Ostsee 2026

Wer sich schon gewundert hat, ob wir denn dieses Jahr gar keine „Winterauszeit“ nehmen – doch, machen wir. Nur ein bisschen später und etwas unorganisierter als uns lieb ist. Erst hat berufliche Administration die Urlaubsplanung erschwert, dann unsere eigene Unentschlossenheit. Aber dann stand es endlich fest, Anfang Februar geht es an die Ostsee. In einem winzigen Ort an der Flensburger Förde haben wir ein schönes Ferienhaus gefunden und uns auf eine entspannte Woche Nichtstun gefreut. Es ist Freitag Mittag und wir sitzen schon fast im fertig gepackten Auto, als uns der Vermieter mitteilt, dass leider die Heizung im Ferienhaus kaputt sei und auch frühestens am Montag jemand zur Reparatur anrücken kann. Bei aktuell -10° ist das für uns keine Option und wir müssen – wieder mal – umplanen. So verschlägt es uns nach Ostholstein. Sierksdorf liegt etwas oberhalb von Scharbeutz und Timmendorfer Strand und ist eher verschlafen. Hauptattraktion ist der Hansapark, der aber glücklicherweise noch bis Ende März geschlossen ist.

Womit wir nicht gerechnet hatten ist der aktuelle Besucheransturm aus dem Umland an die – zumindest am Ufer zugefrorene Ostsee. Eisregen, Wind und Schnee haben für ein arktisch angehauchtes Ambiente gesorgt, das viele mit Kind und Kegel erleben wollen. Da die Temperaturen tagsüber aber knapp über 0° liegen, taut es überall und friert dann nachts wieder über. Es ist also manchmal eine ziemliche Rutschpartie.

Unser Ferienhaus liegt direkt über dem Sierksdorfer Strand, nur ein paar Gehminuten und man ist da. Zur blauen Stunde ist er erfreulich leer und lädt trotz frostiger Temperaturen noch zu einem ausgiebigen Spaziergang ein. Der gefrorene Boden erleichtert das Gehen im Sand, der wiederum dafür sorgt, dass man sich auf den zugefrorenen Abschnitten nicht auf die Nase legt. Ein sehr praktisches Arrangement! Unweit vom Ufer schaukeln Eisschollen lustig vor sich hin und schieben sich gelegentlich am Strand terrassenartig  zusammen. Hat was. Und bei uns kommen Erinnerungen an unser Wintermärchen auf Rügen 2010 auf 😊.

Travemünde ist für uns bisher nur Abfahrtsort für die Fähren nach Skandinavien gewesen. Diesmal verweilen wir etwas länger und treiben uns zwischen Nordermole und Hermannshöhe herum. Hier ist es am Sonntag nicht ganz so überlaufen.

Bei eisigem Wind laufen – und rutschen – wir in Etappen von Travemünde bis Neustadt die Lübecker Bucht entlang. Am Strand merkt man oft gar nicht, das man schon einen Ort weiter ist. Nur die nächste Seebrücke – jeder Ort hat mindestens eine, auch wenn es nur ein schmaler Holzsteg ist, der ins Meer ragt – markiert den Übergang. Mit zunehmendem Tauwetter verschwindet die weiße Pracht und die Eisschollen. Bis nur noch die Buhnen weiße Mützen tragen.

Für durchgepustete Strandläufer oder einfach nur hungrige Touristen können wir das Frühstück für zwei beim Ostseebäcker Puck in Timmendorfer Strand empfehlen. Das gibt es den ganzen Tag und schmeckt morgens genauso gut wie am Nachmittag. Wir haben beides ausprobiert 😉. Ansonsten haben wir uns in der „Galerie“ an der Strandkirche in Scharbeutz aufgewärmt. Eigentlich waren es nur zwei Dutzend Bilder in den Gemeinderäumen. Etwas skurril, aber das ist Kultur in kleinen Orten ja oft. Und wir haben es uns gemütlich gemacht. Bei Kaffee und Kuchen auf der Couch oder in der warmen Wanne mit Whirlpoolfunktion. Sehr gut, um nach einem langen Wintertag wieder warm zu werden.

Solange das Wetter hält wollen wir noch einen Abstecher nach Fehmarn machen. Aber nur weil der Wetterbericht Niederschlag < 0,3mm ausweist heißt ja nicht, das es trotzdem ordentlich schneien kann. Die Panoramasicht auf die Fehmarnsundbrücke bleibt uns dadurch verwehrt, aber der Schneespaziergang war auch schön!

Der Weg zum Leuchtturm Flügge ist nichts für Unaufmerksame oder Schuhe ohne ordentliches Profil. Aber nach der Devise „wenn es unter den Sohlen knirscht ist alles ok“ kommen wir sicher ans Ziel. Es geht vorbei am zugefrorenen Flügger Watt mit viel Schilf und einem sehr dekorativem Windrad als Farbfleck

Wir statten dem „Ostseestöpsel“ in Westermarkelsdorf einen Besuch ab. Der Legende nach läuft die Ostsee leer, wenn man den Stöpsel zieht. Wie bei einer riesengroßen Badewanne. Tatsächlich ist es ein alter Pegel, der 1942 vom Eis auf der Ostsee zur Seite gedrückt wurde und seitdem schief im Meer steht. Bei einem Spaziergang über den Deich oder zum Leuchtturm kann sich jeder überlegen, welche Variante besser passt. Für ein Päuschen stehen Holzliegen auf dem Deich und wir finden sogar spontan ein Plätzchen😉. Während wir überlegen, wie groß die Hand sein müsste, um den Stöpsel zu ziehen und die Ostsee gurgelnd im Boden verschwinden zu lassen 😄.

