Scalloway ist der zweitgrößte Ort auf Shetland und früher auch Inselhauptstadt, bis diese 1708 nach Lerwick verlegt wurde. Mit etwas über 1000 Einwohnern ist es heute ein eher verschlafenes Nest. Scalloway Castle wird überall angepriesen, ist aber bis auf weiteres wegen Renovierung geschlossen. Alles ist übersichtlich und sehr gut zu Fuß zu erkunden. New Street zeigt sich mit bunten Häusern und einem Fischmosaik. Treppen führen nach unten zum Wasser und in kleine Gässchen, die einen fast mediterranen Eindruck vermitteln. Auf Main Street wird der Fluchtorganisation „Shetland Bus“ gedacht. Darunter laden Bänke direkt am Wasser, inmitten von angelegten Blumenbeeten, zu einem Päuschen ein.
Scalloway Castle
New Street
Shetland Bus Memorial
In allen Büroküchen der Welt….
Nordwestliche von Scalloway ragen diverse Halbinseln ins Meer, das sich fast fjordartig tief ins Land eingegraben hat. Da gibt es immer wieder tolle Ausblicke und freundliche Seelen haben hier auch diverse Geocaches gelegt 😁. Der Himmel bietet uns auf unserem Ausflug alles, von strahlend blau bis schwarze Regenwolken. Kommt die Sonne raus, leuchten vor allem die weißen, aber auch die bunten Häuser geradezu. Sind wir nicht schnell genug, erwischt uns auch mal der Regen.
Von St. Mary’s Chapel sind nur noch ein paar Mauerreste und ein Torbogen übrig. Dekorativ an einer Bucht gelegen und der Strand ist allemal gut für einen kleinen Spaziergang. Aber wenn man es nicht gesehen hat, ist es auch gut.
Der Weg zum Stanydale Temple führt durch Heide und ganze Felder voller Wollgras. Der kleine Hinweis auf den teilweise etwas nassen Boden am Anfang des Weges sollte ernst genommen werden. Es gibt nur einen mehr oder weniger gut ersichtlichen Trampelpfad und auf weiten Teilen ist er matschig und voller Pfützen. Wahrscheinlich auch davon abhängig wie viel es geregnet hat. Der Tempel selbst ist irreführend betitelt, denn es ist nicht bekannt, wozu der Bau errichtet wurde. Erstaunlich ist allerdings die Tatsache, dass Reste von zwei Holzbalken gefunden wurden, die möglicherweise ein Dach trugen. Das Holz stammte von einer amerikanischen Baumart, die ihren Weg über den Atlantik bis nach Shetland als Treibholz gefunden hatte.
Die A971 führt weiter durch Heide, Grass, kleine Gewässer und jede Menge Schafe, bis wir schließlich in Melby landen. Von hier kann man die Insel Papa Stour sehen und die öffentlichen Toiletten sind uns auch willkommen 😉.
Whiteness
Heglibister
Einsamer Briefkasten an der B9071
St. Mary’s Chapel Ruins
Mittagspause!
Strandspaziergang unter dunklen Wolken
Vom Regen erwischt
Einsames Haus in Sand
Überall Wollgras!
Stanydale Temple
Sooooooo schön hier
Blick zur kleinen Insel Papa Stour
Melby Pier
Ich war’s nicht!
Ordentlicher Torfabbau
Südwestlich von Scalloway liegen ein paar Inselchen wie auf eine Kette aufgefädelt hintereinander. Praktischerweise sind sie durch Brücken miteinander verbunden, was das Erkunden leichter macht als sich um Fährzeiten Gedanken machen zu müssen. Wir halten in Hamnavoe, ein kleiner Fischerort in dessen geschützter Bucht viele Boote und Yachten im Hafen liegen.
Hamnavoe
Der Gummistiefelhund
Noch mehr Gummistiefelkunst
Die Grundschule hat die hiesige Telefonzelle bemalt
Aber unser eigentliches Ziel ist Minn Beach am unteren Ende von West Burra. Die Straße hierhin ist einspurig und schlängelt sich durch winzige Örtchen, mit erstaunlich viel Verkehr. Aber die etwas anstrengende Anfahrt lohnt sich! Eine kleine Landenge trennt den weißen Sandstreifen am türkisen Wasser vom tiefblauen Meer, dass East und West Burra trennt. Hinter dem Strand liegt Kettla Ness, ein Naturreservat mit einigen fotogenen Ruinen. Hier lässt es sich aushalten 😀.
