙂 . Einen davon versteckt im, in den Boden eingelassenen EIRE 64 Zeichen, mit dem das neutrale Irland während des zweiten Weltkriegs seine Küste markiert hatte, damit weder Bomben, noch Spionage- oder Truppenflugzeuge auf der Insel landeten. Leider sieht man diese Zeichen vom Boden aus nur schlecht und es ist heute zu windig und regnerisch für die Currywurst.

Die Klippen sind schon beeindruckend und man kann überall ungestört herumstromern und die Aussicht genießen. Da es nirgendwo Absperrungen gibt, ist bei starken Windböen, so wie heute, am Klippenrand ein bisschen Vorsicht geboten. Unterwegs, treibt der Wind auch immer wieder tief hängende Regenwolken und -schauer über die Küste. Da sind wir unterwegs ganz froh, dass wir uns dann im Auto aufwärmen und auch trocknen können. Ein würdiger Abschluss unserer Woche in Mayo!

Irland 2022 – Céad míle fáilte – der Südosten

Die Pandemie hat uns alle gezwungen auf lieb gewordene Dinge und Beschäftigungen zu verzichten oder sie zumindest den aktuellen Gegebenheiten anzupassen. Und obwohl wir sicherlich keinen Grund haben uns zu beschweren, machen sich doch vereinzelt Entzugserscheinungen bemerkbar. Uns fehlt die grüne Insel. Die letzte Dosis Irland hatten wir im Januar 2020 und so langsam wird’s Zeit für die nächste. Da wir uns noch nicht wohl damit fühlen in ein Flugzeug zu steigen, fällt die Entscheidung für die lange Anreise mit dem Cachermobil. Auf dem Weg nach Cherbourg regnet es so viel, wie in den ganzen letzten Wochen zu Hause nicht. Wir hoffen, dass es kein Omen für den Rest des Urlaubs ist!

Aufgrund der Folgen unserer letzten Seereise (Corona) verfolgen wir diesmal eine Strategie der strikten Distanzierung. Der Captain pustet uns noch seine Einschätzung einer „ruhigen Überfahrt mit leichtem Wellengang und Wind aus südlicher Richtung“ in die Kabine, als wir uns schon bettfertig machen. Deshalb werden wir unschön überrascht, dass die Stena Horizon sich die ganze Nacht durch den Ärmelkanal und die keltische See kämpft und das Stampfen des Motors die Deckenverkleidung über unseren Köpfen Schuhplattler tanzen lässt. Das Rollen des Schiffes schubst uns fast aus der Koje, bis wir es in den frühen Morgenstunden in ruhigeres Fahrwasser schaffen. Offensichtlich haben der Captain und wir eine andere Auffassung, was eine ruhige Überfahrt ist! Glücklicherweise haben wir ja bis zum Anlegen keine Pläne und können uns nochmal für ein Nickerchen umdrehen 🙂 .

Ausschiffen, Passkontrolle und Zoll sind diesmal unproblematisch und relativ schnell erledigt. Irland begrüßt uns mit viel Sonne und Wind. Hoch über dem Strand von Rosslare kommt fast karibisches Feeling auf und versöhnt uns mit der holprigen Überfahrt. Der erste Strandspaziergang und wir sind endgültig im Urlaub 🙂 .

Wie so viele andere Touristen, haben wir eine klare Vorliebe für Irlands Westen und deshalb haben wir unsere Zelte noch nie im Südosten aufgeschlagen. Diesmal liegt unser erstes Feriendomizil aber nur eine knappe Fahrstunde von Rosslare, in Ballagh Court, Wexford. Hier sollte es also noch viel Neues für uns zu entdecken geben!

Wir reisen gerne mit dem Lonely Planet Reiseführer im Gepäck. Erstaunlicherweise ist der für Irland fast genauso dick wie der für Frankreich, obwohl die Insel nur ein Sechstel der Fläche Frankreichs hat und auch die Franzosen eine lange und ereignisreiche Geschichte vorzuweisen haben! Es ist also kein Wunder, dass man sich hier, im sogar so betitelten historischen Osten, vor den Überresten alter Abteien, Klöster, Kirchen, Burgen und Schlösser nicht retten kann. Gut dass wir alte Steine mögen 🙂 .

Besonders schön und gut erhalten ist Jerpoint Abbey und sie ist die fünf Euro Eintritt allemal wert. Der Kreuzgang ist auf zwei Seiten noch komplett erhalten und die Säulen sind mit detailreichen und sehenswerten Schnitzereien versehen. Einziger Nachteil: wo man Eintritt bezahlen muss, gibt es in der Regel auch Öffnungszeiten. Wir kommen – wie so oft – später als geplant und haben noch knapp eine Stunde Zeit für die Besichtigung. Positiver Nebeneffekt: es sind außer uns nur noch eine Handvoll Besucher da.

