Schottland 2026 – Shetland, Lerwick, das Fernsehen und eine Nachtwanderung

Unsere Ferienhaus liegt diesmal in einer Wohnsiedlung fast im Zentrum von Lerwick. Damit haben wir alle Annehmlichkeiten der Inselhauptstadt quasi direkt vor der Haustür, gucken aber über die kleine Halbinsel „The Knab“ mit ihren grünen Wiesen, die auch ein öffentlicher Golfplatz sind, und über die Bucht bis zum Tesco Parkplatz :-).

Lerwick ist ein quirliges kleines Städtchen. Die Altstadt mit einer netten Fußgängerzone verbindet, über steile und teilweise winzige Gassen, die oberen Straßen und den Hafen. Alles ist überschaubar und gut zu Fuß zu erreichen. Aber das Auf und Ab kann ganz schön in die Beine gehen. Von Fort Charlotte ist ausser ein paar Kanonen nicht mehr viel zu besichtigen, aber man hat von dort zumindest einen Ausguck über die Dächer der Stadt.
Im Shetland Museum & Archives kann man sich kostenlos über die Inseln informieren. Hier erfährt man, wenn man will, viel über die geologische Entstehungsgeschichte, die uns zugegebenermaßen nicht so sehr interessiert. Aber auch allerhand über die Siedlungsgeschichte. Von den Pikten über die Wikinger bis zur ersten Telefonstation im 20. Jahrhundert. Das Museum ist vollgestopft mit Informationen und wir verbringen hier einen, der leider vielen, Regennachmittag(e).

Die alten Handelshäuser direkt am Wasser wirken trutzig und scheinen sich vor dem harschen Atlantikwetter schützend zusammen zu drängen. Auch sonst wirken die Sandsteinhäuser der Altstadt mit ihren Schieferdächern und kleinen Fenstern oft eher wehrhaft als schön, aber bunte Fähnchen und Türen setzen Farbtupfer. Farbe gibt es auch vom Meer. Manchmal im Minutentakt wechselt es von grau zu hellblau zu grün. Von bleischwer zu spiegelglatt, immer anders, immer spannend.

Besonders sehenswert sind die Buntglasfenster im großen Saal des Rathauses, die man sich während der Bürozeiten ebenfalls kostenlos ansehen kann. Wichtige Personen und Begebenheiten aus der Geschichte sind hier verewigt. Für alle, die das so wie wir nicht gleich auf Anhieb verstehen, gibt es Erklärtafeln, die alles kurz und knackig beschreiben. Und im Erdgeschoss gibt es praktischerweise auch noch ein öffentliches WC.
Da Lerwick so klein ist sollte man vor einem Besuch unbedingt prüfen, ob und welches Kreuzfahrtschiff gerade im Hafen liegt. Denn wenn sich hunderte von Passagieren in die Gassen ergießen ist die Atmosphäre leider schnell dahin. Auch wenn die Geschäfte und Cafés offensichtlich davon profitieren.

Ebenfalls in Lerwick finden sich die Polizeistation und das Wohnhaus von Detective Inspector Jimmy Perez aus der von uns bereits beworbenen TV-Serie „Mord auf Shetland“, oder im Original einfach „Shetland“. Wir haben gelesen, dass gerade Dreharbeiten auf der Insel stattfinden. Also zumindest die Außenaufnahmen. Der Rest wird kostengünstiger in Glasgow gedreht. Auf der Anreise haben wir spekuliert, ob wir da vielleicht was zu sehen bekommen. Als wir dann aber tatsächlich die LKW und Lichttechnik am Straßenrand sehen, sind wir doch überrascht. Und an unserem Abreisetag platzen wir dann doch noch mitten in eine Szene. Also wir werden angehalten und dürfen nur in einer Drehpause weiterfahren. Eigentlich wollten wir uns die Mühle in Quendale ansehen, aber die ist heute für’s Fernsehen reserviert. Wir sehen nicht viel, aber unterhalten uns sehr nett mit Ian von der Sicherheit und dem Hiwi von der Regie 😁. Und jetzt sind wir sehr gespannt, ob wir in der nächsten Staffel irgendwas wiedererkennen werden!

