Jaja, wir sind ein altes Ehepaar und ein bisschen wie die Leute, die seit 20 Jahren jedes Jahr nach Fuerteventura (hier kann bei Bedarf jeder gedanklich die Lieblingsinsel bzw. den Lieblingsort einfügen) fahren. Weil es so schön ist! Unser Lieblingsort zum Entspannen ist immer noch das wunderbare Cliff Cottage in Kilkee, Irland. Das haben wir auch bereits ausgiebig dokumentiert . Deswegen wollten wir diesmal eigentlich gar nicht dazu bloggen. Aber dann gab es doch ein paar Dinge, die wir festhalten wollten und voilà – hier sind wir im Blog; wenn auch mit einiger Verspätung.
An einem grauen Freitagmorgen Mitte Januar machen wir uns auf den Weg zum Flughafen, frühstücken und reisen entspannt und mit viel Rückenwind nach Dublin. Obwohl wir schon so oft hier waren, finden wir doch immer wieder was Neues zu entdecken. Diesmal ist es der Rock of Dunamase, eine Befestigungsanlage im County Laois. Von der kleinen Anhöhe hat man einen guten Überblick auf die umliegende Landschaft. Ein Vorteil, den Siedler seit über 1000 Jahren ausgenutzt und uns davon noch eine ganze Reihe an Ruinen hinterlassen haben. Der Wind pfeift ordentlich um den Hügel und treibt die Wolken dekorativ über den Himmel. Wo die trübe Wintersonne durchbricht wird’s richtig kitschig-schön. Allein schon wegen der Aussicht auf die Slieve Bloom und Wicklow Mountains lohnt sich ein Besuch und der kurze Aufstieg. Wir haben die Anlage ganz für uns und stromern begeistert zwischen den Mauerresten herum. Ein toller Anfang für unseren Urlaub und von uns definitiv mit 5 Sternen bewertet. Auch weil es keinen Eintritt kostet und wohl noch ein bisschen ein Geheimtipp ist. Zumindest finden wir den Rock nur in einem unserer drei Reiseführer erwähnt.
Der Burren gehört für uns zu einem Besuch in Kilkee fast immer dazu. Je nach Jahreszeit und Touristenaufkommen nur als Stippvisite auf der Durchreise oder so wie diesmal als Tagesausflug mit viel Sonne. Die Karstlandschaft ist voller Steine und Überreste früherer Besiedlung. Unser Geocashingtrip führt uns zu einigen davon, ist aber leider nicht sehr erfolgreich .
Der kleine Ort Doolin liegt malerisch an der Küste und wir waren früher sehr oft hier. Dann wurde der neue Fähranleger, ein großer Campingplatz und der Wild Atlantic Way eröffnet und uns wurde es zu voll. Im Januar ist es aber so, wie wir es von damals kennen und mögen. Und nur zu dieser Jahreszeit ist der Himmel so blau, dass die berühmten bunten Häuser am Flüsschen Aille wie in Technicolor leuchten.
Fanore Beach ist immer einen Stopp wert. Die Sonne hat außer uns noch einige Besucher angelockt, aber der Strand ist groß genug für uns alle . Ein paar Einheimische sind sogar abgehärtet genug, um mit dem Bodyboard in der Brandung zu dümpeln.
Cahermore Fort haben wir dann wieder ganz für uns alleine und ist somit ein wunderbarer Abschluss für diesen schönen Tag an dem wir ordentlich was für unseren Vitamin-D-Haushalt getan haben!
Den Loophead Scenic Drive machen wir am Tag der Regenbogen. Gefühlt alle halbe Stunde erscheint das bunte Schauspiel mehr oder weniger ausgeprägt am Himmel. Und wie kleine Kinder freuen wir uns darüber und wünschen uns die Welt wide-wide-wie sie uns gefällt (viel Spaß mit dem Ohrwurm ). Unser Wunsch nach weniger Matsch und Wasserlachen wird leider nicht prompt erfüllt, aber dann gäbe es auch nicht die wunderbaren Spiegelbilder in den vielen Pfützen.
Am Loophead-Lighthouse sind wir dann nochmal sehr froh über unser wasserfestes Schuhwerk, ohne das unsere übliche Runde um den Leuchtturm herum nicht möglich gewesen wäre. So stapfen wir begleitet vom stetigen „platsch-platsch“ unserer Schritte durch Gras und überwachsene Pfade. Dabei haben wir Immer ein Auge auf die Wolken am Horizont und in welche Richtung sie ziehen. Bis hierhin sind wir trocken geblieben, da wollen wir jetzt nicht doch noch von einem Regenschauer überrascht zu werden.
