Schottland 2026 – Anreise

Da uns Shetland und Orkney letztes Jahr wirklich, wirklich, wirklich  gut gefallen haben, machen wir uns dieses Jahr einfach noch mal auf die Reise. Diesmal haben wir aber mehr Zeit in Shetland eingeplant, da uns die knappe Woche letztes Jahr definitiv zu kurz war.

Zuerst spulen wir aber das gewohnte Programm ab, das mit der Fahrt zur Fähre nach Amsterdam beginnt. Nach der Zitterpartie vom letzten Mal haben wir uns aber den Tag komplett frei genommen und uns bereits vormittags auf den Weg gemacht. Von unserer Seite läuft diesmal alles reibungslos. Die Fähre ist aber so voll, dass auf dem Frachtdeck etwas länger hin und her rangiert werden muss und wir mit einer Stunde Verspätung auslaufen. Da die Reisezeit immer sehr großzügig bemessen ist, soll sich unsere Ankunft dadurch aber nicht verzögern. Alles gut! Wir laufen noch mit Sonne aus, aber am Abend zieht kalter und dauerhafter Regen auf. Wir haben trotzdem eine sehr ruhige Überfahrt. Der nächste Morgen bringt Geschenke für ein Geburtstagskind und das inzwischen lieb gewonnene erste englische/schottische Frühstück.

Brexit sei Dank ist die Einreise nach Großbritannien nicht mehr so einfach wie früher. Neben Reisepass ist mittlerweile auch eine vorherige ETA (electronic travel authorisation) nötig. Deren Überprüfung vor Ort dauert. Und bei einer vollen Fähre heißt das vor allem, anstehen und warten. Auch auf die vielen Motorradfahrer/innen, die mit Helm vorfahren und sich dann bei der Passkontrolle erstmal freilegen müssen. Wir sind also pünktlich in Newcastle angekommen, aber jetzt es dauert Ewigkeiten bis wir den Hafen verlassen können. Wir sind also mal wieder flexibel, streichen unseren ersten Zwischenstopp und wir fahren gleich durch bis Edinburgh, wo wir uns heute einquartiert haben.  Auf dem Weg leuchten überall hellgelbe Rapsfelder, selbst wenn wir gerade mal wieder in den nächsten Schauer fahren.

Unser Hotel liegt relativ zentral und wir haben uns als erste Station Tickets für Edinburgh Castle besorgt. Unsere Mitgliedschaft bei Historic Scotland läuft noch bis zum Ende diesen Monats und damit haben wir freien Eintritt. Spätestens damit haben wir unseren Jahresbeitrag „abbesichtigt“ 😁. Und es ist gut, dass wir bereits Tickets haben, denn es sind für den Tag keine mehr verfügbar. Wer sich nicht mit der Außenansicht begnügen möchte, sollte also besser ebenfalls vorab online buchen.

Wir haben uns für die eigenständige Tour mit Audioguide entschieden. Den mussten wir dann aber doch extra bezahlen. Zumindest gab es für uns 20% Rabatt😉. Den Guide haben wir bereits im Vorfeld heruntergeladen und unsere eigenen Kopfhörer mitgebracht. So müssen wir nicht mit einem unhandlichen Pseudotelefon am Ohr herumlaufen was bei Regen unangenehm (kaltes Wasser was in Ärmel läuft 🥶) und bei lauter Umgebung schwer zu hören ist. Mit Knopf im Ohr machen wir uns auf, die riesige Anlage zu erkunden.

Die Festung ist UNESCO Weltkulturerbe und thront auf einem Felsen über der Stadt. Aus dieser luftigen Höhe hat man einen wunderbaren Ausblick über ganz Edinburgh. Ansonsten gibt es jede Menge Ausstellungen zu Militär und Militärgeschichte der Highlands. Wir hatten bei Castle etwas andere Vorstellungen. Es gibt kaum Wohnräume zu besichtigen, aber die schottischen Kronjuwelen, die man allerdings nicht fotografieren darf. Wir haben Glück und müssen dafür zumindest nicht anstehen. Ansonsten behalten wir den Himmel gut im Auge, damit wir, wenn er seine Schleusen öffnet, schnell einen Unterschlupf finden. Was bei den vielen Besuchern manchmal gar nicht so einfach ist. Und es sind viele Besucher. Sehr viele! Das gilt nicht nur für das Castle, sondern die ganze Stadt. Überall Touristen 😱!