Wir hatten uns auf eine Woche in windgepeitschter, karger und einsamer Gegend eingestellt. Stattdessen finden wir eine grüne Insel, voller Schafe – die meisten frei laufend und eindeutig in der Überzahl – mit netten kleinen Örtchen und sogar einigen Bäumen! Der Reiseführer und diverse Blogs haben uns davor gewarnt, dass Shetland trostlos wirkt, weil es keine Bäume und Büsche gibt. Aber es gibt sie! Wenn auch nur vereinzelt, aber genug, damit es für das Auge nicht langweilig wird. Vielleicht ist es auf den übrigen Inseln tatsächlich so desolat, aber wir haben schon auf Mainland (ja so heißt die Hauptinsel wirklich) genug gefunden, um uns zu beschäftigen. Und haben noch nicht alles gesehen! Was auch am etwas unsteten Wetter liegt. Wenn man einen Tripp hierhin plant, sollte man definitiv extra Zeit einplanen, um die peitschenden Regenschauer oder auch mal einen total verregneten Nachmittag auf der Couch aussitzen zu können.
Da wir bereits um 7:30 Uhr morgens ankommen, unser Ferienhaus aber erst mittags beziehen können, treiben wir uns erstmal ein bisschen auf den beiden Halbinseln herum die Lerwick (die Hauptstadt der Shetland Inseln) auf beiden Seiten der Bucht einrahmen. Dort heben wir auch die ersten Geocaches des Urlaubs und treffen den ersten Seehund, der uns neugierig beäugt.
Lerwick hat etwa 7000 Einwohner, was rund ein Drittel der Gesamtbevölkerung der Inselgruppe ausmacht. Im Haupthafen liegen Fischerboote und Versorgungsschiffe für die Ölindustrie. Drum herum jede Menge Lagerhäuser und Industrie. Von irgendwas müssen die Leute hier schließlich leben. Aber vom Yachthafen aus kommt man direkt in die Altstadt mit Geschäften und vielen kleinen Seitengassen, die über Stufen in den oberen Stadtteil führen. Die alten Häuser sind aus dem hiesigen braun-grauem Stein erbaut und wirken eher trist, gerade wenn regnet. Aber die Bewohner haben überall bunte Akzente gesetzt und ihre Haustüren oder Häuser bunt bemalt und mit maritimen Motiven geschmückt. Direkt gegenüber des Viktoriapiers liegt das Peerie Café, wo wir uns einen der letzten Tische sichern und erstmal in Ruhe frühstücken. Gestärkt lassen wir uns dann durch die Straßen und den Nieselregen treiben.
Peerieshop Café
Erstmal frühstücken!
Die sprechen komisches Englisch hier…
Jemand Interesse?
FIsh & Chips hatten wir irgendwie anders verstanden
Polizeistation
Rathaus
Commercial Street
Maritimer Einfluss überall
Muss wohl vor 11:30 Uhr sein
Bain’s Beach
Hinterhof-Idyll
The Lodberrie
Briefkasten gespart
Boote als Dach sehen wir später noch öfter
Nah am Wasser gebaut
Yachthafen und Viktoriapier
Lerwick Lifeboat Station
Die nächsten zwei Tage regnet es. Mehr Regen als wir Zuhause in den letzten Wochen gesehen haben. Wir erholen uns von der Anreise und bleiben in der Umgebung unseres Ferienhauses in Brae. Unter tief hängenden Wolken und im Dunst erleben wir Shetland so, wie wir es ursprünglich erwartet haben. Regen in unterschiedlicher Stärke kombiniert mit Wind und Temperaturen um die 10°C begrenzen unseren Aufenthalt im Freien, bis es dann doch irgendwann aufklart und wir den ersten Blick auf die Insel in der Sonne bekommen. Wow!
Muckle Ross Island
Oha – freilaufende Kinder!
