Schottland 2026 – Orkney, Was wir neu entdeckt haben

Die Auswahl an Ferienhäusern, die unseren Ansprüchen genügen ist auf Orkney eher übersichtlich. Da wir letztes Jahr nicht unzufrieden waren, haben wir bei den Vermietern angefragt, ob wir auch dieses wieder bei ihnen buchen könnten. Die Antwort war, ja klar gerne! Aber wir haben unsere Preise geändert, sprich erhöht. Mit steigenden Preisen für Unterkünfte leben wir seit Corona und mit der aktuellen Krise in Nahost hatten wir schon ein bisschen damit gerechnet. Dann der Knaller, für das selbe Haus, die selbe Anzahl Nächte im vergleichbaren Zeitraum sollten wir £600 mehr als in 2025 bezahlen! Hallo??? Geht’s noch? Das haben wir dankend abgelehnt.
Stattdessen haben wir ein Haus in St. Ola gefunden. Die Bilder sahen ok aus, aber wir waren ein bisschen skeptisch, da der Preis deutlich günstiger ist, als vergleichbare Objekte auf der Insel. Irgendwo muss da doch ein Haken sein. Tatsächlich ist das Haus aber noch viel besser als auf den Fotos abgebildet! Größer, besser ausgestattet und insgesamt ein echter Volltreffer 🤩. John, der Vermieter wohnt im Haus nebenan und ist nicht nur super freundlich, sondern auch sehr erleichtert, als er feststellt, dass „The Germans!“ ganz gut Englisch sprechen 😉. Er hat’s nicht so mit Computern und Technik und ist ganz erstaunt, als wir ihm mitteilen, dass er sein Ferienhaus online definitiv unter Wert vermarktet. Bei Google Maps wir es z.B. gar nicht angezeigt. Er ist aber ganz zufrieden so wie es ist und freut sich über Besucher aus der Welt, die ein Schwätzchen mit ihm halten.
Erst bei Tageslicht stellen wir fest, dass der Flughafen Tingwall um die Ecke liegt. Aber der Flugverkehr (nur Propellermaschinen) hält sich sehr in Grenzen und abends um 22:00 werden die Lichter der Landebahn sogar ganz abgeschaltet. Also überhaupt kein Problem! Falls jemand Bedarf hat, wir haben Johns Nummer und können das Haus wirklich sehr empfehlen!

2025 ist Diane in diverse Grabkammern gekrabbelt, aber die Tomb of the Eagles war nicht dabei. Die war nämlich über sechs Jahre lang wegen Covid und Renovierung geschlossen und wurde erst 2026 wieder geöffnet. Es gibt einen ziemlich großen Parkplatz (offensichtlich werden viele Besucher erwartet), aber aufgrund der kleinen einspurigen Zufahrtsstraßen können keine Busse hierher kommen 👍.
Für stattliche £10 pro Person gibt es ein neues Besucherzentrum und Zutritt zum Gelände und der Grabkammer. Die liegt 1,5 Meilen vom Besucherzentrum entfernt und der Weg ist als Cliff Walk klassifiziert. Nachdem wir uns im Besucherzentrum ausgiebig informiert haben (£10 wollen abbesichtigt werden!), machen wir uns also auf den Weg. Im Nebel. Was wieder eine sehr skurile Erfahrung ist. Natürlich kennen wir Nebel. Aber zu Hause löst er sich meistens über Tag auf und entweder es regnet richtig, oder klart auf. Hier hängt die weiße Masse seit Tagen unbeweglich in der Luft. Mit Sichtweiten zwischen zehn und hundert Metern, was mehr oder weniger unerwartete Begegnunen mit anderen Menschen verursacht. Manchmal sieht man sie kommen, manchmal auch nicht 😉. Der Weg ist trotzdem schön, bei klarem Wetter aber bestimmt noch eindrucksvoller!
Den drei Meter langen und 85cm „hohen“ Gang in die Kammer kann man entweder auf allen Vieren oder auf einem Rollbrett zurück legen. Das ist quasi ein sehr breites Skateboard, auf das man sich legt um sich dann an einem Seil überkopf in die Kammer zu ziehen. Wie Leute in unserem Alter unfallfrei auf das Brett runter und hinterher in der engen Kammer wieder hochkommen sollen überlassen wir der Fantasie der Leserschaft. Diane hat klugerweise ihre Regenhose an und nimmt den Weg auf allen Vieren.
Leider hat man es für nötig befunden die Decke mit modernen Steinen auszukleiden und ein Fenster einzulassen, so dass die Kammer zwar relativ gut erhellt ist, aber es nimmt ihr – zumindest in unseren Augen – auch die historisch mystische Atmosphäre.  Um in die Nebenkammern sehen zu können, empfiehlt es sich trotzdem einen Taschenlampe dabei zu haben!