Neben alten Steinen besuchen wir auch Woodstock Garden. Schon allein wegen des Namens 🙂 . Allerdings ist dies entweder ein sehr naturbelassener Park, oder der Sommer war auch hier nicht allzu pflanzenfreundlich. Beeindruckend ist der Baumbestand mit einigen gigantischen Exemplaren. Ein schöner Spaziergang, aber mehr auch nicht.

Die Trockenheit der letzten Monate hat auch in den Wicklow Mountains ihre Spuren hinterlassen. Die Heide zeigt sich oft nur als endlose braune Fläche oder im tarnfarbenen Fleckenmuster. Aber trotzdem bietet sich uns, bei unserem Ausflug in den Nationalpark, ein atemberaubender Ausblick nach dem anderen. Und die kleine Currywurst (für die noch nicht eingeweihten: unsere Drohne) bekommt ordentlich was zu tun :-). Ruck zuck ist es Nachmittag und wir machen uns auf nach Glendalough. Das Tal wo der heilige Kevin als Einsiedler lebte und eine Klostersiedlung gründete, die heute noch in einem idyllischen Tal mit zwei Seen besichtigt werden kann. Aber wie so oft, der Ort und Parkplatz sind total überfüllt und nach all der Erhabenheit der einsamen Täler ist es uns zu viel Zirkus und wir verzichten auf den Stop. Dafür stolpern wir auf dem Rückweg über Baltinglass Abbey, die ein bisschen versteckt am Fluss Slaney liegt und ohne Eintritt und Öffnungszeiten zugänglich ist 🙂 .

Zwischendurch haben wir auch mal anderthalb Regentage. Am zweiten machen wir uns auf nach Waterford. Städte-Sightseeing geht ja auch ohne Sonne ganz gut. Unser Timing lässt aber schon wieder zu wünschen übrig, denn gerade als wir ankommen, hat die MS Maud der Hurtigruten Expeditions im Hafen festgemacht und die Innenstadt quillt über mit Besuchergruppen, die eine Stadtführung machen.

Waterford wurde im 8. Jahrhundert von Wikingern gegründet und das wird auch an jeder Ecke vermarktet. Vom Dragonslayer Sword – dem angeblich längsten Wikingerschwert der Welt – bis zur 3D Vikings Experience. Dazwischen jede Menge Kirchen und enge Gassen. Unser insgesamt eher triste Eindruck wird durch viele Wandbilder etwas abgemildert.

Für uns geht es südwärts, wo wir in Tramore nicht nur einen Strand für einen Spaziergang finden, sondern auch die beiden Brownstown Head Towers, zwei ungewöhnliche Türme, die von Lloyds in London nach einem Schiffsunglück errichtet wurden, als ein Schiff die Bucht für den Hafen von Waterford hielt und fast 400 Menschen ertranken. Heute blockiert ein verschlossenes Gatter den Zutritt und auch der daneben bereits entstandene Trampelpfad ist mit Stacheldraht blockiert. Gut, dass wir für solche Situationen die Currywurst los schicken können 🙂 . Eine kleine Klippenwanderung von Rathmoylan Cove Beach nach Portally Cove Beach rundet diesen Tag ab.

Östlich von Tramore befindet sich die sogenannte Kupferküste, weil hier in der Vergangenheit diverse Kupferminen in Betrieb waren. Wir starten unsere Erkundung in Ardmore. Der kleine Ort wird von einem 30 Meter hohem Rundturm dominiert. Direkt daneben befindet sich St. Declan’s Church und von beiden hat man einen Blick über den Strand. Ziemlich populär ist die Klippenwanderung, die vorbei an zwei Quellen, Wachtürmchen gegen eine französische Invasion und einem Kranwrack namens Samson führt. Wer spielt kann alle Punkte in einem Lab-Cache ablaufen. Wir können Ardmore auf jeden Fall empfehlen!

Dann geht es weiter gen Osten, bis wir abends wieder in Tramore ankommen. Dazwischen liegen unzählige Buchten, kleine Häfen und Örtchen, die teilweise nur aus einer Handvoll Häuser bestehen und jede Menge zerklüftete Küste. Wir befinden uns mitten in einem Gaeltach Gebiet, das heißt, alle Schilder sind auf gälisch und manchmal erklären nicht mal die hilfreich hinzugefügten Piktogramme was gemeint ist. Gut, dass wir heutzutage nicht mehr nach Schildern navigieren! Als die Sonne untergeht, macht die Kupferküste ihrem Namen nochmal alle Ehre, als die Felsen im Abendlicht rot aufleuchten.