Jedes trockene Plätzchen wird genutzt
Roesound Pier
Aussicht über Collafirth
Regenbogen über Toft Ferry Terminal
Noch schöner, wenn die Sonne scheint 😀
Da Shetland auf Karten eigentlich immer in einem kleinen Ausschnitt separat dargestellt wird, vergisst man leicht, wie weit nördlich wir sind. Die Entfernung von Lerwick nach Bergen beträgt nur knapp 360km. Shetland & Orkney standen bis in die 1280er Jahre unter norwegischer Herrschaft, bevor sie als Mitgift für Prinzessin Margaret von Norwegen an Schottland gegeben wurden. Der nordische Einfluss ist bis heute noch überall zu sehen und zu hören. Viele der Ortsnamen haben ihren Ursprung im Altnordischen und beschreiben den jeweiligen Ort. Lerwick bedeutet z.B. muddy bay = schlammige Bucht. Die Fähre, mit der wir hierher gekommen sind – die Hrossey – ist nach dem alten Namen für Orkney, der Pferdeinsel benannt. Und auch der Shetlanddialekt hat heute noch viele nordische Einflüsse, so dass wir fast nix verstehen, bis sich die Einheimischen Mühe geben und uns zuliebe ins Englische wechseln. Allerdings immer noch mit hartem schottischen Einschlag 😉.
Die Halbinsel im Nordwesten – lapidar North Mainland genannt, hat in unserem Reiseführer genau einen Absatz bekommen und wird dort als landschaftlich schöne, fotogene Gegend beschrieben. Und für uns ist es ein Paradies. Wenig Touristen, winzige Örtchen – eigentlich nur verstreute Häuser – und jede Menge Platz und wunderbare Gegend. Es fängt schon super an mit Mavis Grind, einer Landenge über die man die Halbinsel erreicht. Sie ist nur etwa 100 Meter breit und auf der einen Seite liegt der Atlantik, auf der anderen die Nordsee. Wer einen guten Wurfarm hat, könnte also an diesem Ort einen Stein von einem Meer ins andere werfen 😉. Schon die Wikinger nutzten diese schmale Stelle als Abkürzung und trugen ihre Boote das kurze Stück über Land, statt komplett um Shetland zu segeln.
Mavis Grind
Rechts der Altantik
Links die Nordsee
Und wir mittendrin!
Absolutes Highlight sind die Cliffs of Eshaness, ganz im Westen. Schon auf dem Weg gibt es die ersten Sea Stacks zu sehen. Diese frei stehenden Felsen vor der Küste sind hier verbreitet, weil die unterschiedlichen Gesteinsarten ständiger Erosion von Meer und Wetter ausgesetzt sind. Die weicheren Gesteine werden schneller abgetragen während die härteren ein paar Jahrhunderte – oder Jahrtausende länger bestehen bleiben. Das formt eine faszinierende Küstenlinie mit vielen Höhlen und Klippen.
Dore Holm
Dore Holm II
Die Cliffs sind kein Geheimtipp, ein paar organisierte Touren spucken ihre Ladung aus und auch der Parkplatz am Leuchtturm ist gut besucht. Aber es verläuft sich schnell und spätestens nach dem ersten Regenschauer, der aufgrund des stürmischen Winds horizontal fällt und die Tropfen zu kleinen Geschossen macht sind nur noch eine Handvoll hartgesottene Touristen da.
Ganz schön windig!
Eshaness Cliffs
Eshaness Lighthouse
Durchfroren und leicht verregnet, machen wir einen kurzen Stopp im Tangwick Haa Museum, wo Gegenstände der Alltagsbevölkerung Shetlands ausgestellt werden. Also alles, was auf Dachböden und in Omas Nachlass gefunden wird und so ein Bild des hiesigen Alltags über die letzten Jahrhunderte zeichnet. Klein, aber interessant und umsonst. Spenden werden aber gern genommen oder man kauft, so wie wir, etwas in dem kleinen angeschlossenen Shop 😊.
Ansonsten liegen hier oben jede Menge – und wir meinen jede Menge – Geocaches. Man stolpert quasi direkt drüber und wir haben zumindest einen Powertrail mit über 30 Caches komplett geschafft. Für den Rest müssen wir wohl nochmal wieder kommen 😀.
Wie sind wir denn hier gelandet? Die ursprüngliche Idee war nochmal die Mitternachtssonne in Norwegen zu sehen, aber irgendwie sind wir mit der Planung nicht voran gekommen. Dann haben wir an einem ungemütlichen Winterabend eine unserer Lieblingsserien gesehen – Shetland (unsere klare Empfehlung ist, dass, wer kann, das Original schaut! Auch wenn der Akzent teilweise eine Herausforderung ist. Aber dafür gibt es ja Untertitel 😉). Und dachten beide zeitgleich – da müssten wir auch mal hin. Schwupps hatten wir an einem Wochenende unsere komplette 4-wöchige Schottlandreise geplant und gebucht. Inklusive einer Woche auf Shetland!