Offiziell ist heute bis 18:00 Uhr geöffnet, aber bereits ab halb sechs werden erste Bereiche abgesperrt und das Café schließt ebenfalls schon um 17:45 Uhr. Etwas enttäuschend, besonders wenn man den happigen Eintrittspreis berücksichtig.  Wer sich Gedränge und Ticket sparen, aber trotzdem mehr zum Castle wissen möchte, kann sich alternativ am offiziellen 3D Modell austoben.

Wir werden mit den letzten Besuchern aus dem Castle gescheucht und bahnen uns unseren Weg durch die Schaulustigen, die sich hinter den Absperrgittern am Eingang drängeln, um einen Blick auf das Castle zu erhaschen. Dann schlendern wir die berühmte Royal Mile entlang und lassen uns mit dem Strom der Touristen treiben. Um uns eine Kakophonie aus Englisch, Französisch, Spanisch, diverse asiatische Reisegruppen und hin und wieder ein deutscher oder niederländischer Satz. Edinburgh ist eine Trend-Destination, was den Einheimischen wahrscheinlich ordentlich auf den Keks geht, aber wird seinen Ruf definitiv gerecht! Es gibt viele wunderschöne alte  Gebäude, überall Monumente, Museen in Hülle und Fülle und jede Ecke atmet Geschichte. Mittlerweile haben wir uns ein Abendessen verdient und kehren bei Howies ein. Nette Location, guter Service, leckeres Essen. Von uns eine klare Empfehlung.

Gut gestärkt machen wir uns an den Aufstieg des Calton Hill zum Nelson Monument. Dunkle Regenwolken und Sonnenuntergang zaubern tolle Effekte in den Himmel und tauchen die Stadt in goldenes Licht.  Der Ausblick ist  spektakulär. Und das Dugald Stewart Monuments ziert in genau diesem Licht so manchen Reiseführer und die Wikipedia-Seite der Stadt. Ein toller Abschluss für diesen Tag, auch wenn wir am Ende ordentlich durchgepustet und verfroren vom Hügel herunter und ins Hotel zurück kommen.

Es gäbe noch viel mehr zu sehen, aber für uns geht es am nächsten Morgen schon wieder weiter. Wir müssen bis heute Nachmittag in Aberdeen sein, um die Fähre nach Shetland zu erreichen. Aber erstmal gibt es Frühstück in North Queensferry, in einem netten kleinen Café zwischen den Forth Brücken.

Dann geht es weiter nordwärts. Unser nächster Stopp ist Drum Castle & Gardens.  Das Schloss ist nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen und wir müssen eine halbe Stunde totschlagen, bevor die nächste beginnt. Wir wollen uns kurz in den Gärten umsehen, aber die sind nicht so umfangreich und wir haben in den 30 Minuten bereits alles einmal abgelaufen. Dann sammelt Emma, eine Geschichtsstudentin unsere kleine Gruppe zusammen und erweckt mit viel Begeisterung und Spaß die Geschichte des Schlosses und seiner Bewohner, des Clans Irvine, zum Leben.  Zum Abschluss gibt es noch eine kleine Sonderausstellung zum Thema Buchenholzkunst.

Von Drum Castle ist es nur noch ein Katzensprung bis Aberdeen. Wir haben auf der Durchfahrt nichts Schönes oder Bemerkenswertes in der Stadt gesehen. Also geht es gleich durch zum Northlink Ferry Terminal. Wir haben auch für diese Überfahrt eine Kabine gebucht. Die sind an Bord limitiert und man muss keine nehmen. Es gibt auch kostenpflichtige Lounges oder einfache Reisesessel. Beim einchecken wird uns ein Zettel ausgehändigt, der vor schlechtem Wetter und einer rauen Überfahrt warnt. Wir freuen uns… Aussen- und Oberdeck sind komplett gesperrt und es kommt der Hinweis, sich möglichst wenig im Schiff zu bewegen, damit man sich nicht auf die Nase legt. Der Kapitän erzählt von 3 Meter hohen Wellen und wir denken noch, ach so schlimm wird es dann wohl doch nicht werden. Aber es wird schlimm. Sehr schlimm. Kaum hat die Hjaltland die Hafenmole passiert schaukelt und rollt das Schiff wie ein schlecht gelaunter Bulle beim Rodeo. Und auf der relativ kleinen Fähre wird jedes Wellental zur Achterbahnfahrt. Diesmal helfen leider weder die bewährten Reisetabletten, noch die gegen Übelkeit und Diane verbringt zwei elende Stunden auf dem Fußboden des Badezimmers. Es wird eine lange Nacht bis wir endlich Shetland erreichen und in Lerwick wieder festen Boden unter den Füßen haben. Angekommen!