Hook Lighthouse am Ende der gleichnamigen Halbinsel ist uns wärmstens empfohlen worden und wir hatten diese auch so schon in unserer Planung, da gemäß Reiseführer allerlei interessante Punkte auf dem Rundkurs liegen. Wir starten morgens mit Dunbrody Abbey. Laut Internet ist sie aktuell geschlossen. Aber die Abbey ist frei zugänglich. Geschlossen ist das gleichnamige Schloss mit Minigolf und Irrgarten und Firlefanz. Firlefanz ist ja eh nicht für uns, aber die Abbey ist sehr nett. Wieder mal umsonst und draußen :-).

Die Halbinsel erfüllt unsere Erwartungen leider nicht. Der erste Punkt auf unserer Liste wäre Duncannon Fort, aber das ist tatsächlich geschlossen. Der Ort selbst ist auch eher unscheinbar. Die Scenic Route verläuft leider nicht am Wasser und bietet nicht die erhofften Aussichten. Der Leuchtturm ist schön geringelt, aber wir wollen nicht ins überfüllte Café oder auf die Aussichtsplattform. Stattdessen würden wir gerne um den Turm spazieren, aber der Weg ist mit einem doppelt verschlossenen Gatter versperrt. Es läuft heute nicht so, wie wir es erhofft haben. Ab hier machen wir aus dem Tagesausflug eine Geocaching-Tour, das klappt besser :-). Als Abschluss steht Tintern Abbey auf dem Programm. Wie üblich sind wir zu spät und die Abbey hat geschlossen. Aber drum herum gibt es jede Menge Spazier- und Wanderwege, die für einen schönen Ausklang sorgen.

Norwegen 2022 – Rückreise

Auf dem Hinweg sind wir morgens in Oslo angekommen und am nächsten Tag abends von Bergen abgefahren. Auf dem Rückweg kommen wir erst nachmittags in Bergen an, müssen aber schon am nächsten Mittag in Oslo an der Fähre sein. Das gibt uns nicht viel Zeit für Sightseeing. Natürlich verfahren wir uns erstmal in Bergen und brauchen ewig um aus der völlig verstopften Stadt heraus zu kommen.

Wir haben uns für die Scenic Route entlang des Hardangerfjords entschieden, um doch noch die Obstplantagen zu sehen. Sie blühen aber leider nicht mehr. Zur Entschädigung: die Straße schlängelt sich malerisch das Ufer entlang und die Aussicht ist mal wieder umwerfend. Wenn wir nur ein bisschen mehr Zeit hätten!

Je weiter wir kommen, desto winterlicher werden die Berge wieder. Da wir vor ziemlich genau zwei Wochen schon mal hier waren, können wir gut vergleichen und uns fällt auf, dass es zwar weniger Schnee und Eis gibt, aber immer noch genug, dass das Tauwetter dazu führt, dass unzählige kleine und auch größere Wasserfälle die Hänge herabstürzen. Die aller größten sind wohl permanent, aber ob die vielen kleinen sich nur vom Schmelzwasser bilden? Kann da überhaupt (noch) soviel Schnee und Eis sein? Die Antwort lautet ja, denn an einer weiteren Baustelle, werden wir auf den „Turistveg Dyrskar“ umgeleitet und fahren durch meterdicke Schneefelder, die sich hier bisher gehalten haben. Wenn man in Norwegen die Möglichkeit hat von der Hauptstraße auf einen Turistveg auszuweichen, können wir das nur empfehlen! Leider sieht man die Abzweigungen oft sehr schlecht, weil sie kurz vor Tunneleinfahrten liegen. Die neuen Tunnel ersetzen dann die alten Serpentinenstraßen und längeren Strecken über die Berge bzw. um die Berge drum herum.

Ein paarmal können wir die kleine Currywurst starten lassen, unter anderem bei einem erneuten Stopp am Låtefossen. Den haben wir ja auf dem Hinweg schon bewundert und uns hinterher geärgert, dass wir dort nicht geflogen sind. Jetzt, um 22Uhr, ist auch deutlich weniger los! Aber leider leider müssen wir uns echt sputen, dass wir ins Hotel kommen. Insgesamt eine tolle Fahrt am Tag der Wasserfälle 🙂 .

Es ist eine kurze Nacht für uns im Haukelifjell Gjestehus. Wir kommen auf den letzten Drücker um kurz nach 23Uhr an, aber wir haben vorher telefonisch sicher gestellt, dass wir noch einchecken können. Dann ist plötzlich unser Autoschlüssel weg und wir verbringen eine hektische halbe Stunde damit durch das voll gepackte Auto zu kriechen und danach zu suchen. Nachdem wir ihn endlich gefunden haben, fallen wir erschöpft ins Bett. Eigentlich gibt es erst ab 8Uhr morgens Frühstück, aber wir sind nicht die Einzigen, die früh wieder los müssen und so macht das kleine Buffet schon um halb acht für uns auf. Super Service von Monika, die noch weniger Schlaf bekommen hat als wir, da sie abends auf uns gewartet hat und auch das Frühstück serviert!