Die Anreise ist leider ein ziemlicher Akt, aber schon mal vorweggenommen – es lohnt sich! Wir machen uns also wieder auf zur Fähre nach Amsterdam und shippern, eher unruhig, durch die Nacht nach Newcastle.
Hello again!
Will mal ein Heuballen werden 😉
Wenn es windig wird, leert sich das Deck
Abendessen mit Aussicht
Uns reicht ja schon das Dessert-Buffet 😇
Schon mitten im Urlaub angekommen
Guten Morgen Newcastle!
England empfängt uns mit viel Sonne und macht die lange Fahrt bis Aberdeen relativ entspannt. Die Fähre nach Shetland fährt freitags erst um 19:00 Uhr ab, so dass wir ein bisschen Zeit für Sightseeing haben. Dafür haben wir Dunnattor Castle ausgewählt. Von dort ist es nur noch eine halbe Stunde bis zum Terminal, dass macht es für uns einfacher einzuschätzen, wieviel Zeit wir vor Ort haben.
Die Ruine von Dunnattor Castle liegt dramatisch auf einem Felsen der majestätisch aus dem Meer aufragt. Die Kulisse ist umwerfend, vor allem an einem sonnigen Tag. Und so entschließen wir uns auch für einen Klippenspaziergang statt der Schlossbesichtigung. Die perfekte Pause 😁 .
Erste Pause an der englisch-schottischen Grenze
Forth Bridge
Dunnottar Castle
Dunnottar Cliffs
Northlink wird uns über Nacht nach Shetland bringen. Die Fähre Hrossey ist eher rustikal und wir sind froh noch eine der letzten Kabinen ergattert zu haben. So haben wir wenigstens ein bisschen Ruhe. Überall liegen Spucktüten bereit, und wir erhalten den Warnhinweis, dass man sich bei rauer See möglichst wenig (und nur vorsichtig) durchs Schiff bewegen und sich dabei immer an den vorhandenen Handläufen festhalten soll. Uns beschleicht leichtes Unwohlsein und die Befürchtung, dass uns eine weitere unruhige Nacht bevorsteht. Der Captain beruhigt uns, dass es nur „mild upto moderate winds“ geben soll. Tatsächlich bekommen wir sogar relativ viel und erholsamen Schlaf, bis wir am frühen Morgen endlich unser Ziel erreichen und in Lerwick an Land rollen.
Die einzige Fähre vom Kontinent nach Irland geht ab Cherbourg, was für uns 800 km Anreise auf der Autobahn bedeutet. Mit Zwischenstopp kann dass durchaus zwei Urlaubstage kosten. Deshalb haben wir uns diesmal wieder für eine „runde“ Reise entschieden. Statt nach Frankreich geht es für uns wieder nach Amsterdam und auf die Fähre nach Newcastle. Natürlich haben wir uns auch diesmal die Commodore-Kabine gegönnt. Wir verlassen den Kontinent bei Sonnenschein, aber dann schlägt das Wetter um und die Überfahrt wird so unruhig, dass wir den Luxus leider nicht so genießen können, wie im Frühjahr. Übernächtigt, aber guter Dinge geht’s für uns weiter nach Westen und wieder nach Schottland. Bis nach Cairnryan an der Irischen See sind es gerade mal 165 Meilen bzw. 265 Kilometer. Man kann also problemlos morgens in Newcastle ankommen und am gleichen Tag noch eine Fähre nach Nordirland erreichen. Wir haben aber eine Übernachtung eingeschoben und haben Zeit für ein bisschen Sightseeing.
Endlich wieder unterwegs
Wie wahr!
Luxuskabine
VIP-Salon
Caerlaverock Castle ist die einzige dreieckige Burg in England und – so erklärt uns Guide Judie von Historic Scotland – eine von drei verbliebenen weltweit. Die spezielle Form fällt während der Besichtigung allerdings kaum auf. Dafür finden sich viele Steinmetzarbeiten und der rundum komplett erhaltene Burggraben sorgt für eine schöne Kulisse. Ein Teil des Gebäudes ist derzeit wegen Restaurationsarbeiten nicht zugänglich und mit einem großem Baugerüst verstellt. Ob es die ₤6 Eintritt wert ist, muss jeder selbst entscheiden. Wir kommen umsonst rein, da unsere Mitgliedschaft bei Historic Scotland noch bis Ende des Monats gültig ist und uns gefällt es!