Am Grüner Brink Strand lässt der Parkplatz erahnen, dass hier im Sommer  einiges los ist. Aber heute sind wir allein und um ehrlich zu sein nicht sehr beeindruckt. Außerdem pustet uns der Eiswind so durch, dass wir uns nicht allzu lange aufhalten. Schnell einen Geocache gehoben, kurzer Abstecher zum Strand und über den Deich. Dann geht’s zum Aufwärmen ins Café liebevoll in Burg, der Hauptstadt von Fehmarn. Dort können wir die englischen Scones wirklich empfehlen!

Aus dem Tauwetter wird schließlich Regen. Ungemütlicher, anhaltender Dauerregen. Da wir in letzter Zeit tatsächlich Gefallen an Museen gefunden haben, machen wir uns auf ins Europäische Hansemuseum nach Lübeck.  Das entführt uns auf eine Reise ins Mittelalter und macht Station in Hansestädten wie Brügge, London oder Bergen und beim Hansetag in Lübeck im Jahr 1518.  Sehr anschaulich und mit vielen interaktiven Displays ist das Museum echt toll gestaltet, super informativ und interessant. Aber es gibt auch sehr viel zu lesen, also nicht unbedingt was für (kleine) Kinder. Wir haben unsere eigenen Kopfhörer mitgebracht, lauschen allen angebotenen Audiotracks und lassen uns ganz entspannt durch die Ausstellung treiben. Überall gibt es Sitzgelegenheiten zum Ausruhen und um so richtig in die Geschichte einzutauchen. Wir verbringen fast vier Stunden im Museum und werden dabei auf dem Rundgang von diversen Besuchern überholt. Es sind wohl nicht alle Besucher so gefesselt wie wir.

 

Im Ticketpreis (€16 für Erwachsene) ist ein Besuch im Burgkloster enthalten. Das liegt quasi im Hinterhof des Museums und bietet schöne Gewölbe, Decken- und Wandmalereien. Auch hier kann man sich über eine App an diversen Stationen was zum Leben und Wirken im Dominikanerorden, der das Kloster gegründet hat, erzählen lassen. Auch dieser Abstecher lohnt sich. Danach wollten wir uns eigentlich noch Lübeck ansehen, aber es regnet. In Strömen. Dazu ist es kalt und windig. Und wir sind von der Hanse schon ziemlich übersättigt. Also werden wir dafür wohl nochmal wiederkommen müssen.

Damit ist unsere Zeit an der Ostsee auch schon wieder vorbei. Für uns geht es Richtung Heimat. Aber mit ein paar Zwischenstopps. Der erste im Miniaturwunderland in Hamburg. Wir haben das volle Programm inklusive Virtual Reality-Erlebnis gebucht. Dazu werden wir wie Science Fiction Figuren ausgestattet und stapfen, springen und hampeln in einem ziemlich leeren Raum herum.  Lars als buckliger Mönch und Diane als holzbeiniger Pirat. Wir hatten viel Spaß!

Dann geht es durch die Miniaturwunderwelt. Ein Nachmittag reicht natürlich nicht aus, um alles zu sehen. Gerade die vielen Kleinigkeiten für die man eigentlich viel Ruhe und Zeit bräuchte übersieht man leicht. Aber es gibt jede Menge Knöpfe zu drücken, es blinkt und leuchtet überall und aufgeregte Kinderstimmen verkünden, was sie gerade entdeckt haben. Unser Tipp: die Schaukästen auf den Gängen zu den Toiletten sind kleine Meisterwerke, die man sich ebenfalls ansehen sollte! Wir machen eine Miniaturtour durch Hamburg, besuchen den Karneval in Rio und Venedig, tanken Sonne in Italien und besuchen nochmal die Eismeerkathedrale und die Stabkirche in Heddal in der Skandinavien-Ausstellung.

 

Völlig reizüberflutet kommen wir nach fünf Stunden wieder ans Tageslicht. Aber unser Programm ist noch nicht zu Ende. Weiter geht es zum Familienbesuch in die Lüneburger Heide. In Schneverdingen haben wir einen sehr beschwingten Abend mit den Improkünstlern des Dreierlikörs (ja wir sind familiär voreingenommen).  Wer mal in der Nähe ist – unbedingt ansehen!

Am nächsten Tag gibt es noch ein tolles Frühstück und sehr leckeren Käsekuchen in Fischerhude, bevor wir endgültig wieder unsere Heimatbasis erreichen. Insgesamt doch eine sehr schöne und ereignisreiche Woche. In etwas über 80 Tagen geht es für uns zwar nicht um die Welt, aber ins nächste Urlaubsabenteuer!

 

 

 

 

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