Mousa ist eine kleine unbewohnte Insel 14 Meilen südlich von Lerwick. Sie liegt genau auf dem 60. Breitengrad, in einer Linie mit Oslo und Helsinki. Eigentlich ist sie nur von Menschen unbewohnt, denn es gibt dort jede Menge Vögel. Und einen Broch. Mit 13 Metern Höhe sogar den am besten erhaltenen dieser Türme in Schottland. Das Mousa-Boat bietet Touren zur Insel an. Eine davon abends, wenn die Sturmwellenreiter (kleine Vögel) vom Meer zu ihren Brutplätzen im Broch und den Steinmauern auf der Insel zurück kehren. Beworben werden Schwärme von Vögeln, die mit viel Spektakel durch die Luft sausen. Diane hat sich einen Platz reserviert und nach einem Regentag klart es tatsächlich zum späteren Abend genug auf, dass die Tour stattfindet. Warm eingepackt haben sich um 22:15 Uhr etwas 20 Teilnehmer am Sandsayre Pier in Sandwick eingefunden. Wetterbedingt fallen die Fahrten regelmäßig aus, so das erst vor Ort beim Cäpt’n bezahlt wird. Endlich werden wir einen Teil unseres schon jahrealten Bargelds los. Noch ist es nicht ganz dunkel und im Zwielicht ist die 15minüte Überfahrt schon ein Erlebnis. Vor Mousa liegt ein kleines hellbeleuchtete Kreuzfahrtschiff vor Anker, was unsere Guides erbost, weil das Licht die Vögel störe. Mit kleinen Taschenlampen ausgestattet geht es vom Anleger zum Broch. Unterwegs erzählt uns Darron was zur Insel und den Vögeln, die hier leben. Wenn die Temperaturen schon nicht nach festem Schuhwerk verlangen, tut es der Weg auf jeden Fall! Am Anleger steht zwar eine Tonne mit Spazierstöcken bereit, die man sich leihen kann, aber einige Teilnehmer haben wohl ihre Fitness und Nachtsicht grob überschätzt. Mehr oder weniger elegant stolpert unsere Gruppe im Dämmerlicht zum Turm.
Dort angekommen warten alle gespannt auf die Vögel. Am besten sollen sie zu sehen sein, wenn man am dunklen Broch hochschaut und sie sich gegen den etwas helleren Himmel abzeichnen. Wir sehen hauptsächlich die Lichter des Schiffes in der Bucht. Ob es tatsächlich an der Beleuchtung liegt oder die „Schwärme“ aus der Werbung etwas übertrieben sind, weiß man nicht. Es kommen tatsächlich vereinzelt Vögel und sausen in einem Affenzahn durch die Luft. Aber ehrlich gesagt unterscheiden sie sich nicht sehr von den Fledermäusen, die zu Hause in der Dämmerung über unseren Garten jagen.
Theoretisch könnte man auch den Broch besteigen, aber in völliger Finsternis gibt es nicht viel zu sehen. Und da wegen der Vögel nur das Rotlicht der Taschenlampen benutzt werden darf, ist der Aufstieg auch nicht ganz ungefährlich. Das machen wir lieber mal bei Tag. Kurz bevor der Rücken sich über das lange Stehen und der Nacken sich über das ständige Hochschauen schmerzlich beschweren, geht es zurück. Die tanzenden Lichter der Taschenlampen auf dem Boden erinnern ein bisschen an die Nachtwanderungen im Schullandheim. Nur leiser 😉. Insgesamt war es trotzdem ein zwar kalter aber spannender Inseltrip. Wobei zu bedenken ist, dass es am Broch keine Sitzgelegenheiten-  außer dem matschigen Boden – und auf der Insel keine Toiletten gibt. Das sollte man also vorher, oder nachher in Sandwick erledigen.