Auch auf Orkney gibt es noch ein paar Geocaches, die wir bisher nicht gefunden haben, wenn auch nicht so viele wie auf Shetland. Auf unseren Touren über die Insel finden wir aber immer mal wieder welche und kommen an Orte, die wir sonst vielleicht nicht besucht hätten.
Am Scapa Beach lässt der dunkle Himmel die Gebäude der berühmten Scapa Distillery grell weiß aufleuchten. An der Waukmill Bay und bei Finnstown sorgt er für ein ganz besonderes Lichtspiel mit dem Meer während die Highland Kühe bei Gorseness die seltenen Sonnenstrahlen genießen. An der Ruine der Rundkirche von Ophir öffnet er leider seine Schleusen und wir bekommen einen kostenlose Dusche. Gut, dass es von nirgendwo weit bis zu unserem Feriendominizil ist 😉.

Auf Orkney gibt es eindeutig mehr Bäume als auf Shetland. Aber die Wälder sind trotzdem eher klein.  Im Happy Valley bei Stennes hat Edwin Harold in 50 Jahren ein bisschen illegal einen bewaldeten Garten angelegt, der heute sicherlich viele Kinder mit seinen bunten Feentüren, dem lustig plätschernden Flüsschen, Ruinen und Gehölzen entzückt. Wir sind es jedenfalls 😁. Besonders, als vereinzelte Sonnenstrahlen durch das Blätterdach fallen, und überall helle Punkte auf Wegen und Pflanzen tanzen lassen. Alles ist sehr überschaubar, aber definitiv einen Abstecher wert.

Olav’s Wood und Helen’s Wood sind nicht viel größer, aber es fehlt der Charm und die Abwechslung. Ein ganzer Abschnitt, der als „Labyrinth“ tituliert ist, besteht nur aus einer Ansammlung toter Bäume. Wir sind dreimal durch gelaufen, bis wir verstanden haben, dass dies das Labyrinth sein soll. Eher ein bisschen unheimlich. Und dann ist der weitere Weg plötzlich gesperrt und wir müssen wieder umkehren. Für die Abwechslung war es ok, aber wenn man es nicht gesehen hat, hat man auch nicht wirklich was verpaßt.

Wenn von Orkney die Rede ist, müsste es eigentlich die Orkney Islands heißen; plural. Denn Orkney ist ein Archipel aus etwa 70 Inseln, von denen 20 Inseln bewohnt sind. Bisher waren wir auf Mainland gut beschäftigt, aber jetzt ist es Zeit für ein bisschen Inselhopping. Unsere Wahl fällt auf Rousay, was immer wieder als „Egypt of the North“ (Ägypten des Nordens) bezeichnet wird, da auf der relativ kleinen Insel – etwa 10km lang und 8,5km breit – eine ganze Reihe an jungsteinzeitlichen Gräbern und Siedlungen gefunden wurden. Die meisten davon auch noch besucherfreundlich an der Rundstraße gelegen, die um die Insel führt. Aufgrund der Größe der Insel dachten wir, dass wir das an einem Nachmittag schaffen. Jaja, wir sind da manchmal etwas naiv 🫣. Natürlich liegen die Stätten nicht DIREKT an der Strasse. Und es geht ordentlich auf und ab. Und so schaffen wir es natürlich NICHT an einem Nachmittag und müssen ein paar Tage später nochmal mit mehr Zeit zurück kommen 😉.

