Schottland 2026 – Orkney, Die Rückkehr

Als Wiederholungsreisende hat man den Vorteil, dass man bereits einige schöne Ecken kennt und sich freut, sie wieder zu sehen; sonst wäre man ja nicht nochmal angereist.

Für uns gehört auf Orkney der Yesnaby Costal Walk in diese Kategorie.  Unter einem ausnahmsweise mal strahlend blauem Himmel ist der Spaziergang die spektakuläre Küste entlang wieder wunderschön. Bis zum Yesnaby Castle, einem zurecht viel beworbenen, freistehenden Felsen vor der Küste, sind es je nach Anzahl der Fotostops 😉 etwa 30 Minuten zu Fuß. Die wenigsten gehen noch weiter und so hat man danach die Küste in der Regel für sich alleine. Bei extrem starkem Wind sollte man jedoch mit Vorsicht unterwegs sein, damit man nicht versehentlich zu nah an die bröckelnden Felskanten geschoben wird. Und Wind gibt es hier meistens reichlich – Mütze nicht vergessen!

Ein bisschen weiter nördlich liegt Skara Brae, die „besterhaltene jungsteinzeitliche Siedlungsanlage in Europa“. Auch hier sind wir Wiederholungsbesucher. Da wir die Anlage schon kennen, haben wir uns diesmal für den letztmöglichen Einlass um 16:30 Uhr entschieden. Da die Anlage um 17:30 schließt ist das für Erstbesucher ein bisschen knapp, besonders, weil die Besichtigung von Skaill House (im Eintrittspreis enthalten), definitiv mehr Zeit in Anspruch nimmt. Es sei denn, man läuft alles im Schweinsgalopp ab, weil man sowieso nicht so viel Interesse hat. Aber dann spart man sich den Besuch wahrscheinlich besser ganz 😉. Wir teilen unsere kostbare Stunde mit nur einer Handvoll weiterer Besucher. Und zum Schluss sind wir sogar ein paar Minuten ganz allein, bevor die Angestellten uns freundlich aber bestimmt hinauskehren.

 

Stromness ist definitiv einer der Gründe, warum wir wieder hier sind. Das Örtchen hat einen diesmal ausgiebigen Besuch verdient. Aber auch hier sei gewarnt – Kreuzfahrtschiff in Kirkwall = Busladungen in Stromness.  Und dann kann es schon mal schwierig werden, ein Plätzchen zu finden um z.B. den Kaffeedurst zu stillen. Aber zu allen anderen Zeiten kann man ganz entspannt durch die Gassen schlendern. Unbedingt die kleinen Abstecher zum Wasser machen, da gibt es so allerlei zu entdecken 😁. Noch entspannter wäre es, wenn die Altstadt zur Fußgängerzone würde. Manchmal verstopft der Verkehr die schmalen Straßen komplett und macht ein Durchkommen für alle fast unmöglich. Parken kann man am Nord- oder Südende. Oder man hat so unverschämtes Glück wie wir, dass man mitten im Zentrum einen Platz findet.

Einen Abstecher zum Ring of Brodgar und den Stones of Stennes lässt sich quasi gar nicht vermeiden, wenn man im neolithischen Herzen von Orkney unterwegs ist. Und da alles so schön beieinander liegt, kann man die Reihenfolge schön nach der jeweiligen Besuchermenge ausrichten. Wir sind mal wieder in den frühen Abendstunden da und atmen Ruhe und Geschichte unter einem wolkenverhangenen Himmel. Der aber netterweise allen Regen für sich behält 😁.

Ein Abend bei Lynn, mit den alten Geschichten von den Menschen, die das Land bestellen und auf Fischfang gehen darf es für uns auch gerne nochmal sein. Draußen prasselt der Regen, aber im Orkney Folklore & Storytelling Centre knistert das Feuer im Kamin, während wir gebannt lauschen was es von Finnmännern,  Selkiefrauen und den alten Orkadians zu erzählen gibt. Eine Empfehlung für alle die ein paar Stunden in eine magische Welt abtauchen möchten. Das Studio mit seinen maritimen Wimmelbildern und Dekorationen trägt ebenso wie die Lynns sonore Erzählstimme zur mystischen Atmosphäre bei. Es fällt uns gar nicht schwer die Gestalten vor unserem inneren Auge zum Leben zu Erwecken. Es ist allerdings schon empfehlenswert, wenn man die englische Sprache beherrscht, um den Erzählungen folgen zu können.

Der Weg zum und die Aussicht vom Kitchener Memorial Tower haben uns letztes Jahr super gut gefallen. Die gesamte Küstenlinie des Marwick Head ist eine einzige Augenweide und der Tower für uns mehr eine Randerscheinung.  Also steht die Tour auch diesmal auf unserer Liste. Das erste Mal vertrauen wir noch dem Wetterbericht, dass das Wetter am Nachmittag aufklaren soll. Ein Fehler. Und wir hören auch irgendwann auf, unsere vier Wetterapps auf der Suche nach der verlässlichsten Vorhersage zu vergleichen. Es hat einfach keinen Sinn, denn das Wetter und die Apps kennen sich offensichtlich nicht.
Und so kommen wir in dichtestem Nebel am kleinen Parkplatz an. Und es wird auch nicht besser, was den Aufstieg und den Weg über die Klippen zu einem ganz eigenen Erlebnis macht. Fast erwarten wir, dass Trolle oder ein Axtmörder aus den Schwaden auftauchen und uns den Garaus machen. Ja, wir haben manchmal eine sehr morbide Weltsicht.
Da es auch hier keine Absperrungen, aber viele Kaninchenlöcher gibt, tasten wir uns vorsichtig durch die Stille, denn der Nebel schluckt alle Geräusche. Nur ganz gedämpft schallen die Rufe der Seevögel, die in der Felswand nisten, zu uns herauf. Und dann taucht der Turm schemenhaft auf! Wir sind also auf dem richtigen Weg, nur halt ohne Aussicht nicht. Dafür kommen wir nochmal an einem der wenigen Sonnentage vorbei und bekommen ein ganz anderes Bild geboten. Und laufen dann auch die komplette Runde um Marwick Head. Wobei auch dann die Sicht schon wieder von aufziehenden Wolken getrübt wir.d. Wir kommen aber trocken zu Hause an und freuen uns später über den Regenbogen quasi vor unserer Tür

Die Runde am Mull Head hat uns letztes Jahr auch sehr gut gefallen und ist somit eine Wiederholung wert! Außerdem hatten wir damals zwei Caches nicht gehoben, das holen wir jetzt ebenfalls nach 😁.  Der Abstieg in die Bucht von Deerness lässt immer noch Indiana-Jones-Gefühle aufkommen und ansonsten ist herrlich wenig los, je weiter man läuft. Und läuft und läuft und läuft. Großartig! Aber immer den Himmel im Blick behalten, das Wetter kann schnell umschlagen und dann sind auch drei Kilometer ein verdammt langer Rückweg 😉.

Der Abstecher zum Holm Pier und Loch Ayre ist dann auch schon wieder dunstig. In Holm hatten wir letztes Jahr ein Ferienhaus gemietet. Unsere jetzige Bleibe ist um Längen besser, dazu mehr im nächsten Beitrag!