Die südschottische Küste stimmt uns schon sehr schön auf die kommenden Wochen ein. Carsluith Castle ist eigentlich nur ein Wohnturm, aktuell wegen Steinschlaggefahrt gesperrt und allein keinen Besuch wert. Aber direkt daneben liegt OakHill Cafe & Deli und empfängt den hungrigen Reisenden sehr freundlich mit einem köstlichen Mittagessen und/oder Desserts 🙂 . Danach vertreten wir uns die Beine in Isle of Withorn, wo St. Ninian’s Chapel und Isle Lighthouse malerisch auf’s Meer blicken. Schließlich kehren wir bei Addi (Adrian) und Dot (Dorothy) im Cairndoon Byre Bed & Breakfast ein. Die beiden empfangen uns sehr herzlich und wir freuen uns, im Wohnzimmer die Füße hochlegen zu können.
Will hoch hinaus
Blick auf den Solway Firth
Carsluith Castle
St Ninian’s Chapel
Isle Head Lighthouse
Entspannen im B&B
Wir schlafen gut und gönnen uns ein Full Scottish Breakfast (wenn man schon mal in Schottland ist 😉 ) und auch das ist super. Cairndoon Byre bekommt von uns eine uneingeschränkte Empfehlung. Sollten wir mal wieder in der Gegend sein, werden wir hier sicherlich wieder einkehren!
Wir haben die Fähre von Cairnryan nach Larne um 16:00 Uhr gebucht. Leider zeigt sich das Wetter von der unfreundlichen Seite. Es ist bedeckt, windig und regnet immer mal wieder. Unter drückenden Wolken macht Glenluce Abbey einen düsteren Eindruck. Da auch hier gearbeitet wird, ist die komplette Anlage eingezäunt und nicht zugänglich. Dafür spart man sich den Eintritt und kann trotzdem ein bisschen was sehen. Den Fischweiher in Ardwell steuern wir eigentlich nur wegen der Geocaches an, aber der Spaziergang um den kleinen See entpuppt sich als echter Glücksgriff. Es geht auf einem verwunschenen Weg am Ufer entlang, durch Wald und über Wiesen. Und es bleibt trocken! Schließlich erreichen wir Mull of Galloway Lighthouse, den südlichsten Punkt Schottlands. Hier pustet uns der Wind ordentlich durch, einfach großartig!
Dann erhalten wir die Info, dass unsere Fähre sich verspätet, aber wir sollen trotzdem zur ursprünglichen Zeit am Terminal sein, da man versuchen wird, die Verspätung wieder aufzuholen. Das klappt so gut, wie bei der Deutschen Bahn. Beim Einchecken sagt man uns – Abfahrt so gegen 16:30, aber letztendlich ist es fast 18:00 Uhr, bevor wir an Bord der European Highlander gehen. Wind und Wetter machen auch diese zweistündige Überfahrt zu einer schaukeligen Angelegenheit. Wir haben die Poleposition, direkt an der Luke 🙂 und sind die ersten, die in Nordirland von Bord rollen. Mittlerweile ist es fast dunkel und wir cruisen durch die Provinz Ulster, bis wir schließlich unser erstes Ferienhaus etwas außerhalb von Strabane erreichen – unsere Basis für die nächsten 9 Tage.
Harris ist eigentlich keine eigene Insel, sondern bildet mit Lewis eine Landmasse. Wahrscheinlich ist die namentliche Trennung den extrem unterschiedlichen Landschaften geschuldet. Lewis (Gälisch Leòdhais = sumpfig) bildet den wesentlich größeren nördlichen Teil und ist überwiegend flach und in weiten Teilen wirklich sumpfig. Harris (aus dem Altnordischen = Hohes Land) im Südwesten ist kleiner und bergiger. Die Trennlinie bilden die North Harris Hills, die wir schon regelmäßig bewundert haben, wenn sie dunstig am Horizont aufragten.
