Unsere Vorliebe für raue Westküsten und den Atlantik ist kein Geheimnis. Deshalb zieht es uns natürlich auch diesmal dorthin. Auf dem Weg an die Küste haben wir St. Mary’s Chapel als Pausenort ausersehen. Wie letztes Jahr bereits festgestellt ist die kleine Ruine allein nicht unbedingt einen Zwischenstopp wert, deshalb kombinieren wir sie diesmal mit einem Besuch von Da Gairdins. Das ist ein kleiner öffentlicher Garten (Park?) mit allen möglichen Gewächsen. Vom englischen Rasen über Froschteiche bis zu Palmen findet eigentlich jeder was für seinen Geschmack. Wir reisen in den Frühling zurück und freuen uns über blühende Obstbäume und frisches Grün. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.
Mangels Bäumen wurde Torf in Schottland Jahrhunderte lang zum Heizen und Kochen benutzt. Heute weiß man um die Relevanz von Mooren und Sumpfland für den Klimaschutz, da sie Unmengen CO² speichern. Deshalb achten wir schon seit Jahren darauf nur torffreie Blumenerde zu kaufen, um den Abbau z.B. in Polen nicht zu unterstützen.
Seit in den 1970er ein riesiges Ölfeld nördlich von Shetland erschlossen wurde (in Sullom Voe steht eines der größten Ölterminals Europas, weswegen wir in der Gegend nicht viel unterwegs waren) spielt der Torf zumindest hier nur noch eine kleine traditionelle Rolle. Trotzdem sehen wir noch regelmäßig braune Stapel am Rand von Gräben zum Trocknen aufgeschichtet, die sich wie dunkler Bänder durch die Landschaft ziehen. Da Torfstechen überwiegend in sehr anstrengender Handarbeit erfolgen darf, wird diese Tradition hoffentlich bald ganz aufgegeben. Schon heute dürfen nur noch Crofter (Kleinbauern) zur Selbstversorgung, Whisky-Destillerien (geringe Mengen) und Firmen mit noch gültigen Abbaulizenzen die kleinen Scheite aus dem Moor holen. Neue Lizenzen werden nicht mehr vergeben und Schottland investiert inzwischen jedes Jahr Millionen Pfund in die Wiederherstellung von geschädigten Feuchtgebieten.
Auch Stanydale Temple liegt mitten im Moor. Den Hinweis am Anfang des Weges (Trampelpfad) auf „boggy underground“ sollte man auf jeden Fall ernst nehmen. Wir versinken teilweise bis zu den Knöcheln im Matsch. Aber dank der guten Goretex-Wanderschuhe (hier müssen wir mal Werbung machen, denn diese Schuhe haben so manchen Tag gerettet! ) bleiben die Füße trocken 👍. Den Tempel haben wir bereits letztes Jahr besichtigt, aber da war es uns zu voll und wir nassgeregnet. Heute ist es zwar auch bedeckt, aber von oben kommt diesmal kein Wasser und wir sind allein.
Gut getarnt liegt der Tempel – eigentlich weiß man nicht, welchen Zweck der Bau hatte – in der Landschaft. Richtig gut sehen kann man ihn, wie so viele andere Ruinen, am besten von oben. Gut, dass wir uns mittlerweile an kleine Klettereinlagen gewöhnt haben 😉.
Auch die alten Mühlen in Huxter sind letztes Jahr dem Regen zum Opfer gefallen. Diesmal schaffen wir es im Trockenen. Drei Horizontalrad-Wassermühlen stehen untereinander an bzw. über einem kleinem Bach. Durch ihre geringe Größe wurde nicht viel Wasserkraft zum Antrieb der Mühlsteine gebraucht. Dadurch konnten gleich drei Mühlen in kurzem Abstand zueinander am gleichen Bach errichtet werden. Die oberste Mühle haben die Schafe als Unterschlupf übernommen, aber in der Mittleren kann man noch das Schaufelrad und die Mühlsteine sehen.
Auf dem Heimweg machen wir noch einen Fotostop am Burrafirth. Ein gelbes Schild warnt diesmal nicht vor dem Stier, sondern dem Schafsbock! Der guckt auch erst ein bisschen grimmig, ist dann aber sehr neugierig und lässt sich am Ende sogar streicheln!
Muckle Roe ist eine kleine, ziemlich runde Halbinsel, die man zwar mit dem Auto ansteuern, aber nur zu Fuß wirklich erkunden kann. Das Straßennetz ist eher übersichtlich. Dafür bekommen man abgelegene Täler, Schafe in Hülle und Fülle, menschenleere Strände und insgesamt jede Menge Gegend geboten. Wir wissen hinterher gar nicht mehr, wo genau wir uns rumgetrieben haben. Meistens haben wir uns von Geocache zu Geocache treiben lassen. Die beste Seite dieses Hobbies. Man kommt an Orte, die man sonst nie gefunden hätte. Dass wir mittlerweile ohne Scheu fast jedes Gatter öffnen (und natürlich hinter uns wieder schließen!) über Kuhweiden und durch Schafherden laufen und uns auch mal ohne erkennbaren Weg durch die Wildnis schlagen, kommt uns an diesem Tag sehr zu Gute. Und natürlich die guten Schuhe 😉! Da kann man dann auch mal kurz durchs Meer laufen und alle tierischen Hinterlassenschaften abspülen, statt sie mit ins Auto oder gar nach Hause zu schleppen 😁.