Das kleine Kilkee beschert uns diesmal aber nicht nur Sonne, sondern auch Regen, Wind (und Wellen) und Nebel! Unsere Aussicht ändert sich ständig und wir können dieses kostenlose Unterhaltungsprogramm sogar ganz gemütlich von der Couch aus genießen! Und wenn es dunkel wird, sind wir ein bisschen fleißig. Wir haben uns 12 Stunden Videomaterial vom Schottlandurlaub 2017 mitgebracht, die endlich geschnitten werden sollen. Die perfekte Mischung aus Abschalten, Ausspannen und digitalem Aufarbeiten.
Wir hätten gerne den Rest unseres Urlaubs genauso verbracht. Aber Éowyn hat leider etwas dagegen. Wer jetzt denkt „Éowyn, Éowyn, woher kenne ich den Namen?“, der hat vermutlich mal Herr der Ringe gelesen oder zumindest die Filme gesehen. Éowyn ist die blonde Nichte von König Théoden, die den König der Nazgul in der Schlacht von Minas Tirith tötet. Ein mehr oder weniger passender Name für den Sturm, der sich über dem Atlantik zusammenbraut und als der mächtigste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Irland bezeichnet wird. Die Einheimischen sind ziemlich entspannt, weil der Sturm bei Niedrigwasser auf Land treffen wird und bisher das Meer bei Sturm die größte Gefahr darstellt. Wir fühlen uns aber nicht wohl ganz allein im Cliff Cottage zu bleiben und ziehen für die Nacht ins Hotel nach Ennis, etwa 50 Kilometer im Landesinneren.
Tatsächlich bekommen wir vom Sturm relativ wenig mit. Der Wind heult und der Regen trommelt wie wild an die Fenstern, aber wir haben es kuschelig warm in den ziemlich bequemen Hotelbetten! Leider hatte der Wetterdienst recht und Éowyn hat überall Bäume entwurzelt und vor allem die Überlandleitungen wie Streichhölzer umgeknickt. Auch das Cliff Cottage ist ohne Strom und somit auch ohne Heizung. Es gibt eine App vom hiesigen Stromversorger, die anzeigt, wie lange es dauert, bis Stromausfälle voraussichtlich behoben sind. Schon ein Hinweis darauf, dass gerade die Winterstürme immer wieder Leitungen zerstören. Aber diesmal ist die komplette Insel betroffen und es dauert letztendlich über 10 Tage, bis Kilkee wieder elektrifiziert ist. Für uns heißt das, kein Cliff Cottage und auch kein entspannter Urlaub mehr, da überall Straßen durch Bäume (oder hölzerne Strommasten) blockiert sind, es weiterhin regnet und dann sogar schneit und der Wind zwar nicht mehr mit Sturmstärke, aber deutlich ungemütlich unterwegs ist. Wir machen nur einen kurzen Ausflug nach draußen zum Port of Clare, früher der Haupthafen der Grafschaft, heute ein Naherholungsgebiet am Fluss Fergus. Ansonsten bleiben wir im Hotel, das glücklicherweise ein gutes Restaurant hat und auch sehr leckeres Frühstück serviert .
Auf dem weg nach Dublin halten wir in Limerick und gehen ins Hunt-Museum. Wir dachten immer, das sei ein Jagdmuseum (engl. hunt = Jagd), haben uns aber zugegebenermaßen auch nicht näher informiert, weil wir ja nicht so die Museumsgänger sind. Tatsächlich handelt es sich aber um die Privatsammlung der Familie Hunt, die offensichtlich viel Platz und Geld hatten und alles, was sie irgendwie interessant fanden, gesammelt haben. Das Ergebnis ist eine bunte Mischung von der Eisenzeit bis zur Moderne. Kaum sind wir durch die Tür spricht uns Steph(anie) an, die im Museum arbeitet und uns eine kostenlose Führung durch die Sammlung anbietet. Ein super Service, der nicht nur sehr informativ sondern auch lustig und unterhaltsam ist. Selten hatten wir während eines Museumbesuchs so viel Spaß!
Wir wären früher nach Hause gefahren, aber freitags gibt es keinen Flug wegen Éowyn, den Flug am Samstag hat Air Lingus gestrichen und selbst für unseren gebuchten Rückflug am Sonntag müssen wir ein bisschen zittern, da eine weitere Wetterwarnung (diesmal „nur“ orange) erst kurz vor unserem Abflug aufgehoben wird. Noch nie haben wir den Flughafen so leer erlebt und noch nie waren wir froh aus Irland abreisen zu können. Wir kommen bestimmt wieder, aber erstmal nicht mehr im Winter.