Die A859 führt in einem Bogen durch Südharris und verbindet die meisten Orte und Strände an der Westküste. Um die Bays an der Ostküste zu erkunden, biegen wir aber knapp 3 Meilen hinter Tarbert auf die C79 ab. Sie führt als Single-Track-Road durch die Mondlandschaft der Bays mit Hügeln, Kratern, Felsen und dazwischen immer wieder mal ein hellblau schimmernder See. Warum sie auch als „Golden Road“ bezeichnet wird erschließt sich uns allerdings nicht. Vielleicht hätten wir noch einmal in der goldenen Stunde wiederkommen müssen.
Dankenswerterweise teilen wir uns die Fahrbahn heute vorwiegend mit den allgegenwärtigen Schafen und nicht mit vielen anderen motorisierten Gefährten. Ausweichstellen finden sich hier nämlich deutlich seltener als auf den Hauptrouten. Die vereinzelten Häuser entlang des Wegs kann man nur mit viel Wohlwollen als Dörfer oder Orte bezeichnen. Wir vereinbaren mit uns gegenseitig, dass wir bei der nächsten Ferienhaussuche noch genauer auf die Lage achten werden! Denn auch hier in der Einöde kann man sich als Tourist einmieten. Das ist aber selbst uns zu abgelegen. Ein krasser Gegensatz zu Lewis, aber gleichzeitig auch faszinierend. Man könnte zwischendurch auf die Hauptstraße zurückkehren, aber wir bleiben auf der goldenen Straße bis sie an der Südspitze bei Rodel sowieso an der A859 endet.
Bei Finsbay sollte man unbedingt halten um die Robben in der Bucht zu begucken. Als wir da sind haben sie sich allerdings faul auf einen Felsen zurückgezogen und sind ziemlich gut getarnt. Wer eine 1-Pfund-Münze parat hat, kann das bereitgestellte Teleskop auf dem Aussichtpunkt benutzen, um optisch ganz nah ran zu kommen.
In Rodel bietet sich ein Stopp an der St. Clemenskirche an, die auf einem kleinen Hügel liegt und trotzdem erst kurz vor Ankunft sichtbar wird. Zumindest wenn man wie wir im Uhrzeigersinn fährt. Es gibt ein paar Parkplätze direkt unter der Kirche und von dort sind es auch nur ein paar Meter zu sehr sauberen öffentlichen Toiletten. Die kommen uns auch sehr gelegen, denn die paar Cafés und Shops, die wir auf unserem Weg gefunden haben, sind am Sonntag (heute) geschlossen. Das ist in Schottland bzw. UK so ungewöhnlich, dass sogar im Reiseführer ausdrücklich davor gewarnt wird! Und gleich anschließend auf die einzige dann verfügbare Tankgelegenheit verwiesen wird. Das sollen die zwei Zapfsäulen mit Kreditkartenlesegerät auch bekannt als Ravenspoint Petrol Station an der B8060 auf Lewis sein. Kleiner Fun Fact: Als wir dort vorbeikommen sind beide Zapfsäulen gerade „out of order“. Gut dass die Insel insgesamt so klein ist, dass wir gar nicht tanken müssen 😉 .
North Harris HillsVegane Wolle (=Wollgras)The BaysDas können wir auch nicht erklärenJetzt aber schnell!RobbenfesenWie telefoniert man ohne Finger?Ja wer läuft denn da?St Clement’s Church
Harris Westküste ist ganz anders als die Ostküste. Statt trister Mondlandschaft reiht sich ein goldener Strand an den nächsten! Uns hat es besonders gut am Nisabost Beach gefallen. Aber das könnte auch daran liegen, dass er sich unter dramatischen Regenwolken in allen Blautönen präsentierte und menschenleer war. Wer möchte, kann am Nordende den Hügel erklimmen und hat vom MacLeod’s Stone einen tollen Blick über den Strand, die Insel Taransay und dahinter die North Harris Hills. Wir hatten gedacht, der Stein ist eine Gedenkstätte für den Clan der MacLeod. Und wer jetzt in seinem Kopf eine Stimme rufen hört „Connor McLeod vom Clan der MacLeod – es kann nur einen geben“ ist definitiv ein Kind der 80er Jahre 😉 . Aber weit gefehlt! Er steht hier schon seit 4500 Jahren und die MacLeods haben ihn einfach irgendwann nach sich benannt. Ohne Bezug und ohne den über drei Meter hohen Brocken den Hügel hinaufwuchten zu müssen. Während wir windumtost die Aussicht genießen, erwarten wir fast, dass ein paar Druiden den Hügel heraufkommen und irgendeine Zeremonie beginnen. Stattdessen zelebrieren wir nur den Eintrag ins Logbuch des Caches, der hier oben liegt.