Die Hauptattraktion von Eshaness, sind die Eshaness Cliffs am gleichnamigen Leuchtturm. Auch hier hat uns letztes Jahr der Regen an einem längeren Aufenthalt gehindert. Diesmal klappt es mit dem Spaziergang, wenn auch unter einem dramatischen Himmel, der sich nicht so recht entscheiden kann, ob die Sonne durchbricht oder nicht. Es geht vorbei am Eshaness Broch, der auch nur ein alter Steinhaufen sein könnte, aber zumindest dekorativ in einen kleinen See hineinragt. Immer nach Norden die Küste entlang, wo sich ein toller Ausblick an den nächsten reiht. Den Weg muss man sich manchmal zusammenraten. Ein sicheres Zeichen, dass man richtig ist, sind Zaunübertritte. Auch wenn sie manchmal ganz schön hoch und wackelig sind, weil der Regen den Untergrund weggespült hat. Wenn sich dann doch mal plötzlich ein größerer Graben auftut, kann man, je nach Kondition, noch wagemutig drüber springen. Bei tiefen Felseinschnitten, z.B. den Holes of Scraada, Höhlen deren Decken vor langer Zeit eingestürzt sind, sollte man doch besser eine Alternativroute suchen 😉.
Schließlich zieht es uns ganz in den Norden, nach North Roe. Hier beginnt, oder endet, die A970. Die Straße, die einmal komplett durch Shetland führt. Es ist ziemlich abgelegen und es gibt keine besonderen Attraktionen zu besichtigen. Nur jede Menge Natur. Und jede Menge Geocaches! Wir starten bei dem mit dem passenden Namen „End of the Road“ und arbeiten uns langsam die A970 Reihe bis „Ronas Peeking over the Ridge“ nach Süden.
Oft werdend die Dosen an Weidegattern versteckt. Und wenn man dann ein paar Minuten dort steht und sucht oder sich im Logbuch verewigt, kommen regelmäßig ganze Schafsherden angerannt, wirklich angerannt!, und veranstalten ein unglaublich lautes Blökkonzert🙉 . Wie soll man dabei denn bitte unauffällig bleiben?!? Wir haben auf jeden Fall viel Spaß, auch wenn uns die enttäuschten Schafe schon leid tun, wenn wir dann einfach wieder gehen.
Wir geben uns wirklich alle Mühe und schaffen die „Road to Hillswick & Tangwick“, „Road to Ennisfirth“, „Rocky Road to Nibon“ und den „Track to Burraland“. Und obwohl wir letztendlich mehr als 100 Caches auf Shetland loggen, sind immer noch jede Menge übrig. Müssen wir wohl noch ein drittes Mal herkommen 😁.
Tatsächlich ist es für uns dann schon wieder Zeit weiter zu ziehen. Unter einem ausnahmsweise blauen Himmel gehen wir an Bord der Hrossey (Alt Norn für Orkney), das Schwesterschiff der Hjaltland (Alt Norn für Shetland), die uns hergebracht hat. Wir haben für die Überfahrt wieder zwei Sitze im Loungebereich gebucht, wo es sehr ruhig und entspannt, aber diesmal leider auch sehr kalt ist! Aber erstmal geht es an Deck. Bei strahlendem Sonnenschein ist es rappel-zappel voll. Diane wird etwas spöttisch beäugt, als die Maschinen anspringen und sie sich in Mütze und Winterjacke wirft. Ist das nicht viel zu warm? In den ersten 5-7 Minuten schon, aber mit zunehmendem Fahrtwind, wird es spürbar frisch und nachdem die vorgelagerte Insel Bressay keinen Windschutz mehr bietet, richtig kalt. Zack! Außendeck leer! Bis auf drei dick vermummte Gestalten, die ausharren, bis auch Fair Isle am Horizont und die Sonne hinter dicken Wolken verschwunden ist. Der Kapitän gibt richtig Gas und überholt locker die mit Vorsprung ausgelaufene Nieuw Statendam von der Holland America Line.
Ob es diesem Ehrgeiz oder Rückenwind geschuldet ist, erreichen wir Orkney Mainland schon um 22.30 Uhr, eine halbe Stunde früher als geplant. Auch wenn wir es nicht mehr weit haben bis zu unserem Ferienhaus in einem Vorort von Kirkwall, freuen wir uns darüber. Können wir doch noch das Auto komplett ausräumen, statt nur das Nötigste zusammen zu raffen, bevor wir erschöpft ins Bett fallen. Teil 2 des Urlaubs kann beginnen 😊.