Die Reise in die Vergangenheit beginnt am Pier in Tingwall und der kleinen Fähre, auf die je nach Größe um die zehn Autos passen. Bei Wohnmobilen oder Transportern entsprechend weniger. Es empfiehlt sich also, die Überfahrt im Voraus zu buchen. Besonders die Rückfahrt! Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Handy-App nicht so besonders gut funktioniert und oft angibt, dass es keine Kapazitäten mehr gibt, die man aber am Laptop problemlos buchen kann.
Erste Herausforderung ist das Boarding. Es gibt nur eine Rampe, so dass die Fahrzeuge rückwärts auf das Schiffchen fahren müssen. Das ist für einige  nicht oder nur schwer machbar. Die ganz Verzweifelten übergeben ihr Auto irgendwann den Einwinker/innen um das zu erledigen. Unser Cachermobilpilot hat natürlich keine Schwierigkeiten damit 😁. Die Fahrt über den Eynhallow Sound dauert etwa 30 Minuten. Auf der Insel gibt es nur verstreute Farmen, keinen Hauptort und die Gastronomie beschränkt sich auf den Snackautomaten am Supermarkt, der nur an drei Tagen die Woche geöffnet hat. Das wussten wir aber vorher und sind mit eigenem Proviant angereist.
Wenn unsere Mitreisenden alle die Rundstraße im Uhrzeigersinn fahren, müssen wir schon aus Prinzip die andere Richtung wählen 😉. Unser erster Stopp führt uns zum Kingarly Viewpoint. Der Weg führt vorbei am Hochmoor bis zum 900kw Windrad auf dem Gipfel des Kingarly Hill. Von dort führ ein Holzsteg, im Englischen klangvoll „Boardwalk“, bis zur Aussichtsplattform. Von dort hat man dann einen 360° Blick über die nördlichen Orkney Insel und das Binnenland von Rousay. Je nach Windstärke der perfekte Platz für ein Picknick! Wir waren das erste Mal im Nebel da, aber beim zweiten Mal unter einem blauen Himmel 😁.

Da die meisten neolithischen Stätten auf der Südseite liegen, ist auf der Nordseite von Rousay nicht viel los. Es geht für uns durch Wolken und Nebel die „Bergstrasse“ entlang. Wir machen ein paar Zwischenstopps zum Geocachen am Weg und am Standing Stone von Yetnasteen. Dieser Menhir liegt etwas versteckt auf Farmgelände und wir finden ihn nur, weil wir einen Tipp von der hiesigen Farmerin erhalten, die wohl regelmäßig herumirrende Cacher auf den richtigen Weg führt. Sie ruft uns jedenfalls laut „Are you here for the cache?“ entgegen, bevor sie resolut auf ein Tor zeigt und sich mit einem „That way, good luck!“ wieder auf den Trecker schwingt. Oooookay, dann mal los. Tatsächlich finden wir die Dose, aber es dauert länger als gedacht.
Am Saviskaill Beach kann man neben der schönen Aussicht auch noch faule Seehunde sehen. Auf einspurigen, von kleinen Mauern eingefassten Straßen geht für uns weiter immer die Rundstraße entlang.

Hauptattraktion von Rousay ist wohl Midhowe Cairn und Broch an der Südküste. Ein Stückchen weiter liegen die Überreste von Skaill Farm und Westness Church. Hierfür sollte man schon mindestens zwei Stunden Besuchszeit einplanen. Vom Parkplatz geht es ziemlich steil bergab bis zum Meer. Für den Rückweg sollte man unbedingt ein bisschen mehr Zeit einplanen, besonders wenn man noch eine Fähre erreichen muss. Es ist zwar nicht weit, aber wirklich verdammt steil! Wir kommen jedenfalls ordentlich aus der Puste 🥵.
Unten angekommen wenden wir uns erstmal nach links und gehen an der Küste entlang bis wir Skaill Farm erreichen. Dann besichtigen wir uns langsam die Strecke zurück.  Brough Farm besteht nur noch aus ein paar Steinmauern und auf Skaill Farm finden immer noch Ausgrabungen statt, so dass mal wieder Absperrgitter und Plastikplanen den Gesamteindruck ein bisschen trüben.  Zumindest die Kirchenruine und der alte Friedhof von Westness lassen uns gebührend in die Vergangenheit eintauchen.