Ein Bucht weiter liegt Seilebost Beach. Mit ausgedehnten Sandflächen und dazwischen grün und türkis auflaufendem Wasser ist er kein typischer Strand, sondern sieht eher wie eine Landschaft aus einem Science Fiction Film aus. Wir haben gerade noch Zeit die kleine Currywurst für einen Überflug los zu schicken, dann hat uns der Regen endgültig eingeholt und prasselt sintflutartig auf uns nieder. Damit entfällt dann der viel gerühmte Luskentyre Beach. Aber wir brauchen ja auch noch Ziele, die wir bei unserem nächsten Aufenthalt besuchen können 😉 .
Unglaublich aber wahr, dann ist es auch schon wieder Zeit sich auf den langen Heimweg zu machen. Schweren Herzens haben wir unsere sieben(tausend) Sachen wieder im Cachermobil verstaut und machen uns nochmal auf den Weg nach Harris. Diesmal gehen wir an Bord der Fähre von Tarbert nach Uig auf Skye, die wir bei unserer Anreise nicht genommen haben. Damit schließt sich dann der Kreis unserer Rundreise über Lewis und Harris. Auf der Fahrt durch – und über – die Harris Hills treffen wir heute diverse Radfahrer, die sich durch Regen und Nebel die Straßen hinaufquälen. Wenn jemals jemand denkt, Fahrradferien in Schottland wären eine gute Idee, können wir ihn schnell mit ein paar Bildern vom Gegenteil überzeugen! Wir haben uns schon in anderen Urlauben gewundert, wer es als erholsam empfindet bei 8° bis 15°, Wind und Regen auf dem Drahtesel unterwegs zu sein, aber nirgendwo so sehr wie in den letzten Wochen auf den Hebriden!
Die Überfahrt ist nicht so spektakulär, wie die von Ullapool, aber auch schön. Da es zwischendurch immer wieder regnet, sind wir besonders dankbar für die überdachten Bereiche auf dem Außendeck, die uns trocken und auf der richtigen Seite auch den Wind fern halten. Dort treffen wir auf Emmy aus Chattanooga, Tennessee, die mal zwei Jahre in Braunschweig gelebt hat, als ihr Mann bei VW arbeitete. Obwohl wir Braunschweig nicht unbedingt als Aushängeschild für Deutschland klassifizieren würden, war sie von der Zeit hellauf begeistert. Wohl aber hauptsächlich, weil – verglichen mit den USA – ganz Europa quasi vor der Haustür lag. Damals hat sie sich auch in Schottland verliebt und ist jetzt für eine Woche alleine hier, während ihr Mann zu Hause auf die Kinder aufpasst. Wir plaudern eine Weile, bevor sie sich für einen Snack ins Cafè begibt und wir im Panoramaraum ebenfalls unseren Proviant plündern und den obligatorischen Toilettenstopp vor der Ankunft erledigen.
Im Dauerregen geht es dann für uns durch die Highlands westwärts. Wir ärgern uns ein kleines bisschen, denn die Gegend ist wirklich wunderschön, aber das Wetter lädt nirgendwo zum Verweilen ein. Schließlich erreichen wir unser Hotel „Duke of Gordon“ in Kingussie, im Cairngorm Nationalpark. Das Hotel ist urig und strahlt den Charme und Glanz vergangener, besserer Zeiten aus. Alles ist ein bisschen abgegrabbelt und in die Jahre gekommen, war aber bestimmt mal ein imposantes Herrenhaus. An jeder Ecke finden sich verschnörkelte schwarze Heizkörper, die auch alle volle Pulle laufen und die Temperatur in den öffentlichen Bereichen auf Hochsommerniveau bringen. Auch in unserem Zimmer ist es uns zu warm. Also Heizung aus, Fenster auf und ab in die Bar bis es erträglicher ist. Von Uig bis hierher sind es 250 Kilometer und das Hotel ist mit drei Sternen nichts Besonderes. Wir haben es lediglich ausgewählt, weil es etwa auf halbem Weg nach Newcastle liegt. Ihr könnt euch also unsere Überraschung vorstellen, als wir in die Bar kommen und da sitzt: Emmy aus Chattanooga, Tennessee! Und sie wohnt noch nicht mal im Hotel, sondern ist nur zum Essen eingekehrt! Ihr B&B liegt ein paar Straßen weiter. Manchmal ist die Welt doch verrückt. Wir verbringen ein nettes Stündchen zusammen, bevor es für Lars zurück ins Zimmer geht (er muss ja morgen für die restliche Fahrt fit sein) und Diane noch einen Abendspaziergang zu den Ruthven Barracks macht. Die sind wieder mal ein Überbleibsel der englischen Besatzung nach dem jakobitischen Aufstand von 1715. Die Ruinen stehen auf einem Hügel und können jederzeit und kostenlos besichtigt werden. Außer den Steinmauern ist nicht mehr viel zu sehen und es gibt auch nur ein paar Hinweistafeln, aber es lohnt sich trotzdem. Bei schönem Wetter hat man bestimmt einen Superblick über den Fluss Spey und ins Tal. Heute Abend ist es fast schon bisschen unheimlich, so allein bei Nieselregen und im Zwielicht an diesem geschichtsträchtigen Ort.