So können wir uns gut gestärkt auf den Weg machen. Schnell von A nach B kommt man in Norwegen nicht. Wir brauchen für die restlichen knapp 260 km nach Oslo gute vier Stunden ohne Pause. Auf dem Weg wird es endgültig Frühling. Am Wegrand blühen Blumen, die Temperatur steigt auf über 20° und wir sehen unseren ersten Elch in freier Wildbahn! Am Fähranleger haben wir kaum Zeit die letzten Sachen in den Rucksack zu packen, als es auch schon an Bord der Color Fantasy geht, die uns zurück nach Kiel bringen wird.

Ist es an Land noch warm und relativ sonnig, ändert sich das bereits kurz nachdem wir ablegen. Es zieht sich zu und natürlich wird es windig auf Deck 12. Das treibt die meisten sehr sommerlich bekleideten Passagiere nach drinnen. Nachmittags fängt es dann an zu regnen und das Wetter wird schließlich so schlecht, dass der Zugang zu den Außendecks gesperrt wird. Drinnen merkt man davon aber dankenswerterweise recht wenig. Abgesehen von einer etwas anderen Dekoration unterscheidet sich die Fantasy nicht von der Color Magic und hat für uns damit wenig Attraktives zu bieten. Gott sei Dank sind wir technisch sehr gut ausgestattet und haben alles dabei für einen Filmabend in der Kabine. Wir müssen uns also nicht mit allen anderen Passagieren in den vollen – und lauten – öffentlichen Bereichen aufhalten 🙂 .

In Kiel kommen wir pünktlich zur Kieler Woche an und in der Bucht wuseln dutzende Segelboote hin und her. Ein würdiges Willkommen für uns :-). Auf der Rückfahrt in Deutschland sind die Straßen wie immer voll und voller Baustellen und Staus. Also dauert es länger als erwartet, bis wir endlich zu Hause sind. Bass erstaunt schauen wir auf den Kilometerstand, den wir zu Beginn unserer Reise auf Null gestellt hatten. 4.200km sind wir in den letzten dreieinhalb Wochen gefahren! Ein weiterer Beweis, dass Entfernungen in Norwegen nicht zu unterschätzen sind. 20km Luftlinie können durchaus 40km Fahrweg und über eine Stunde Fahrzeit bedeuten.

Wir hatten eine tolle Zeit und haben in diesem Urlaub viel von dem gesehen, was wir uns erhofft hatten. Einiges ist dem Regen, mangelnder Zeit oder dem unwegsamen Gelände zum Opfer gefallen. Zu Fuß in der Natur sollte man immer darauf gefasst sein, durch Steinfelder und Felsen klettern zu müssen. Und wenn man so ein Bewegungslegastheniker ist wie wir, kann das auch mal, wie bei uns, in einem verstauchten Knöcheln enden.

Unsere Geocaching Ausbeute ist mit knapp 60 Funden auch eher mager ausgefallen. Teilweise, weil wir die letzten 10 Meter nicht klettern wollten/konnten. Teilweise aber auch, weil die Dosen nicht sehr gut gewartet sind oder die Owner ihren etwas schrägen Sinn für Humor in den Hinweisen ausleben. Zum Beispiel den Hinweis „Stein“ in einem Geröllfeld, oder „Baum“ in einem Wäldchen. Da freut man sich schon über einen vermeintlich eindeutigen Hinweis wie „Birke“, bis man merkt, dass man inmitten unzähliger dieser Gewächse steht. Dann müssen wir unsere Bilanz für dieses Jahr halt im nächsten Urlaub aufbessern 😉 .

Es waren aufregende, aber manchmal auch etwas anstrengende drei Wochen. Und selbst wenn wir die direkte Sonne um Mitternacht nicht oft gesehen haben, war es trotzdem eine irre Erfahrung, dass es vierzehn Tage lang nicht dunkel wurde. Unseren Biorhythmus hat es aber ehrlicherweise ganz schön durcheinander gebracht. Erstaunlich, dass wir immer noch so lichtgesteuert sind, dass wir wirklich nicht müde werden, wenn es nachts hell bleibt. Dank der Innenkabine auf der Rückreise konnten wir uns aber auch schnell wieder an unsere normalen Tag/Nachtzeiten gewöhnen.

Pünktlich zu unserer Ankunft in Kiel springt unsere Corona-Warn-App auf rot um und zeigt ein erhöhtes Risiko an. Wirklich überrascht es uns nicht, so sorglos wie auf den Hurtigruten die meisten Passagiere waren und wie wenig Abstand man halten konnte. Ebenso wenig überraschen uns die positiven COVID-Tests, die wir an den folgenden Tagen erhalten. Das ist ein Souvenir, das wir lieber nicht mitgebracht hätten!