Midhowe Cairn ist mit über zwanzig Metern Länge die zweitgrößte Grabanlage auf den britischen Inseln, die durch Zwischenwände in einzelne Abteile eingeteilt wurde. Der ursprünglich darüberliegende Hügel wurde abgetragen und zum Schutz über der kompletten Anlage eine Halle errichtet. Von außen hat man das Gefühl einen Flugzeug-Hangar zu betreten! Da die Deckensteine irgendwann eingestürzt sind, ist die Kammer von oben offen und für einen Blick hinein hat man ein Metallgerüst darüber errichtet. Sieht ein bisschen nach Baustelle aus und hilft uns definitiv nicht die gebührende Atmosphäre aufkommen zu lassen. Aber man kann von oben alles sehr gut sehen!

Nur einen Steinwurf entfernt liegt Midhowe Broch, die Ruine eines weiteren Rundturms. Auch hier liegen sich wieder zwei Türme an einer Meerenge gegenüber, aber das Gegenstück, der Broch of Gurness, liegt ein Stück die Küste runter und ist von hier nicht wirklich gut zu sehen. Wir haben ihm aber letztes und auch dieses Jahr bereits einen Besuch abgestattet!

Midhowe Cairn ist zwar die größte, aber weitem nicht die einzige Grabkammer auf Rousay. Zum Knowe of Lairo muss man erstmal hin finden. Ob wir auf einem offiziellen Weg dorthin gelangt sind, wissen wir nicht. Wir sind der Onlinekarte und unseren Augen zum kleinen Hügel gefolgt. Die Anlage ist noch ziemlich im Originalzustand. So sehr, dass man nicht mal in die Kammer kriechen kann, sondern sich durch einen engen Gang in die Dunkelheit robben muss. Wir schauen, schauen nochmal und verzichten. Es gibt ja noch andere Kammern zu erkunden.
Zum Knowe of Yarso ist es wieder ein ordentlicher Anstieg. So langsam werden unsere Beine müde 😄. Am Parkplatz steht ein Schild mit Pfeil zum Knowe und einer Entferungsangabe von 400 yrds. Wir stiefeln los. Bis zu einem Schild auf dem wieder Yarso Knowe 400 yrds steht. Wir stiefeln also weiter. Vielleicht sind es nur 370m Luftlinie, der tatsächliche Weg kostet uns schon eine halbe Stunde.  Schließlich stehen wir vor einer Tür! Hier ist kein Kriechen erforderlich. Bequem geht es in die langgezogene Kammer. Unter einer weiteren Betondecke mit Lichteinlässen sind die Steine wie so oft mit einer grünen Schicht aus Algen und Flechten überzogen. Nun ja, zumindest hatten wir bei Aufstieg eine schöne Aussicht 😉.

Blackhammer Chambered Cairn ist nur einen Katzensprung vom Parkplatz entfernt und ebenfalls ziemlich bequem aufrecht zu betreten. Zuerst denken wir die Gittertür soll den Zugang versperren, aber es ist tatsächlich der Eingang. Im Inneren ist die niedrige Betondecke mit einem Runden Deckenlicht ausgestattet, was in der ziemlich runden oberen Kammer tatsächlich mal ganz gut passt. Ein bisschen Vorsicht ist geboten, damit man nicht versehentlich in das Loch im Boden in der Mitte der Kammer fällt. Über eine kleine Metallleiter geht es ins Untergeschoss, denn die Grabkammer erstreckt sich über zwei Etagen. Unten gibt es aber außer einem weiteren Gang nach draußen nicht viel zu sehen.
Um Zugang zum Taversoe Tuick Chambered Cairn zu erhalten, muss man erstmal ein bisschen Muskelkraft einsetzen. Der Eingang in der wegabgewandten Seite des Hügels ist mit einer schweren Metallschiebetür versehen, die man zur Seite schieben muss. Dahinter erscheint wieder mal eine Metallleiter. Mit unseren nassen Schuhsohlen sind die schmalen Stufen ziemlich glatt und macht den Einstieg zu einer etwas wackligen Kletterpartie. Drinnen erwartet uns viel Beton und wenig Altertum. Um ganz ehrlich zu sein, haben wir eher den Eindruck in einen Bunker aus dem Weltkrieg gestiegen zu sein, in dem zufällig noch ein paar alte Steinmäuerchen stehen geblieben sind.  Einen Stern für den ungewöhnlichen Zugang und einen weil wir einfach alte Steine gut finden. Mehr ist leider nicht drin.