Nochmal durch die North Harris HillsDas KANN doch keinen Spaß machenGoodbye HarrisVolle Fahrt voraus nach SkyeAufregung, weil jemand meint einen Delfin gesehen zu haben (war aber nur ein Stein)Weiterfahrt im DauerregenDuke of Gordon HotelPompöser FrühstücksraumHat schon bessere Zeiten gesehenVerschnörkelter RadiatorDie große TreppeUnser Twin Room entpuppt sich als DreibettzimmerHochmoderne BahnanlageImposantes ViehRuthven Barracks
Unsere letzte Etappe bis Newcastle führt uns durch genau die Landschaften, die wir letztes Jahr bereits ausgiebig erkundet haben. Und wir haben auch gar nicht viel Zeit für Sightseeing, denn wir müssen spätestens um 16:00 Uhr an der Fähre sein und das sind nochmal viereinhalb Stunden reine Fahrzeit. Wir machen Strecke auf der Autobahn bis hinter Edinburgh und wechseln dann auf die kleinere und malerische Route der A697. Das dauert zwar etwas länger, aber dafür gibt es auch was zu gucken. Die Beine vertreten wir uns am Edlingham Castle, das zusammen mit dem Edlingham Rail Viadukt und einer kleinen Kapelle einen pittoresken Zwischenstopp bietet.
Leider stehen wir dann auf den letzten Meilen in Newcastle noch ziemlich im Stau, so dass wir überpünktlich um 16:01 an der Fähre ankommen. Wir sind aber nicht die Letzten und können noch problemlos einchecken. Diesmal fahren wir mit der Princess Seaways zurück auf den Kontinent. Das Schiff ist ein bisschen anders gebaut, deshalb gibt es keinen separaten Commodore-Bereich und auch keine separate Lounge. Aber die große Kabine, das kostenlose WiFi und Frühstück und der eigene Frühstücksraum sind auch auf dieser Fahrt großartig! Und auch die Ausfahrt aus Newcastle ist diesmal wirklich ein Träumchen. Über der Küste brauen sich dunkle Regenwolken zusammen, aber noch scheint die Sonne und taucht alles in ein weiches Licht. Ein würdiger Abschied!
Die Rückfahrt ist butterweich und teilweise merken wir gar nicht, dass wir unterwegs sind. Pünktlich und gut gestärkt erreichen wir am nächsten Morgen Amsterdam. Es ist Fronleichnam und wir sind sehr froh, dass wir nach Deutschland fahren und nicht in die andere Richtung. Da staut es sich nämlich kilometerweit. Wieder mal haben jede Menge Leute an einem Feiertag nichts Besseres zu tun, als ein paar Stunden im Stau zu stehen, nur um shoppen gehen zu können. Obwohl jeder weiß, dass man im Stau steht und die Geschäfte doch morgen wieder auf haben! Zu Hause erwartet Diane dann noch ein Geburtstagsempfang der Extraklasse 🙂 . Vielen Dank an alle fleißigen Geburtstagswichtel!!
Blumige PoststelleUnsere tierische ReisebegleitungNur in SchottlandTypische MetzgerauslageEdlingham Castle & ViaduktSt John the BaptistDrinnen klein aber feinTor mit höchstem SegenGeschafft!Tynemouth CastleGoodbye UK!Geburtstagsempfang 🙂